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Ausfahrt 140621

Ausfahrt 140621

Am Montag bin ich natürlich ausgefahren. Samstags und sonntags macht es mir keinen Spaß. Es gibt zu viele Rammler, Unfälle und Tote. Ich habe keine Lust, die herum liegenden Organe Deutscher Großmaul - Rennfahrer zu fotografieren. Es reicht, wenn unsere Feuerwehrleute und freiwilligen Helfer des Weißen Kreuzes, vierzehn Tage Krankenstand nehmen müssen, um den Schock zu verarbeiten.

Der Montag ist auch ein verkehrsreicher Tag. Allgemein rücken montags unsere Handwerker und Bauarbeiter aus. Sie Saisonkräfte fahren für eine Woche zur Arbeit. Und das führt zu einer sehr hohen Belastung.

Trotzdem habe ich einige Imbissbetriebe besucht, um sie in meinem Imbissführer aufzunehmen.

Ein Besuch im Riffl, einem Traditionsimbiss in Riffian...:

https://www.riffl.it/

...bei Jonas ist Pflicht auf der Tour:

Das Einstellen der Fotos braucht jetzt etwas. Heute Abend habe ich das fertig.

Fortsetzung Joana wird Hotelier

Am kommenden Morgen gehen wir auf die Gemeinde, stellen uns vor und beschreiben, was wir vor haben. Die Anträge werden sofort genehmigt.

"Das Gebäude steht unter Denkmalschutz."

'Na gut', dachte ich mir. 'Sie wollen so Karl Liebknecht würdigen.' Und das in einem Ort, aus dem sechs bis acht Kriegsverbrecherfamilien getürmt sind vor den Sowjetsoldaten. Die sind jetzt wieder da. 'Das wird eine lustige Gesellschaft', denke ich mir. Deren Handlanger sitzen jetzt auf dieser Gemeinde. In der Gemeindezeitung ist ein Foto, auf dem sich die Vertreter bei einem Buffet begrüßen. Es wird nicht lange dauern, die Parks, Straßen, Werke und Schulen bekommen andere Namen. Andere Vorbilder braucht das Land. Recht schaffende Leute haben hier nichts mehr zu suchen. Sie verlassen den Ort zu Tausenden. Ihre Firmen wurden über Nacht geschlossen. Zehntausende Arbeitsplätze hatte der Ort. Sportbekleidung, Strümpfe, Werkzeugbau, Freizeitbekleidung, Gärtnereien und Fahrzeugbau. Alles weg. Mit den Arbeitern gingen auch die Gastwirte. Die Stille in diesem Ort war erdrückend. Trotzdem bauten an jeder Kreuzung, Westfirmen, Einkaufszentren. Für wen?

Der Papierkram auf der Gemeinde war erdrückend für uns. Kein normaler Mensch kann diesem bürokratischen Abfall folgen. Die Westdiktatur in Hochform. Genau das haben die Propagandisten der Kriminellen uns unterstellt. Der DDR. Wir treten jetzt den direkten Vergleich an. Freie DDR gegen angeblich freie Westbesatzer. Schon am ersten Tag zwischen diesen Papieren wird klar, diese Großmäuler wollen plündern - nicht wirtschaften.

Rolf und seine Frau kommen mit einem Lieferwagen. Eine rollende Werkstatt. Rolf gibt mir den Kostenvoranschlag. Der kostet mich die Hälfte der Summe der Mitbewerber. Und ausgerechnet das kommt von einem Westler. Ich muss nicht lange überlegen. Auf Kredit finanziert, verdoppelt sich der in Anspruch genommene Betrag. Der Ingenieurbetrieb sprach von einer halben Million allein für das Sanitäre und die Heizung. Dieser Handwerker halbiert deren Kostenberechnung.

"Wann fangen wir an", fragt mich Julia.

"Ich warte noch auf den Baubetrieb. Die arbeiten gerade bei meiner Mutter. In einer Woche geht's los."

"Gut. Wir liefern zwischendurch ein paar Rohre und Materialien. Platz hast Du ja."

"Gut. Wir sind hier."

Eine Genossenschaft aus dem Kreisgebiet übernimmt den Leichtbau und die Zimmerei. Die haben mir eine Firma empfohlen, welche die Fenster wechselt. Wir bekommen jetzt Westfenster. Deren Vertreter sind gerade gekommen und vermessen die alten Fenster. Wir bauen Kunststofffenster ein.

"Die sind leise, halten die Wärme drinnen und alle Geräusche draußen", rät mir deren Vertreter. Die Fenster sehen gut aus. Das überzeugt uns.

Eigentlich fehlt uns nur noch die Einrichtung.

Wir gehen zu einem örtlichen Tischler. Der stellt keine Möbel mehr her. Mutter hatte ihre Möbel noch bei einem örtlichen Tischler bauen lassen. Der macht auch keine Möbel mehr. Alle handeln über Nacht, Westmöbel. Und die waren uns zu teuer. Ein Stuhl vierhundert Mark? Ein Tisch, das Doppelte. Und das bei zweihundert Plätzen mit den Zimmern.

Wir entschieden uns für einen Großhändler, der uns wirklich gutes Belgisches Möbel anbot. Für den viertel Preis. Vertreter dieser Firma haben bei Mutter übernachtet. Die Familienseilschaften haben sich wieder Mal als günstig bestätigt. Auf Kredit hätte ich für einen Stuhl, achthundert Mark gedrückt. Menschen können das nicht bezahlen. Auch nicht im heiligen Westen.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Joana wird Hotelier

Bei Jens im Jugendclub wird gerade gebaut. Jens wird den Jugendclub wieder bekommen. Die Gemeinde hat den Club übernommen und Margret ist eine Sponsorin. Die Gemeindebibliothek zieht aus. Bücher braucht jetzt Keiner mehr. Vor allem Bücher über den sozialistischen Aufbau werden ausrangiert. Ich weiß nicht, ob die verbrannt werden. Das hat Tradition in den Kreisen. Die Bibliothek wird zukünftig die Wohnung von Jens und Agnes. Im Haus arbeitet ein Klempner aus Mannheim mit einem Kollegen. Jens empfiehlt mir den Handwerker. Wir reden kurz mit ihm und vereinbaren einen Termin.

Eigentlich wollten wir noch bei einem Teil unserer Eltern vorbei fahren. Übernachten können wir bei ihnen nicht mehr. Unsere neue Errungenschaft muss bewacht werden. Mit der Annexion der DDR kommen auch massenhaft kriminelle Elemente. Und die klauen, was ihnen in die Finger fällt. Eine funktionierende Polizei haben wir schon lange nicht mehr. Die Besatzer haben viele Polizisten einfach raus geschmissen aus ihren Ämtern und Stationen. Sobald der Polizist ein Parteibuch der SED hatte, war er fällig. 1933 lässt grüßen. Nur die braunen Hemden fehlen. Die sind jetzt weiß und mit dunkelblauen Wollmänteln behangen. Fast wie, schwarzblau ist die Haselnuss.

Wir fahren bei Herbert vorbei. Geht es ihm wieder besser?

Zu Hause angekommen, werden wir von einem Strich empfangen. Herbert. Er wiegt keine fünfzig Kilo mehr. Wir sind erschüttert. Brigitte lässt uns einen Kaffee durch und fragt, ob wir mit Abendbrot essen möchten. Herbert fragt, wie es mit dem Geschäft steht.

"Alles ist genehmigt. Wir warten jetzt auf den Finanzierungsplan."

"Und die Handwerker? Die haben doch sicher alle Hände voll zu tun."

"Das macht sie nur teurer. Darauf haben sie vierzig Jahre gewartet."

"Und? Können sie wenigstens gleich anfangen?"

"Der Dachdecker kommt aus dem Ort. Der fängt gleich als Erster an. Danach kommt der Klempner und Elektriker. Zuletzt der Leichtbau."

"Und Dir geht nicht die Hose bei dem Umfang?"

"Naja. Sicher bin ich mir nicht ganz. Was soll ich tun?"

"Ihr hättet weg gehen können."

"Wir gehen weg von unseren teilweise kranken Eltern und Großeltern? Sollen wir Euch im Stich lassen?"

"Schlaft Ihr hier?", fragt Mutter.

"Nein. Wir müssen unsere Schulden bewachen."

Wir fahren zurück in unser neues Heim.

Am Morgen kommt der Chef der Sparkasse mit seinen Kollegen. Er hat den Finanzierungsplan mit. Es gibt diverse Hilfsprogramme von Aufbaubanken. Die aktuellen zwölf Prozent Zinsen sollen damit wenigstens halbiert werden. Die Bedingungen sind für uns annehmbar. Wir verstehen nur die Hälfte von dem ganzen geschriebenen Texte. Das ist sicher auch die Absicht dahinter. Zumindest waren wir gewohnt, geschriebene Gesetze zu verstehen. DDR Gesetze waren eindeutig und Verträge auch. Wildwest hält bei uns Einzug. Wir unterschreiben und werden ab jetzt, heuchelnd freundlich gegrüßt. Es gibt dutzende Ratschläge. Keinen davon können wir gebrauchen. Im Lager stehen noch ein paar Schnapsflaschen aus DDR Zeiten. Mangelware ist dabei. Ich biete den Herrschaften zur Feier des Vertragsabschlusses einen Apfelschnaps an. Die Gesichter verraten uns, dass die von der DDR wenig halten. Keiner der Leute verrät mir seinen Namen und Keiner bietet uns das Du an. Alles ist anonym.

Vor der Haustür steht der Dachdecker. Er könnte die Woche anfangen. Über den Preis waren wir uns einig. Wir decken mit Kunstschiefer. Einheimischer Schiefer, der traditionell hier gedeckt wird, wird über Nacht unbezahlbar. Der Preis verzehnfacht sich. Der Dachdecker hat mir davon auch abgeraten. Die Last wäre zu hoch bei unserem großen Bau.

Der Klempner steht auch schon da. Er kommt zusammen mit seiner Frau. Sympathische Leute, die Zwei. Julia geht mit der Kamera ihrem Rolf hinter her. Sie fotografiert und schreibt, während Rolf misst und diktiert. Joana kocht den Zweien inzwischen einen Kaffee. Im Kulturbüro oben, stand noch eine gute DDR Kaffeemaschine. Eine K108 mit Perlonfilter nach dem System der Frau Melitta. Rolf sagt, er wird uns einen Kostenvoranschlag unterbreiten. Wir wollen eine Ölheizung mit Warmwasser einbauen. Bisher wurde in einem Extra Heizkeller, mit Kohle geheizt. Eigentlich wäre das sinnvoller. Das System steht und ist eingerichtet. Leider wurde über Nacht die Kohle zehn Mal teurer. Damit ging nur Öl zu rechnen, bei dem Verbrauch, den wir planten.

Die Planung von dem Projekt haben wir noch einem DDR Ingenieurbetrieb machen lassen. Rolf lobte uns für dieses Projekt und sagte:

"Das Geld hättet Ihr Euch sparen können."

"Wieso?"

"Das macht bei uns der Installateur, also ich."

"So ist das! Bei uns war das Pflicht, eine Baumaßnahme dieser Größe zu planen."

"Planwirtschaft", scherzt Rolf. "Ich finde das gut."

Ob das vom Herzen kommt, können wir nicht beurteilen. Dafür kennen wir uns zu wenig. Die Zwei scheinen ehrlich zu sein. Wir vertrauen ihnen.

Wir reden noch den halben Tag, erzählen, was wir vorhaben und verabreden uns für Übermorgen.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Joana wird Hotelier

Auf der Suche nach Handwerkern komme ich natürlich nicht an meinem ehemaligen Stammtisch vorbei. Auch der Stammtisch meiner Eltern bringt einige Angebote von Handwerkern, die auch schon bei den Eltern ihren Dienst taten. Beim Besuch des ehemaligen Stammtisches fiel mir umgehend auf, meine Kneipe steht nicht mehr. Elias hat zusammen mit Jürgen ein Hotel geplant. Eine Betonplatte steht mit den Anschlüssen, die auf der Platte in die Luft reichen. Andrea steht auf dem Hof, wir halten an und fragen, wie es läuft.

"Das war es. Hier läuft Nichts mehr. Elias hat sich aufgehangen. Seine Eltern und Angehörigen kommen zur Trauerfeier."

"Was ist den passiert?"

"Der Kredit war erst zugesagt. Die Förderungen wurden abgesagt. Sämtliche privaten Konten wurden geschlossen."

"Also, war er pleite?"

"Nach meinen Kenntnissen, nicht."

"Demnach wurde seine Familie das zweite Mal enteignet."

"So kann man das auch sehen. Jürgen arbeitet wieder bei der Genossenschaft."

"Und die ist sicher?"

"Die wollten sie auch auflösen. Das scheiterte aber. Der Vorstand musste die Genossenschaft als Firma eintragen. Entweder als AG oder als GmbH."

"Das sind keine guten Nachrichten. Sag bitte Jürgen einen Schönen Gruß."

Andreas Papa, der Altbauer, ist gerade beim Füttern der Hühner und Schafe. Er grüßt freundlich.

Martin, ein Nachbar und ehemaliger Rennfahrer für MZ, fährt gerade ein SR 1 Simson-Moped aus der Garage. Er war ein Stammgast von mir und ist weit über Achtzig. Gelegentlich baut er Freunden und Kunden seiner Werkstatt, die Mopeds und MZ - Motorräder. Er grüßt mich freundlich.

"Das ist das erste SR 1, das in der DDR gebaut wurde. Ich hab es."

Im Westen würden die sich kugeln vor Freude und das Moped sofort zur Versteigerung ausrufen. Martin ist da anders. Er denkt familiär. Seine Erben werden sich untereinander die Haut abreißen für den Besitz dieses Meisterwerkes. Mein Vater hat so ein Ding gefahren und ich auch. Heimlich. Der Sitz war relativ hoch und für einen Jugendlichen in meinem Alter, haben die Beine den Boden nicht berühren können. Die Folge des Übermutes war ein Knäuel aus bestem Stahl. Ich habe das Ding in einer Kurve, aus Angst, nicht eingelenkt. Wir mussten das Moped aus einem Roggenfeld bergen. Trotzdem wir nicht richtig fahren konnten, sind wir zu den Motorradrennen nach Frohburg oder auf dem Sachsenring gefahren. Schon damals fühlten wir uns als echte Rennfahrer und überschätzten regelmäßig unser Können.

Martin will wissen, ob bei uns Alles gut geht. Er verspricht, sich bei uns zu zeigen. Bei Mutter ist er ziemlich oft mit seinem Freund Gerhard. Gerhard ist ein Traktorist und mit der Besatzung, Eigentümer ziemlich wichtiger Liegenschaften im Kreis. Er könnte mit dem Verkauf an Westunternehmen, ziemlich reich werden. Auf alle Fälle hat er es in der Hand, nur jenen Unternehmen, Land zu verkaufen, die keine verurteilten Kriegsverbrecher sind. Das wäre er uns als Parteimitglied schuldig. Gleichzeitig macht ihn das zu einem Galgenvogel mit reichlich Gegnern.

Fortsetzung folgt

Heute wäre eigentlich Superbike in Misano

Bisher bin ich gern zu Rennveranstaltungen gefahren, die bei uns in Italien stattfinden. Der Vorteil ist, dass ich hier bis an die Rennstrecke fahren kann und da mein Motorrad parke. Es gibt ausreichend vorgehaltene Parkfläche für Motorradfahrer.

In Deutschland am Sachsenring muss ich dafür mehrere Kilometer in Motorradschutzkleidung laufen. Das geht nicht und ist für Motorradfahrer unerträglich. Vor allem im Sommer. Dabei loben die sich ständig im Fernsehen für ihre ausgezeichnete Organisation. Das ist schon mal keine.

Ob Mugello, Monza oder Misano; hier in Italien weiß man, was zu ordentlichen und wirklich zünftigen Rennveranstaltungen gehört.

Heute ist es wieder soweit. In Misano findet die Superbike Weltmeisterschaft statt. Leider können wir nicht hin. Es gibt begrenzte Karten. Der Zutritt ist an so hohe Forderungen geknüpft, dass wir uns das Rennen leider im Fernsehen/ Internet anschauen müssen. Ich kann also davon ausgehen, an der Rennstrecke sitzen genehmigte Kranke. Wer sich mit diesem Dreck impfen lässt, muss krank sein.

Die Superbike - Veranstaltungen sind etwas anders organisiert als die GP. Vor und im Gelände verkaufen unsere italienischen Bauern und Kleinhersteller ihre Produkte in Form von Imbiss und diversen Getränken. Wer also hunderte Sorten Schinken, Käse und Salami auf unmöglich großem Panini probieren möchte, ist bei einem Superbikerennen gut aufgehoben. Die Preise sind entschieden ziviler. Der Kunde bekommt hier nicht ein überteuertes, in Deutschland aus Gammelfleisch hergestelltes Fünf-Cent-Toastbrot mit zwanzig Gramm Schinken und zehn Gramm übelstem Sojaschmelzkäse für acht Euro. Nein. Hier gibt es Essen vom Feinsten, Grappa und Landwein ohne Kälteschutzmittel.

Warten wir also bis September, ob wir da ein paar Fotos von der Rennstrecke und den freundlichen Bauern schießen können.

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