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Fortsetzung Die Ermittlung

"Wir müssen uns aufteilen", sagt Marco. "Einer fährt auf die Seiser Alm, einer ins Pustertal und einer bleibt im Büro."

Der Vorschlag gefällt Toni und Monika. Monika wird beauftragt, in den Unterlagen die offenen Fragen zu suchen. Marco will ins Pustertal und Toni soll weiter auf der Seiser Alm ermitteln. Es kommen sicher noch Hotels und Gaststätten dazu. Monika ist schon am Aufschlüsseln der Meldungen vom Arbeitsamt. Sie spricht jetzt schon vom Eisacktal und von einer Bozner Gaststätte. Sie sucht aktiv die Übernachtungen der Saisonarbeiter. Die Vermieter sind schwer zu finden und auch sonst, extrem verschlossen.

Marco sagt, in der näheren Umgebung kann Monika auf eigene Faust ermitteln. In den kommenden Tagen bekommt sie eine Karte und einen Ausweis dafür. Monika geht fast rückwärts, als sie das hört. Vor der Tür, ruft sie schnell zu Hause an. Frieda geht ans Telefon. "Ich komme in naher Zukunft etwas seltener. Ich bin jetzt Detektiv."

"Das freut uns. Im Moment haben wir so und so, weniger zu tun. Das Saisonende kündigt sich an."

"Macht ihr schon Törggele?"

"Aber sicher. Wir haben gute Ultener Keschtn."

Toni hört mit. "Meinst du Aschbach Keschtn?"

Er hört, wie Frieda lacht. Lukas gibt ihm knurrend Recht.

"Wir haben gemischt, Toni."

"Das ist Völkerverständigung auf dem Kastanienrost."

"Wie geht's mit dem Fall vorwärts?", fragt Lukas.

"Es hängt noch etwas. Wir suchen noch Spuren."

"Viel Glück!"

Monika nimmt das Handy wieder. Sie geht vor die Tür. Jetzt wird's intim.

Die Aufteilung ist beschlossen. Alle kümmern sich noch um die Protokolle. Der zweite Tisch wird tatsächlich benötigt. Toni denkt schon an einen Rollcontainer.

Sie sitzen bis nach Sechs. "Jetzt müssen wir schnell fahren. Sonst ist die Seilbahn weg."

Zum Glück sind sie mit dem Motorrad unterwegs. Mit dem Auto würden sie wieder im Stau stehen in der Töll. Heute geht der Stau bis nach Algund herunter. Dort biegt auch Toni ab. Er glaubt, über Algund etwas schneller zu sein. Ab der Oberplarser Abfahrt stehen auch dort die Autos. Aber hier kann Toni bis an die Kreuzung der Töll, den Autostau passieren. Die Rechnung geht auf. Toni drängelt sich etwas hinein in die Autoschlange. Statt selbst mit einem Zweirad zu fahren, hupen die Autofahrer. Toni versteht das nicht. 'Jeder kann einen Scooter fahren', denkt er sich. 'Wieso fahren die ausgerechnet mit dem Auto? Die stehen gern im Stau. Ochsen stehen auch gern in der Gruppe. Vielleicht hassen sie die Freizeit mit ihrer Familie?'

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Ermittlung

"Nachdem, wie ich es sehe, bekommen wir reichlich Bewegung", stellt Toni nach dem Studium der Unterlagen fest. "Wir kommen auch wieder Mal ins Pustertal. Wie ich sehe, nach Toblach, Reischach und nach Kiens."

"Das klingt interessant", sagt Monika.

"Wir haben bisher kaum Spuren. Wir suchen die Nadel im Heuhaufen", sagt Marco. Er wirkt verzweifelt. "Das Schlimmste ist eigentlich, dass wir nicht in die Personalzimmer können. Wenn sie dort Diebesgut lagern oder mitführen, sind wir bis jetzt machtlos."

"Mit einer Vollmacht könnten wir schon nachschauen", sagt Marco.

"Gibt es die eventuell blanko?", fragt Toni.

"Ich kümmere mich", antwortet Marco.

"Jolka hat eine Kollegin oder Freundin", sagt Monika. In allen Betrieben, in denen Jolka arbeitete, arbeitete auch ihre Freundin. Sie heißt Dunja."

Monika wird für die zwei Kommissare immer wertvoller. Sie hätten das nicht im Geringsten gemerkt.

"Von der Freundin, Dunja, ist der Bericht vom Patronat oder vom Arbeitsamt zu ziehen", sagt Marco. Er wirkt heute etwas nervös. Die Ermittlung zieht sich zu langsam hin. Toni spürt das.

Beim weiteren Studium der Unterlagen entsteht der Eindruck, mit den Diebstählen kann der Tod Soltans nicht unbedingt zusammen hängen. Es muss andere Motive geben. Vielleicht ist es gar eine Beziehungstat? Toni schüttelt den Kopf. Wer bringt in dem Umfeld seine Freunde und Kollegen um? 'Die haben doch alle untereinander intime Beziehungen', denkt er sich. Moni sieht das Rauchen des Kopfes von Toni. Als könnte sie ahnen, an was Toni gerade denkt, sagt sie ihm aus eigener Erfahrung: "Unterschätze nicht die Beziehungen der Saisonarbeiter untereinander."

Marco lässt ein Schreiben aufsetzen, mit dem die Vermieter der Personalzimmer offiziell gebeten werden, aufmerksam die Zimmer der vorläufig Verdächtigen etwas genauer zu kontrollieren. Diebesgut ist zu melden. Ohne Aufruhr. Toni ist sich fast sicher, die Vermieter gehen von sich aus schon die Zimmer der Saisonkräfte durchwühlen. Irgendwie kennt er seine Landsleute. Er kennt zwei Saisonkräfte persönlich, die das sogar heimlich gefilmt haben. In Privaträumen ist das erlaubt. Sobald die Zimmer vermietet sind, sind es Privaträume. Und dort darf man filmen. Er hat diesbezüglich mal einen Streit geschlichtet. Zum Glück konnten sich die Parteien einigen. Der Vermieter wollte lediglich vermeiden, in kriminelle Machenschaften verwickelt zu sein. Rauschgifte sind auch in Südtirol ein Thema. Bei dem Gedanken, öffnet sich die Ermittlung noch etwas. 'Ist vielleicht Rauschgift mit im Spiel?', denkt er sich. Er fragt seine Kollegen. Marco weiß, wovon Toni spricht. Er hatte früher einige Fälle mit österreichischen Saisonkräften. "Dem Gedanken folge ich nicht so direkt. Saisonkräfte aus Osteuropa sind einfach zu arm für den Rauschgiftkonsum."

"Und für den Handel damit?", fragt Toni.

"Naja. Für den Handel braucht es schon auch Einiges an Kapital. Für Lau macht das auch da Keiner."

Der Gedanke gefällt Toni. Trotzdem wird er das Thema im Auge behalten.

Fortsetzung folgt

Blick von Molveno in die Brenta vor sechs Jahren im November

Fortsetzung Die Ermittlung

Am Morgen im Büro sind die restlichen Meldungen vom Arbeitsamt und von den Patronaten angekommen. Beim Studium und dem Vergleich der Daten, fallen Monika, Namen auf. Namen, die auch im Zusammenhang mit den Österreichischen Autodiebstählen stehen. Toni schüttelt den Kopf, als ihm das Monika mitteilt. Marco schlägt umgehend vor, Monika als freiberuflichen Detektiv einzustellen. Die Anträge lässt er im Büro verfassen. Bei seinem Vorgesetzten will er damit selbst anfragen.

Das Team um Marco kümmert sich also jetzt um die Diebstähle, die Ermordung Soltans und versucht, Zusammenhänge zu finden. Jetzt kommt genau der Moment, den Toni schon befürchtete.

Von den Österreichischen Kollegen bekommen sie sämtliche Namen und Fotos der vermeintlichen Bandenmitglieder. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um Autodiebstähle. Das Ganze scheint sich auf Wohnungen, Hütten, Garagen und Schuppen auszudehnen. Toni bestellt schon zwei Beistelltische für sein Büro. "Die Akten werden uns erdrücken", sagt er lächelnd.

Monika schlägt vor, Opfer von Diebstählen zu befragen. Dazu bestellen sie extra noch Protokolle über die Aussagen der Opfer. Die Kollegen haben das schön geordnet nach dem Diebesgut. Es fängt mit Fahrrädern an und endet bei Spielsachen, Skiern und Fahrzeugteilen. Eine Sparte behandelt den Diebstahl von Fahrzeugpapieren und Unterlagen. Toni muss lachen, als er sieht, eine Sparte für Ersatzreifen und Bordwerkzeug gibt es auch. Monika findet eine Sparte mit Sexspielzeug."Was die Leute alles im Auto mitführen", sagt sie lachend. "Da fehlt nur noch die Sparte für Kücheneinrichtungen."

Die Drei stellen fest, viele Saisonkräfte, die in den Sommermonaten in Südtirol gearbeitet haben, taten das im Winter, in Österreich. An die Schweizer Daten kommen sie im Moment nicht heran. Das erscheint ihnen auch weniger wichtig.

Jetzt gehen sie daran, die einzelnen Arbeitsstellen zu erfassen und wer, wo gearbeitet hat. Damit hoffen sie auf Zusammenhänge. "Bei diesem Fall gewinnt die Büroarbeit", stöhnt Toni. "Wir kommen selten vor die Haustür."

"Da wird nix mit Spesenkost im Feinschmeckerparadies", scherzt Marco.

"Da gibt es wieder trocken Brot mit etwas Speck", antwortet Monika."Zum Glück wird wenigstens das Trockenfleisch nicht alle", pflichtet Toni bei.

Fortsetzung folgt

Gelegentlich suche ich in meinem Fotoarchiv nach Fotos aus der Vergangenheit. Diese Fotos stammen vom Parkplatz Nago, oberhalb von Torbole aus dem Jahre 2013. Sie wurden am sechsten Januar geschossen.

Damals bin ich noch mit der 1250 GSXFa gefahren: 

Fortsetzung Die Ermittlung

Das Handy klingelt. Die Sekretärin von Marco geht ran. Sie sagt, auf der Seiser Alm hätte Darek mit Jolka und auch Soltan, in mehreren Betrieben gedient.

"Jetzt wird's lustig", ruft Marco. "Wir können hier auch noch andere Betriebe abklappern."

Der Aussage der Sekretärin folgend, dürfen sie noch eine Hütte und zwei Hotels besuchen. Eine neue Runde beginnt.

Sie fahren gleich wieder los. Noch am gleichen Tag.

Der Kofelblick und der Zirmadler sind noch fällig. Die Drei sind sich einig, es sind mehr Hotels und Hütten als diese zu besuchen. Einen schaffen sie noch. Den Rest werden sie mit Terminen von zu Hause aus erledigen.

Die Auffahrt zum Kofelblick ist für sie schon fast ein Kunststück. Die Wege sind versandet und teilweise mit Kies belegt. Marco fährt das wie ein Profi. Toni, eigentlich der Mann mit mehr Fahrpraxis, eiert gewaltig auf den Wegen. Monika verkrampft sich teilweise. Sie begegnen Wanderern, die einfach keinen Platz machen wollen. Kühe und Schafe hingegen, machen bereitwillig Platz. Sogar die Hunde, das Wachpersonal der Herden, gehen respektvoll ur Seite.

Der Kofelblick ist eigentlich eine gut ausgebaute Hütte. "Hier könnten wir auch Etwas essen", sagt Monika. Die frische Luft scheint bei ihr das Hungergefühl zu beleben. Aus dem Schatten des Schlern sieht die Seiser Alm wie ein Garten aus. Der Plattkofel leuchtet im Nachmittagslicht wie eine Goldkuppe.

Bei einem Gespräch mit der Chefin des Hauses stellt sich schnell heraus, Darek und auch die Anderen waren hier. Alle gehen ins Büro und kopieren die entsprechenden Unterlagen. Die Chefin weiß, Soltan war allein bei ihr. Auch Jolka. Darek hat zu dieser Zeit nur kurz bei ihr geholfen. Am freien Tag von ihrem Kellner. Darek arbeitete eigentlich schon im Zirmadler. Der Weg dahin ist etwas umständlich und nur zu Fuß in knapp zwei Stunden möglich. Darek hat Jolka deshalb nicht jeden Tag besucht. Wie scheint, hat Soltan die Fehlzeit ersetzt.

Langsam aber sicher, ergibt sich für die Drei eine Spur.

Nach Feierabend schauen die Drei, ob schon Törggelen angeboten wird. Noch nicht. Es finden aber schon Weinfeste statt. Toni meidet das. Er mag keinen Wein. Marco hingegen sagt, er gibt einen Suser aus. In Bozen. Am Magdalener wird schon der Suser ausgeschenkt. "Dann gibt es sicher auch schon etwas Törggelen", sagt Monika.

"Ich mag keine warme Blutwurst", sagt Marco.

"Aber das Bauchfleisch von hübschen Schweinchen, magst du ganz sicher", antwortet Toni. Marco kann nicht widersprechen und Monika lacht. Der Suser hat Toni geschmeckt. Toni hat nur ein kleines Glas getrunken. Marcos Glas war doppelt so groß. "Jetzt kannst du nicht mehr fahren", sagt Toni zu seinem Kollegen. "Der Suser hat nur ein Prozent Alkohol", antwortet Marco. "Das Gläschen wird kaum messbar sein. Meine Weinbrandbohnen im Schreibtisch haben mehr Alkohol."

"Aber hinfallen darfst du heute nicht mehr", antwortet Toni.

"Wir fahren eben vorsichtig nach Hause", sagt Monika.

"Wir treffen uns morgen im Büro", gibt Toni zum Besten. In Meran trennen sich die Drei.

Auf Tonis Hütte kommt Monika auf den Punkt. "Ich glaube nicht an die Schuld Dareks. Das war sicher jemand Anderes."

Toni scheint sich nicht sicher zu sein. "Wir brauchen mehr Spuren."

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Ermittlung

Auf der Straße zur Alm kommen sie an einen Kontrollpunkt. Eine weniger freundliche Frau empfängt sie hinter einer Glasscheibe. "Haben Sie einen Passierschein für die Alm?"

Toni zeigt seine Marke. Das beeindruckt die Dame wenig. "Sie müssen ein Tagesticket ziehen."

"Wir sind hier für eine Ermittlung."

"Das können Alle sagen."

"Rufen Sie bitte die Polizeipräfektur in Bozen oder Meran an."

"Ich sitze hier nicht, um Irgendwo anzurufen."

Marco muss anrufen. Die Präfektur verlangt, mit der Frau sprechen zu dürfen. Marco übergibt ihr das Telefon. Ab jetzt hören sie nur noch: "Ja, ja, aber...ja, ja, ist gut."

Sie dürfen für drei Euro je Kopf passieren. Kopfgeld. Es reicht für eine stark ermäßigte Durchfahrt. Toni verlangt dafür eine Quittung. Für dieses Verlangen erntet er finsterste Blicke. Es scheint, das dieses Kassenhäuschen den inneren Zusammenhalt, nachhaltig beschädigt. "Hier fahre ich nie wieder hin", sagt Toni. Der Weg nach Oben bekräftigt seine Ablehnung. Die Straße liegt voller Steinschläge. Nichts ist geputzt oder geräumt.

Oben angekommen, stehen sie anfänglich auf einem leeren Riesenparkplatz. "Für wen wurde dieser Parkplatz geteert?"

"Für die Radfahrer", sagt Marco.

"Ich hab nicht gedacht, das Fahrräder so viel Platz benötigen."

"Die Fahrräder nicht. Aber die Motorrädern, mit denen die Räder bis hier her gekarrt werden."

Am Hotel Turmtaube angekommen, stellen die Drei fest, die Saison ist schon zu Ende hier. Sie klingeln, klopfen und hupen mit den Autos. Keine Reaktion. Hinter einem Fenster bewegt sich eine Gardine. "Hier ist Jemand da", ruft Marco. Er klingelt noch einmal. Nach zehn Minuten öffnet sich die Tür. Eine etwas ältere Frau empfängt die Kommissare.

"Wir haben geschlossen."

"Wir sind von der Polizei und wollen gern etwas wissen über Darek oder Petr."

"Achso. Der Chef ist im Urlaub. Ich will mal sehen, ob ich ihnen helfen kann."

Alle gehen gemeinsam ins Büro und suchen die Personalordner. "Darek und Petr haben hier gearbeitet. "

Toni schreibt deren Nummern heraus und die Zeiten, die sie hier gearbeitet haben. Kaffee bekommen sie keinen angeboten. Auch sonstige Getränke nicht. Das ganze Treffen wirkt etwas abgekühlt und abweisend. Die Drei verabschieden sich sofort.

"Wenn das bei den Anderen auch so läuft, kommen wir nicht viel weiter", sagt Toni.

Sie entschließen sich, bei den Patronaten weiter zu suchen. Dort sind alle Daten zusammen gefasst. Danach werden sie alle Arbeitsstellen anschreiben, wo die Zwei gearbeitet haben. Das Gleiche machen sie auch mit den Daten von Soltan. "Es muss eine Spur geben", sagt Marco.

"Gehe doch mal in Krankenhaus. Vielleicht gibt es dort Unterlagen", sagt Monika.

Sie fahren gemeinsam zurück ins Büro. Kaum sind sie da, sagt eine Sekretärin, dass Unterlagen angekommen sind. Der dicke Briefumschlag liegt auf dem Schreibtisch von Toni. Nach dem Öffnen, stellt Toni fest, das Arbeitsamt hat eine Zusammenstellung der Arbeitsstellen ausgedruckt. Das Studium des Ausdruckes erleuchtet die Drei.

Einige Saisonen, haben Darek und seine Frau, nicht zusammen im gleichen Hotel gearbeitet. Jetzt müssen sie nur noch heraus bekommen, wo Soltan zu diesen Zeiten war.

Fortsetzung folgt

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