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Freundschaft

Freundschaft

Bisweilen bekomme ich angedroht, die Freundschaft zwischen einem Anderen und mir, wäre beendet.

Was ist Freundschaft?

Freundschaft bedarf wie Liebe, des gegenseitigen Respektes. Die Grundbedingung gegenseitigen Respektes ist, sich gegenseitig auf Fehler und Fehlentwicklungen aufmerksam machen zu können, um gemeinsam zu lernen. Es gibt sicher noch einige andere Gemeinsamkeiten, die eine Freundschaft begründen. Neben unbedingter Hilfe und Verständnis des Anderen, bedarf es auch einiger solidarischer Bekundungen.

Freundschaft aber mit einem guten Verhältnis zu verwechseln, scheint im Kapitalismus fast schon ein Gesellschaftsprinzip zu sein. Dort werden selbst die Erpressten als Freunde betitelt. Komisch. Eigentlich kenne ich diese Haltung nur aus Anstalten.

Genau aus dem Grund, kann ein Migrant niemals wirklich eine Freundschaft zu seinem Asylgeber aufbauen. Das nennt sich Notdurft oder Zwangslage. Alle Handlungen des Notdürftigen unterliegen dem Zwang, das Asyl so angenehm wie möglich zu gestalten. Man ist schließlich Gast bei dem Asylgeber.

Eine Ausnahme sind Genossen. Für Genossen untereinander ist Freundschaft, eine Verpflichtung. Wie viele oder wenige es davon wirklich gibt, sei mal dahin gestellt. Lassen wir uns nicht von dem Begriff Genossenschaft täuschen. Der Begriff an sich deutet aber an, was ich damit sagen möchte.

Genossen sind eigentlich zur gegenseitigen Liebe verpflichtet. Das ist der höchste Grad von Freundschaft. Leider wird unter kapitalistischen Verhältnissen mit der entsprechenden Schule, auch dieses Prinzip verzerrt dargestellt und wahr genommen.

Zu oft wird, und das betone ich, gegenseitige Sympathie, mit Freundschaft verwechselt. Gegenseitige Sympathie bedarf nur einer Art Bewunderung. Die kann auch einseitig sein. Freundschaft und Liebe nicht.

Und jetzt mal zum Hauptthema:

Ein Flüchtling, Vertriebener und Migrant, wurde von seinen Freunden, mehr oder weniger gewaltsam, getrennt. Auch von seiner Heimat, seinem Umfeld und seinen Mitbürgern.

Gastgeber können die verlorenen Freunde nur mit Sympathie ersetzen.

Und genau das, ist das Maximum des Möglichen.

Die Marmolada:

Das Ungemach

Das Ungemach

 

Die Hälfte unserer Familie durfte nach einem verlorenen Krieg, den Verlust ihres Gutes miterleben. In der DDR bekamen sie ein neues. Trotzdem begann ihr Leben neu, von Anfang an.

Die Familie erlebte sowohl Hochwasser, Brände, Zechprellerei, Betrug, Wortbruch als auch Erpressungen am eigenen Körper mit.

Bisweilen waren wir der Ansicht, mit ausreichend Arbeit, Verständnis gegenüber den Mitbürgern und gesellschaftlichem Miteinander ließen sich die alltäglichen Probleme leichter lösen. Das haben wir ausgiebig in der DDR lernen dürfen. Dort hat das auch funktioniert.

Die Familie wurde 1990 wieder Opfer von Ungemach.

Die Gleichen Werkzeuge unter neuem Namen - früher NSDAP - heute CSU-FDP-CDU, wollten das Werk für ihre Herren vollenden.

Andererseits wird bisweilen ein Herrgott bemüht und ziemlich oft die Wörter: Pech oder Ungemach.

Die Lehren aus Vertreibung, Kriminalität und natürlichen Naturereignissen, haben den Familienmitgliedern gelehrt, ständig sämtliche Bedrohungen von Vornherein zu minimieren. Ein Herrgott war leider nicht zugegen.

Wer einmal mit erleben durfte, in welch kurzer Zeit eine brennende oder geflutete Wohnung von den wertvollsten Habseligkeiten geräumt werden muss, versteht den Brand- und Hochwasserschutz. Es ist einfach keine Zeit, die unersetzlichen Habseligkeiten in angemessener Zeit zu retten.

Unsere Familie bedauert den Verlust ihrer Geschichte und ihrer Habseligkeiten, die ihnen von höherer Gewalt genommen wurden. Jede Generation bekommt damit Lehren auf den Lebensweg, die einen besseren Weg versprechen als den, den ihre Eltern oder Großeltern erleben mussten. Schließlich haben das unsere Eltern, Großeltern und Verwandten mit dem Verlust von Lebenszeit und Gesundheit teuer bezahlt.

Von Erwachsenen erwarte ich deshalb, sie mögen sämtliche Entscheidungen ihres Tuns, vorher genau abwägen. In diesem System wird ihnen nicht geholfen.

Denken Sie daran, wenn Sie zufälligerweise ein Fahrzeug kaufen, eine Arbeit annehmen oder ihre Wohnung her richten.

Ihr echter Feind, wird sie nicht bedrohen. Er wird Sie anlächeln, ausnehmen und ihnen Gott und die Welt versprechen.

In jedem Fall, sind Sie, Der, der bezahlt.

Mit Gesundheit, Lebenszeit und Wohlergehen.

Bei vielen Völkern besteht ein Erbrecht. Andere Völker lehnen das ab. Bei einem Erbe wird sowohl das Diebesgut als auch das ehrlich erworbene Gut, sämtlichen Erben hinterlassen.

Die Hinterlassenschaft will natürlich von den Erben verbessert und, wenn möglich, vermehrt werden. Sagen wir Familienschatz dazu.

Gestattungen werden auf diese Art zu einem Preis. Einem Inklusivpreis. Eine Gesellschaft, die einem Familienmitglied Etwas gestattete, wird bereits von den Erben mit einer Forderung konfrontiert. Gleichzeitig wird eine Gestattung, zukünftig ein Wert. Handelbar.

Bekommt in einer Gesellschaft eine Familie aus welchem Grund auch immer, eine Vergünstigung, ist das bereits ein Handelsgegenstand der kommenden Generation.

Generell sind Vergünstigungen, welcher Art auch immer, Personen gebunden. Die Nachkommen sind davon ausgenommen.

Um das Familienvermögen zu mehren, bedarf es einer Generation übergreifenden Arbeitsleistung. Kurz, Fleiß genannt. Fleiß ist wohl der beste Weg, Ungemach zu besiegen.

Familien, die nicht auf Familienschätze zurück greifen können, Flüchtlinge, Migranten und Vertriebene, haben nur mit Fleiß die Möglichkeit, ihren Kindern einen Familienschatz zu hinterlassen. Gesellschaften, die ihnen das nicht erlauben, werden schnell von Ungemach, in Form von Kriminalität heimgesucht. Es ist einfach ein Ungemach, Mitmenschen hungern zu lassen oder sie menschlich zu erniedrigen.

Und nun für meine gläubigen Leser:

Was würde ein Herrgott mit den Schuldigen tun, um dieses gesellschaftliche Problem zu lösen?

Kastelbell:

 

 

 

 

 

Die Heimtrainerin

Die Heimtrainerin

 

Vor etwa einem anderthalben Jahr bin ich auf den Strich gegangen. Ein halbes Jahr nach meinem letzten Engagement als Koch, brauchte ich unbedingt Bewegung. Viel Bewegung. Ich konnte zusehen, wie mir der Muskel verschwand.

Auf dem Strich fand ich eine Frau. Sie kostete etwa einhundert Euro und nannte sich Songmics. Da ich Ausländer und Ausländerinnen nicht hasse, wurden wir Zwei schnell Freunde. Mir gefällt an ihr die Standhaftigkeit und die weiche, ruhige Erscheinung. Sie passt gut in mein Wohnzimmer. Meine Frau hat nichts gegen die Nebenbuhlerin. Im Gegenteil. ...ich schweife aus...

In anderen Wohnzimmern stehen wuchtigere Frauen mit anderen Namen für zweitausend fünfhundert Euro und einer monatlichen Abnutzungsgebühr von zweihundert Euro aufwärts. Die treiben den Benutzern auch den Schweiß aus den Poren. Dazu schreit eine weibähnliche Kreatur aus einem Kasten pausenlos in einem Ton, der mich eher an ein schlecht geführtes, völlig ahnungsloses Haushaltkommando erinnert. Statt den Haushalt zu polieren, sitzen die lieber auf einem Reitstuhl. Früher gingen die Benutzer solcher Anlagen ins Sado-Maso-Studio und ließen sich dort anständig verdreschen. Heutzutage kann sich Keiner der Liebhaber dieser Trakturen mehr im Büro sehen lassen. Die Spuren der Traktion würden pausenlos Misstrauen erwecken und auch kollegiale Anzeigen provozieren. Der letzte Respekt wäre völlig hinüber. Das geht nicht.

Hinter jedem Arbeitsplatz steht eine Reihe Provokateure, die sich gern eine Stufe höher erschwindeln möchten. Schon der Dalai lehrte die Herrschaften (das inkludiert frauenähnliche Gestalten), sich in der Kunst der Selbsttraktur zu üben. Die herkömmliche Methode der Auspeitschung ist dafür ungeeignet. Man benötigt also eine Kreatur, die etwa aussieht wie eine Frau, aber das konstante Gegenteil ist. Eine Sadistin. Wenn man eine Sadistin in ein Mikrofon bellen lässt, wird eventuell noch eine Leistungsreserve sichtbar. Die ist eher gut für den letzten Sturm aus einem Schützengraben. Die Motivation muss nicht lange halten. Das ist sicher.

Bei der weichen Ausländerin ist das nicht nötig. Ich besteige sie täglich drei bis vier Mal für fünfzehn bis zwanzig Minuten. Weil sie nichts sagt und liebevoll ruhig ist, schaue ich MotoGP oder die SuperbikeWM nebenbei. Auch heute.

Da ich sehr streng auf meine Gesundheit achte, lege ich großen Wert darauf, bei meinen Bewegungen den Puls nicht über neunzig zu belasten. Wir sind schließlich Rentner. Die tägliche Leistung bringt mir etwa acht Kilometer Weg und um die zweihundert abgearbeitete Kalorien. Außerdem werden mir die Knochen nicht steif. Ganz nebenbei, heilt der Bruch ausgezeichnet.

Was soll ich sagen. Gestern, beim Verbandswechsel, habe ich festgestellt, die letzten Reste der Operation heilen auch. Die Wunde schließt sich.

Die Hoffnung wächst. Ganz ohne teure Domina.

Paula

Paula

Ein Saisonarbeiter in der Gastronomie trifft sehr viele verschiedene Menschen. Angefangen bei Kollegen und Unternehmern bis hin zu Gästen und Vermietern von Wohnungen und ihren Nachbarn. Wegen der extrem knappen Freizeit, ist der Bekanntenkreis eher etwas eingeschränkt und fast nur im Zusammenhang mit Arbeit zu finden.

Eine unserer Nachbarinnen durften wir nach dreijährigem, zeitweisen Aufenthalt in Südtirol kennen lernen. Paula.

Schon in meinem Tagebuch "Der Saisonkoch" stellte ich sie uns vor.

Paula war anfangs für uns eine allein stehende Frau. Sie war uns eine Lehrerin für die Südtiroler Lebensart. Ruhig, neugierig und mitfühlend. Paula kontrollierte stets, wann wir auf Arbeit gingen und wann wir zurück kamen. Ihre Wohnungstür war sehr oft angelehnt und selten geschlossen.

Das Wesen von Paula war schwer zu erkunden. Sie konnte böse wirken aber auch extrem liebevoll. Uns fiel ihre Geschäftigkeit auf. Sie wollte genau wissen, wer in ihrer Nachbarschaft lebt.

Besucher, die während unserer Abwesenheit zu uns kamen, egal wer, konnte uns Paula genau beschreiben. Sie ersparte uns damit lange Recherchen.

Paula kümmerte sich liebevoll um ihre Mutter. Die Mutter war das ganze Gegenteil von Paula. Lebenslustig bis ins höchste Alter von fünfundneunzig Jahren. Und genau das bildete eine harmonische Lebensgemeinschaft von Mutter und Tochter.

Paula war eine typische Südtirolerin. Mutter. Alleinstehende Mutter.

Paula wurde in ihren letzten Tagen sehr krank. Sie wurde oft ins Krankenhaus gefahren. Ihre letzten Tage war sie zu Hause und wurde von ihren Schwestern und ihrem Sohn gepflegt.

Nach ihrem Tod bekam natürlich der Sohn die Wohnung. Das erlaubte ihm, seine Sozialwohnung aufzugeben. Irgendwie ist es das Werk Paulas, ihren Sohn aus dem Sozialdienst befreit zu haben. Nur wirklich gemeine Menschen unterstellen dem Sohn eine gewisse Kalkulation zu Gunsten seiner Gemütlichkeit.

Mit dem Wechsel der Wohnungsbesitzer wechseln natürlich auch die Nachbarschaftsbeziehungen.

Der Sohn Paulas ist mit einer Frau zusammen. Frau als Bezeichnung, ist jetzt etwas übertrieben. Allein die Laute dieser Kreatur erinnern irgendwie an Sirenengeräusche. Ich glaube fast, diesen Laut bisher nur Samstag gegen Zwölf gehört zu haben. Jetzt hören wir den Ton laufend.

Vor dem Einzug wurde die Wohnung natürlich restauriert. Und das war nicht nur teuer, sondern auch, wie soll ich sagen, ziemlich zeitaufwändig. Der Belästigungsgrad hielt sich aber in Grenzen. Mit dem Ende der Bautätigkeiten erhofften wir uns natürlich die altgewohnte Ruhe.

Das sollte sich als Trugschluss erweisen.

Zuerst dachten wir, die Türen sind falsch eingebaut worden. Sie klemmen. Bis auf anständige Türklinken, ist eigentlich Alles verbaut in diesen Brettern. Wir wissen natürlich nicht, wie der Umgang mit Türen in Sozialwohnungen ist. Die haben wir nie benötigt. Wir hätten eher im Zelt geschlafen als in so einer, die Gesellschaft belastenden Einrichtung. Nun wissen wir auch nicht, ob dort vielleicht die Türklinken abgebaut werden. Wegen Diebstahlsgefahr.

Auf alle Fälle wissen wir heute, wann die Furie das Loch verlässt und wann sie wieder kommt. Das ganze Haus spürt das an nachhaltigen Erschütterungen im Geschirrschrank.

Bei der Häufigkeit der Schläge, so um die vierzig pro Tag, ist natürlich von der gewohnten Mittagsruhe abzusehen.

Vielleicht müssen wir uns jetzt auch noch auf Hundegeschirr umstellen. Bis auf ein paar Dellen, wird dieses Geschirr, den neuen Umgang mit den neuen Türen und dem bisher Stand gehaltenem Mauerwerk, überstehen.

Die Nachhaltigkeit des Umgangs mit Türen ist schon mal gesichert. Die Furie darf Kinder erziehen.

Meinen Südtiroler Mitbürgern wünsche ich zukünftig gute Beziehungen zu Tür- und Türfutterherstellern.

Jetzt bliebe uns vielleicht noch, nachzudenken, wie wir mit einem Erziehungsprogramm helfen können.

Ich denke dabei an regelmäßiges Klingeln. In der Nacht. Vielleicht erreichen wir damit, dieser Kreatur den Wert von Ruhe zu vermitteln.

Wir reden immerhin von Südtiroler Ruhe.

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