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Fortsetzung Die Erweiterung

 

„Der Termin steht noch nicht sicher fest, aber bei Dir werden die Donkosaken übernachten. Die sind jetzt gemischt.“

„Wie gemischt?“

„Bei ihnen tritt jetzt auch ein Frauenballett auf zur Begleitung der Musik und zum Gesang.“

„Das bereden wir später, mein Bester.“

Karin und Joana kommen. Mit weichen Beinen. Frisch geduscht und fröhlich gestimmt. In der Küche duftet es nach Jasmin. Ich stelle gleich die Lüftung ab, um den Geruch zu genießen.

Steffen kommt mit Taschen und räumt bereits sein Auto ein.

„Keine Angst. Ich muss eh bis weit nach Mittag warten. Ich bin noch voll.“

Das heißt, wir können Kaffee kochen bis zum Abwinken. Ich höre die Haustür. Dort schleichen sich gerade ein paar frisch beglückte Hausfrauen raus.

„Wollen Sie keinen Kaffee trinken?“, rufe ich ihnen nach.

„Oh doch. Danke.“

‚Die Zwei anderen, die keinen Kaffee wollen und schnell verschwinden, kenne ich doch‘, denke ich mir. Ich schaue schnell noch zu einem Fenster hinaus, an dem sie vorbei müssen. Die Frauen vom Gemeindevorstand. Ich schlage die Hände über meinem Kopf zusammen. Eine aus dem Westen und eine aus dem Ort. Die Besseren. „Hast Du Jemand erkannt?“, fragt Klaus.

„Schau! Du wirst staunen!“

Klaus guckt. „Ich kann es nicht fassen! Die Huren von der Stadtverwaltung. Du ahnst nicht im Geringsten, was die Zwei mir für Schwierigkeiten gemacht haben!“

„Die wollten wohl den Jungs ihr zu Hause als Übernachtung anbieten?“

„Das könnte man fast denken bei dem Anblick.“

Die zwei Kaffeetrinkerinnen waren von der Zeitung. Recherche nennt sich das heute. Sie arbeiten für die Kulturseite. Eine feine Kultur. Klaus verschluckt sich beim Lachen und sprudelt mir den Kaffee an die frische Kochjacke.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Erweiterung

Die Jungs kommen wieder von ihrer Show. Nicht ganz allein. Ihnen folgt ein Autokorso. Die Security fahren vor. Nach der dritten Umrundung unseres Blockes kommen sie auf den Parkplatz. Ihnen folgt niemand mehr. Sie steigen aus und wollen gleich ins Zimmer. Zu Essen haben sie schon bekommen. „Von einem Catering“, sagt Klaus, der Veranstalter. „Das funktioniert gut mit Dir. Ich werde die kommenden Gastspiele alle bei Dir unterbringen.“

„Und die wollen auch in so eine bescheidene Hütte wie unsere?“

„Naja. Alle nicht. Es gibt Ausnahmen mit Namen. Die wollen vier, fünf, sechs Sterne. Die Meisten wollen Abgeschiedenheit. Und da sind wir bei Dir richtig.“

„Danke, mei Gutster.“

Klaus bezahlt mich gleich mit. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich werde sichtbar lockerer.

„Die Mädchen haben Dir eine Kasse zurück gelegt. Ich soll Dir das mit geben.“

Die hübschen Riesenbusen haben mir fast zweitausend Mark gesammelt. Das hätte ich beim besten Willen, niemals erwartet.

„Das ist vom Fernsehgeld. Ein Kompliment für die Küche.“

Dazu haben sie eine schönes Kartenfoto gelegt, auf deren Rückseite sie alle einen Kussabdruck hinterließen. Auf dem Bild ist mein Junior in diesem Meer aus Brüsten zusehen. Die Karte ist fast wie ein Ratespiel. Wo ist der Kopf vom Junior? Meinen Sohn habe ich erst nach Joanas Hinweis gefunden.

Kaum sind die Jungs oben, höre ich an unserer Haustür die ersten Bewegungen. Klaus geht mit mir an die Tür. Durchs Haus schleichen die ersten Mädchen mit den Schuhen in der Hand. Wir gehen ihnen hinterher. Oben angekommen, können wir unseren Augen kaum trauen. Sie stehen tatsächlich Schlange für ein Schäferstündchen mit den Strippern. Eine raus, die Nächste rein. Der Witz ist. Alle Jungs schlafen im Doppelzimmer. Also, nicht allein. Was kann junge Frauen in so einen Zustand versetzen? Hormone können das schon mal nicht sein. Klaus fragt sie, was sie denn hier wollen. Keine Antwort. Vereinzelt etwas Gekicher. Sonst nichts. Vor der Tür, schamvoll. Im Zimmer, schamlos.

Fortsetzung folgt

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Steffen und Karin kommen an diesem Wochenende. Wir erwarten wieder eine Strip Show aus Amerika. Dieses Mal sind es die Dream Boys. Steffen hat davon gehört und Karin angetrieben. Die Zwei haben uns einen großen Koffer Geschenke versprochen. Wir haben, im Gegenzug, eine kostenlose Kost und Logis versprochen. Das sind wir unseren Freunden schuldig.

Unsere monatliche Belastung durch Kredite steigt mittlerweile auf sage und schreibe, siebzehn Tausend Mark. Viele unserer Freunde und Konkurrenten fragen sich,wie wir das aufbringen.

Ein guter Kollege, der auch einen Gasthof umgebaut hat, hat sich deswegen aufgehangen. Wir sind nicht nur traurig, sondern auch etwas besorgt. Der Umgang mit den Investoren hat sich wesentlich verändert. Wir registrieren schon eine gewisse Bosheit. Offensichtlich hat Keiner damit gerechnet, dass die Schuldner so problemlos die Wucherkredite bedienen. Es vergeht keine Woche, in der nicht neue Hürden präsentiert werden. Regeln, die es weltweit nicht gibt. Aber bei uns.

Alle Kollegen haben irgendwie immer die gleichen Ideen. Es könnte auch sein, man hat sich das untereinander abgeschaut. Wir jedenfalls haben ins Auge gefasst, Essen außer Haus anzubieten. Der Zwang, die Darlehen zu bedienen, ist Ausschlag gebend dafür.

Fortsetzung folgt

Die Erweiterung

Die Erweiterung

Im Laufe der Zeit werden unsere Beziehungen umfangreicher. Viele Betriebe feiern bei uns ihre Feste. Die Privatfeiern beschränken sich auf Hochzeiten und außergewöhnliche Jubiläen. Unter der Woche sind wenige Bürger im Ort. Entweder arbeiten sie im Westen oder weit weg von zu Hause. Auf den Autobahnen spielen sich dramatische Vorgänge ab. Es gibt hunderte Tote. Auch im Umfeld unserer Familie.

Manne hat sich zusammen mit Oma und seiner neuen Freundin, vor das Gas gelegt. Alle sind gestorben. Keiner hat sie in dem halb leeren Haus vermisst. Die Trauerfeier war einsam. Arme Leute haben keine Freunde. Selbst die eigene Familie war sehr sparsam vertreten. Wegen Manne, sind mir das erste Mal Tränen gekommen. Ich habe ihm monatlich dreihundert Mark überwiesen. Wir hatten einfach keine Zeit, ihn zu besuchen.

Inzwischen haben wir unseren Jugendclub eröffnet. Ich nannte es nicht offiziell Jugendclub. Der neue Staatsschutz verlangte dafür Erklärungen, die mich an 1933 und an das FDJ-Verbot im Westen erinnern. Ich habe das als Bar geöffnet. Die örtliche Jugend war zufrieden mit dem Treffpunkt. Den Club, einen nicht all zu hohen Raum, haben wir etwas spartanisch eingerichtet. Eine gewisse Gemütlichkeit sollte vermittelt werden. Das gelang uns. An der Decke haben wir einen Durchbruch angelegt. Im Raum oben drüber, einer ehemaligen Bühne, konnte ich den jungen Leuten das Billard platzieren. Jochen, der bis jetzt immer noch keine Arbeit fand, wurde Barist. Andrea war überglücklich. Zu unser aller Glück, wurde die Bar kein Saufhaus. Auch unsere Hotelgäste gingen regelmäßig in die Bar.

Das Alles hat jedoch einen Nachteil. Jochen geht zur Arbeit, während Andrea den Feierabend antritt. Jetzt könnte man denken, ich habe das zu Gunsten Joanas absichtlich getan. Habe ich nicht. Das ist das einfache Tagesleben in Gastronomenfamilien. Die Familienmitglieder treffen sich an den Ruhetagen. Zumindest haben wir der Familie eine Existenz ermöglicht und wesentlich zur Entspannung der Situation bei getragen. Andrea begrüßt ihren Jochen jetzt immer persönlich. Jochen freut sich regelmäßig über ihr frisches Aussehen und ihre Gelassenheit.

Die Beziehung zwischen Joana und Andrea hat sich zu einer echten Liebe entwickelt, von der wir Alle profitieren.

Fortsetzung folgt

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