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Leseprobe Der Saisonkoch - Zweiter Monat

Der Saisonkoch Zweiter Monat

Tag 35

 

Unser Morgen beginnt mit einem, in letzter Zeit, etwas ungewohntem Ritual. Wir sind weit vor dem Weckruf aufgewacht und haben uns die Freizeit mit Genitalspielereien verkürzt. Wir trinken auch unseren Kaffee zusammen. Von Müdigkeit - keine Spur. Unsere Gespräche drehen sich nicht um eklige Bäder und Zimmer. Auch nicht um Einzelpersonen, deren Hinterlassenschaften und Gewohnheiten. Dieser Morgen dient der reinen Entspannung nach den Feiertagen. Generell dürfen wir von einer Art Befreiung sprechen, wenn der sechste Januar geschafft ist. Bis dahin reden wir von Feiertagsdruck. Neuerdings wird das als Stress bezeichnet, was eigentlich nur die Kollegen trifft, die fachlich wenig vorbereitet sind. Wir schauen uns noch den Anfang von einem Film gemeinsam an, "The Guard", ein Lieblingsfilm Joanas, bei dem sich unsere Stimmung noch zusätzlich hebt. Joana geht schon ins Bad. Langsam wird es Zeit, zur Arbeit zu gehen.

Heute ist Freitag und freitags ist immer mit einem besonders frühem Ansturm zu rechnen. Ich werde sechs Uhr losfahren. Eigentlich wäre heute, Pünktlichkeit nicht so wichtig, aber ich will meinem Ruf nicht schaden. Auf dem Rückweg könnte ich ja noch bei zwei Gastbetrieben vorbei schauen, bei denen ich mich beworben habe. Vielleicht benötigen sie noch einen Koch. Es ist eine recht gutgehende Restauration dabei als auch ein Tanzbetrieb. Letzteres interessiert mich etwas weniger, weil ich dann ausnahmslos, abends arbeiten müsste und meine Joana nicht treffen würde. Joana würde keine Nacht mehr ruhig schlafen und sich permanent Sorgen machen.

Das Theater geht schon im Ort los. Die Abreisenden haben sich die Autos untereinander beschädigt und jetzt streiten sie lautstark auf dem Parkplatz rum. Ich höre Deutsch und Holländisch. Es fehlt nur noch, dass die sich schlagen. Je höher die Schulden, desto verbitterter der Streit. Mir fällt ein Film ein; Al Bundy, glaub ich, in dem es sich zwei Familien nach einem Unfall in einem Stau, richtig gaben. So in etwa, spielte sich dieser Streit ab.

Auf dem Weg in die Viadukte des Reschen in Richtung Pfunds, darf ich schon den zweiten Unfall bewundern. Ein Ausrutscher der feinsten Sorte. Selbst das Geländer hat der vollbeladene Dreitonnen - SUV raus gerissen. Der ganze Kram und selbst der, vom Buffet mitgenommene Reiseproviant, lagen am Rand und auf der Straße verstreut. Tja, Traktor fahren will gelernt sein. Der Fahrer will mich anhalten und ich solle ihm einen Abschleppdienst anrufen. Ich sage ihm, ich muss auf Arbeit und für seinen Kram habe ich keine Zeit. "Sie haben Urlaub und damit Zeit; ich nicht!"

"Wieder so ein Ostdeutscher. Die sind überall!"

"Wegen ihnen", antworte ich dem Troll.

Seine Frau steht in Pelz und Pantalons mit hohen Stiefeln im Schnee. Sie kreischt irgendetwas, das ich nicht verstehen kann. In dem Aufzug, hätte ich die Dame eher am Straßenrand in einer Großstadt gesucht, aber sicher nicht in einer Schneewehe. Obwohl; der Straßenrand passt schon. Unsere Fernfahrer aus dem Osten, würden sich schon freuen.

Bis Prutz geht es ziemlich zügig und ab da, wird der Verkehr ziemlich dick.

Leseprobe Der Saisonkoch - Zweiter Monat

Der Saisonkoch Zweiter Monat

Die Flüge in und von diesem Urlaub waren vergleichbar mit Gefängnistransporten, so eng saßen wir. Zehn Stunden voller Qualen für ein paar Tage Urlaub in Westkultur. Wir hatten uns vorgenommen, das nie wieder zu tun.

Insgesamt war der Urlaub vor Ort recht nett. Der schlimmste Eindruck für uns war das direkte Kennenlernen der anderen Deutschen samt ihren Kontrollorganen auf den Flugplätzen. Die unglaubliche Überheblichkeit, gepaart mit einer Dummheit, die uns so - fremd ist. Wir bekamen das auch umgehend gesagt von unseren Gastgebern. Sie meinen, wir DDR - Bürger wären wesentlich zugänglicher und freundlicher als die Westdeutschen. Alfred und Marco aus Nauders bestätigen uns das immer aufs Neue.

Kaum sind wir da, begrüßt uns schon Dursun mit "Gesundes Neues Jahr, Ihr Beiden!"

"Gleichfalls; auch Deiner Familie, Dursun."

"Danke. Wie war de Feier?"

"Beschissen, wie immer."

"Haschte ni gefeiert?"

"Wir feiern das ni, Dursun."

"Ah, okay; alles kloar."

Marlies rennt gerade bei ihrem Frühstücksservice. "Guten Morgen", kommt ihr gerade so über die Lippen und schon ist sie weg. Ihr Neujahrsmorgen ist praktisch schon der erste Dauerlauf im Neuen Jahr. An Feiertagen hat sie etwas mehr zu tun, weil sie die Brötchen und Backwaren selbst aufbacken muss. Marco bezieht sie als Gefriersortiment. Die gefrorenen Teiglinge sind etwas angebacken und müssen noch, rund fünfzehn Minuten lang, fertig gebacken werden. Die Methode hat sich in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt und sie entlastet auch etwas die örtlichen Bäckereien. Marlies kommt zurück und wünscht uns ein Gesundes Neues Jahr, was wir ihr natürlich auch wünschen. Marco ist noch nicht da und wir beschließen, nach einem Schluck Kaffee, ins Zimmer zu gehen. Im Foyer herrscht, bis auf ein paar Frühstücksgäste, Totenstille.

Unser Zimmer ist recht warm aber riecht etwas muffig. Joana öffnet kurz das Fenster zum Lüften und geht schon mal ins Bad, sich frisch machen.

"Willst Du glei los machen?"

"Ja. Nach'm duschen."

"Ich schmeiß mich noch ne Stunde hin."

"Stell Dir 'n Wecker."

Joana ist schon wieder im Arbeitstrance. Die Zimmermädchen haben im Neuen Jahr ganz sicher reichlich zu tun. Und das beschäftigt sie natürlich schon jetzt. Neben der Zimmer- und Badwäsche mit den entsprechenden Spuren, ist auch die Tisch- und Küchenwäsche fällig. Vom Haus und den Toiletten möchte ich nicht schweigen. Das wird praktisch die erste Kotzübung des Neuen Jahres. Das überstehen nur die Härtesten ohne Appetitsverlust. Bei den Zimmermädchen können wir heute sicher Personalessen sparen. Vom Nachtbuffet ist noch eine Menge übrig. Ich hab es im Kühlhaus gesehen.

Kurz vor Acht, klingelt unser Wecker. Joana hat mich nicht geweckt und es riecht auch nicht nach Kaffee. Unser Zimmer ist jetzt etwas frisch, um nicht kalt zu sagen. Dafür ist der muffige Geruch weg. Im Bad riecht es nach Joanas Parfüm. Meinen Kaffee werde ich hier im Bad trinken. Hier ist es schön warm.

Im Personalraum sitzen alle Kollegen. Wir wünschen uns ein Gesundes Neues Jahr. Einige küssen sich untereinander. Marco sieht etwas verbraucht aus heute. "Wie lange hast Du gestern gefeiert?", frage ich ihn.

"Du meinst, heute!"

"Wann bist Du ins Bett?"

"Gerade eben. Kurz, bevor Du gekommen bist."

"Wer war die Glückliche?"

"Schau Dich um. Das siehst Du sicher."

'Naja', denk ich mir. `Die sehen alle recht zufrieden aus.`

"Meinst Du Alle?"

Marco kann sich kaum halten vor Lachen.

"Schön wär's."

Wenn ich so genau hin schaue, sieht Mira etwas glücklicher aus als ihre Kolleginnen. Ich frage Marco nicht. Das ist seine Sache. Marco kann bei den Kolleginnen nichts falsch machen. Sie sind alle schön und wunderschön. So wunderschön, wie meine Joana. Viele Zimmermädchen neigen wegen ihrer Arbeit etwas zur Hyperaktivität, die sich im freizeitlichen Zusammenleben schwer bremsen lässt. Marco dürfte damit gut zurecht kommen. Als Koch muss Unsereiner schon auch ein Spur Hyperaktivität besitzen. "Was hattest Du Gestern als Galamenü, Marco?"

Leseprobe Der Saisonkoch - Zweiter Monat

Der Saisonkoch Zweiter Monat

Jetzt beginnt der Zweite Monat und ich glaube fast, das passt in die aktuelle Zeit.

Ab dem Zweiten Monat erspare ich meinen Lesern die Kochlehre, Rezepte und Arbeitsanleitungen. Ab diesem Teil konzentriere ich mich ausschließlich auf die Saisonarbeiter, deren Arbeitgeber und auf die zurück gelegten Wege. Es geht um Arbeitslosigkeit, Vorstellungsgespräche und die Auswirkung auf die Psyche. Meine Südtiroler Leser werden schon einige Südtiroler Betriebe mit finden. Auch den Kontakt mit meinen neuen Landsleuten. Selbstverständlich vergleiche ich die DDR mit meinem neuen Gastgeberland. 

Tag 32

 

Kurz nach Zwölf wecken wir vom Knallkörpergeräusch in unserer Nachbarschaft auf. Die Gäste von unserer Nachbarin feiern Neujahr und starten ihre Raketen und Knallkörper. Über Meran und in unserem Ort sehen wir ein herrliches Feuerwerk. Nach zehn Minuten hören wir, wie schon die ersten Fahrzeuge ankommen, um Gäste von Doris abzuholen. Die Feier scheint nicht lange zu dauern.

In der DDR gingen Silvesterfeiern bedeutend länger und die Feierlichkeiten waren wesentlich intensiver. Das lag einfach daran, dass in der DDR sämtliche Getränke und Speisen in der Gastronomie, erheblich preiswerter waren und kaum einen Unterschied zu den Ladenpreisen darstellten. Für DDR-Bürger war dem zu Folge, Kultur und Zusammensein, bedeutend erschwinglicher. Zum neuen Jahr erwartete den DDR- Bürger auch kein Entlassungsschein und schon gar keine unerschwingliche Versicherungsrechnung. Aus genau dem Grund, waren unsere Silvesterfeiern ausgelassen und echte Feierlichkeiten. Komischerweise konnten wir uns zum Neuen Jahr auch etwas vornehmen, ohne befürchten zu müssen, dass uns ein äußerer Umstand an der Umsetzung hindert. Genau das aber geschah Neunzehnhundertneunzig. In diesem Jahr wurden alle Wünsche im Juni umgeschrieben und in neunzig Prozent aller Fälle, durch äußere Umstände im Laufe des Jahres gebrochen. Diese Enttäuschungen wirken noch heute und bei sehr vielen unserer Mitbürger waren die Enttäuschungen und Misshandlungen so grob, dass sie sich das Leben nahmen oder mit falschen Medikamenten, umgebracht wurden. Allein in unserer Familie, waren es fünf Angehörige, die in der DDR noch leben würden. Einer unserer Väter wurde bei einer normalen Zuckerkrankheit auf Westmedikamente umgestellt und wir durften machtlos zusehen, wie er binnen einem halben Jahr, auf dreißig Kilogramm Körpergewicht zusammenfiel. Seine Frau, eine meiner Mütter, verstarb an Einsamkeit, weil wir Kinder uns das Geld woanders verdienen mussten. Ein Onkel, der in der DDR einen sicheren Behindertenarbeitsplatz als Beifahrer hatte, wurde entlassen. Er hatte in der DDR einen Arbeitsunfall. Dessen Arbeitsplatz wurde mit der Auflösung seines Betriebes, abgeschafft. Er lebte mit seiner Mutter, meiner Oma zusammen und sie sollten zusammen, von der gekürzten Rente unserer Oma leben. Beide legten sich vor den Gasherd und starben an Gasvergiftung. Unsere Familie hat damit mehr Opfer zu beklagen als kriegsgeschädigte Familien des Zweiten Weltkrieges, in dem wir als Familie, neben der Umsiedlung, auch ein Mitglied verloren. Zum großen Glück, hatte die DDR – Regierung unserer Familie, väterlicherseits, ein Gut mit Boden geschenkt, auf dem sich zu DDR - Zeiten gut auskommen ließ.

Zu jedem Neujahr gehen mir diese Gedanken durch den Kopf und meine Joana übt sich in gemeinsamen Mitgefühl. Es gibt also keinen Grund für uns, ein Neujahr unter diesen Bedingungen zu feiern.

Fischknödel

Fischknödel

Wir kochen heute mal Fischknödel. Spezielle Fischknödel sind gemeint.

Zum Einen, die Thunfischknödel und zum Zweiten, die Sardellenknödel. Der Koch kann auch beide Fischsorten gleichzeitig benutzen.

Als Sauce empfiehlt sich eine Senf- oder süß-saure Sauce. Eventuell mit Kapern und/oder einer Spur Knoblauch.

Vorneweg möchte ich anmerken, Haushalte in unserer Größe sind gut beraten, Knoblauch, überhaupt Gewürze und auch Kapern, in getrockneter Form zu Hause zu haben. Es gibt wenige Ausnahmen, die getrocknet nicht schmecken. Dafür haben wir aber Blumentöpfe, Balkons und etwas Beschäftigung.

Wie üblich, können wir Knödel aus frischem oder getrocknetem Brot herstellen. Es soll Haushalte geben, die einfach kein trockenes Brot haben. Gratulation dazu!

In das gewürfelte Brot geben wir eine Mischung aus Ei, Öl/Butter, Sardellen und/oder Thunfisch, etwas Gewürz der Wahl, die wir vorher mit dem Mixtstab oder Blender pürieren. Etwas Grünes schadet nicht. Petersilie oder Schnittlauch sind auch geschmacksgebend. Die Kräuter werden nicht mit gemixt.

Die Knödel würde ich dämpfen. In Wasser kochen geht natürlich auch. Dafür müssen sie aber sehr sorgfältig, mit angefeuchteten Händen, gerollt werden. Beim Knödel rollen für das Kochen im Wasser ist zu beachten, dass der Knödel eine homogene Oberfläche bekommt, die keinerlei Risse, Dellen oder Löcher besitzt. Für das Dämpfen ist diese Sorgfalt nicht notwendig. Der Koch kann auch mit dem Löffel, Nocken oder Knödel abstechen. Ich persönlich liebe diese Art der Knödelzubereitung.

Natürlich schmeckt der Knödel auch mit brauner Butter. Käse...ist wohl eher eine Geschmacksfrage. Bei Sardellen...naja... .

Auf alle Fälle braucht es für diesen Knödel, außer vielleicht einer gebutterten Wurzelgemüsemischung, keine Condorni.

Condorni sind Beilagen.

Nach den Festtagen ist das schon mal eine recht gute Abwechslung.

 

Nebenbei bemerkt:

Das Lektorat für meinen Ersten Teil des Saisonkoch ist fertig. Ich werde das jetzt mal bei meinen Partnern einspielen.

Ich warte jetzt noch auf eine Probe von meinem Krimi "Leblos im Schnalser Stausee".

Dieses Buchformat verwende ich dann für alle Bücher bei Amazon. Wenn mir das nicht gefällt, richte ich dort auch A5- ein. Das aktuelle Format da, ist etwas kleiner.

In diesem Monat richte ich bei Wordpress meinen Buchhandel ein. Vielleicht kommt noch ein Vertrieb in einem anderen Format dazu. Die Bücher von meinem Buchhandel werden ausnahmslos mit Widmung verkauft.

Bei Books on Demand, Ihr Lieben, bekommt Ihr alle Bücher im A5-Format. Diese Bücher sind ohne Widmung. Für einen günstigen Druck müsste ich bei BoD recht große Chargen bestellen, um günstige Preise zu realisieren. Das ist in meinen bescheidenen Wohnverhältnissen leider nicht möglich. Also ist von BoD direkt zu bestellen. BoD verkauft übrigens erheblich mehr Bücher als Amazon an meine Kunden. Herzlichen Dank dafür.

Alle meine Bücher werden nur noch in 12Pt gedruckt. Das ist eine Art Großdruck. Die aktuell angebotenen Bücher wandle ich in dieses Format um. Das dauert in aller Regel so lange, bis ich das jeweilige Lektorat abgeschlossen habe.

Leseprobe Der Saisonkoch - Erster Monat

Der Saisonkoch Erster Monat

Ich frage Marco, ob er einen Kaffee mit trinkt und er willigt ein. Marco greift sich eins von den frischen Brötchen und belegt das mit Kochschinken. „Mein Frühstück heute“, sagt er. „Willst Du auch eins?“

„Ja, gern.“ Jetzt, nach der kurzen Anstrengung, habe ich auch etwas Appetit. Nach dem ersten Biss in das Brötchen, sage ich zu Marco, die Brötchen schmecken fast so gut wie in der DDR. „Das wundert mich nicht. Bei unserem Bäcker arbeiten zwei Thüringer Bäcker aus der DDR. Mich wundert nur, dass Du das sofort raus schmeckst.“

„Das ist die Macht der Gewohnheit, lieber Marco.“

„Wie schmecken denn Dir unsere italienischen Brötchen?“

„Im Großen und Ganzen, recht gut. Italienische Bäcker sind auch so gut wie DDR Bäcker. Sie lieben ihren Beruf und das schmeckt man. Mich beeindruckt die Vielfalt der Brotbackwaren in Italien. Das hatten wir so nicht. Außer vielleicht, beim Kuchen. Der Kuchen, der in der DDR gebacken wurde, ist heute noch, ungeschlagen. Den bekomme ich, europaweit, nicht in der Qualität.“

„Da habt Ihr Euch aber ganz schön umstellen müssen.“

„Nein. Wir backen unseren Kuchen zu Hause. In den Bäckereien wird mir zu viel Glukose eingesetzt und das mag ich nicht.“

„Zum Glück sind wir Köche und können uns selbst helfen“, sagt Marco und grinst breit über sein braungebranntes Gesicht.

„Woher kommst Du, Marco?“

„Naja. Das ist ein ganz schönes Stück zu fahren. Aus Santa Maria bei Neapel.“

„Da hast Du schon auch so weit zu fahren wie wir aus der DDR.“

„Deswegen nehme ich immer zwei oder drei Tage zusammen frei.“

„Ich hab mal in der Sowjetunion gearbeitet. Da haben wir drei Monate am Stück gedient und dafür einen Monat frei bekommen.“

„Nach der Saison habe ich auch einen Monat frei. Das wird mir aber nicht bezahlt. Wie war das bei Euch in der DDR?“

„Bei uns wurden auch die freien Tage bezahlt. Die haben wir ja auch vorgearbeitet. Der Lohn wurde praktisch immer bezahlt, aber das Trennungsgeld entfiel bei den Ferien.“

„Trennungsgeld? Was ist das?“

„Wenn wir von unserer Familie getrennt waren, haben wir eine Entschädigung bekommen. Im Land waren das neun Mark und, wenn wir im Ausland gearbeitet haben, sechsunddreißig Mark pro Tag.“

„Da hast Du tausend Mark verdient, ohne zu arbeiten? Nur, weil Du von Deiner Familie getrennt warst?“

„Ja. Das wurde zu dem Lohn, steuerfrei, dazu gezahlt.“

„Aha. Deswegen seid Ihr pleite gegangen.“

„Die DDR, unser Staat, war nicht pleite.“

„Aber, das haben die in allen Nachrichten so gesagt, Karl.“

„Wenn Du, Deinem Nachbarn die Kasse stiehlst, sagst Du doch auch, es waren nur ein paar Lire drin.“

„Das stimmt.“

„ Die Besatzer haben uns sämtliche Maschinen, den Grund und Boden, unsere Häuser, Fabriken und Anlagen geklaut. Dazu die Staatskasse, unsere Guthaben auf den Banken und die Versicherungskassen. Das war sicher eine Billion. Schulden hatten wir keine.“

„Jetzt begreife ich Deine Einstellung. Die Italiener sagen schon immer, dass die Westdeutschen, Abschaum sind. Die spüren sofort den Unterschied zwischen einem Westdeutschen und einem DDR Bürger. Nicht nur sprachlich, sondern vom Charakter her“, antwortet mir Marco.

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