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Der Erpressungsversuch

Der Erpressungsversuch

 

Der Montag beginnt mit einem Telefonat. Meine Frauen sind alle bei der Arbeit und recht lustig. Ich bin froh, Joana etwas abgeschirmt zu haben von den Erpressungsversuchen. Sie hört aber misstrauisch meinen Telefonaten zu.

Die Angestellten der Steuerbehörde checken ein und bestellen auch gleich ihr Abendessen. Ich biete ihnen das Tagesmenü an, welches wir ohnehin auch ausliefern. Darüber freuen sie sich. Auf diese Art sparen sie sich etwas von dem üppigen Trennungsgeld, das sie bekommen. Die Westbeamten bekommen immerhin mehr Trennungsgeld als wir in der Sowjetunion, sechstausend Kilometer entfernt von der Familie. Offensichtlich gibt es in diesem System nur Trennungsgeld für jene Leute, die sich selbst keinen Pfennig mit Arbeit verdienen. Deren Chefs greifen wahrscheinlich in eine offene, recht üppige, kaum versiegende Beutekasse. Es gibt reichlich Beute in der DDR. Wie sagt ein Sprichwort? „Ein wohl duftender Haufen zieht reichlich Schmeißfliegen an.“

Wir werden damit Zeuge, wie sich die einzelnen Besatzungsnetzwerke um die Beute streiten. Immer wieder fragen uns Vertreter und Berater aus dem Westen, ob wir uns etwas Geld bei Seite schaffen. Was soll ich sagen? Die kennen ihre Landsleute. Uns sind diese kriminellen Seilschaften unbekannt. Eines dürfen wir aber registrieren. Wenn die Besatzer ausgerechnet unsere Stasi als Seilschaft bezichtigen, folgen sie einer goebbelschen Strategie:

Was ich selber denk und tu, trau ich jedem Anderen zu.“

Das Sprichwort ist ein fester Bestandteil echter, plündernder Besatzungspolitik. Kriminelle haben immer das Interesse, von ihren abscheulichen Taten abzulenken.

Beim Telefonat mache ich den Bürgermeister darauf aufmerksam, es bestünde schlicht die Möglichkeit, eine Messung unseres Wassers in der Kläranlage oder an ihrem Auslauf durchzuführen. Gleichzeitig zeige ich den Riesenmisthaufen des Nachbarn an, dessen Gülle in meine Regenabwassersysteme läuft. Die Reaktion dieses Kreuzschwingers fällt bescheiden aus.

Ich kümmere mich darum.“

Regenwasser ist Trinkwasser, Herr Meister!“

Ich fordere eine Aufklärung des Diebstahles meines Komposthaufens. Immerhin kostet Kompost dieser Qualität in Baumärkten der Besatzer, zehn Mark pro fünfundzwanzig Kilo. Ich rede von zwei bis drei Tonnen.

Dazu mache ich dem „Meister“ -Bürger- in dem Namen muss ich meiden, darauf aufmerksam, bei uns gilt DDR Recht und nicht das der Besatzer! Kein Mensch der DDR hat dieses Recht gewählt oder beschlossen. Ich merke schnell, der Meister wünscht sich seine Drehbank von früher zurück, an der er für tausend DDR Mark monatlich, sein Morgenschläfchen abhalten durfte.

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