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Leseprobe Die Saisonpause

Die Saisonpause

"Laß uns nach Moritzburg fahren", sagt sie. Udo ist sofort einverstanden. Joana auch. Uns ist es hier zu hektisch und viel zu teuer.

"Wie wäre es, wenn wir bei Herta vorbei fahren?", frage ich in die Runde. Vater kam von dort. Herta ist wie Mutter und ihre Schwester, die einzige Überlebende unserer Elterngeneration. Alle Anderen sind bereits gestorben. Sehr zeitig. Keiner wurde Fünfundsechzig von den Vätern. Selbst Joanas Mutter starb weit vor ihrem siebzigsten Geburtstag. Wir fragen uns oft, wie lange wir sie in der DDR gehabt hätten. Sicher wesentlich länger.

"Wir schauen erst in Moritzburg vorbei", sagt Udo. Er hat meine Frauen überstimmt und wir ziehen in Richtung Moritzburg. Von Moritzburg zu Herta ist es nicht weit. Das kann ich akzeptieren. Udo scheint sich gut auszukennen in der Gegend. Immerhin haben wir dort einen Teil unserer Kindheit erlebt. Auf dem Bauerngut, bei deren Rhythmus. Und der ist ganz sicher wesentlich angenehmer als der Küchenrhythmus in fremden Betrieben.

Gegen Mittag kommen wir an der Moritzburg an. Zu dieser Zeit ist der Ort voller Busse. Die Insassen streifen durch den Ort wie Hammelherden. Sie werden getrieben. Vor jeder Herde läuft ein ziemlich lautes Subjekt, welches gefühllos, angebliche Geschichte in die Massen bellt. Die Brocken, die wir aufschnappen, lassen mich an deren Kenntnissen zweifeln. Offensichtlich wird jetzt an Geschichtsunterricht gespart. Die Hälfte jeder Herde scheint interessiert zu zuhören. Gelegentlich bricht Einer aus, wenn er eine Toilette oder ein Gasthaus mit dieser sieht.

An der Begehung des Schlosses haben wie eigentlich kein Interesse. Wir genießen den Anblick, den Park und die herrliche Umgebung. Wir sind uns soweit sicher, damit die Augen und den Geist zu belohnen. Wir suchen Ruhe und Schönheit nach unserer harten Saison. Die Suche nach Schönheit ist uns bisher gelungen. Die, für unser Ohr lästigen Laute aus westdeutschen Kehlen, teilweise extra laut daher gebellt, verfolgen uns von der Skipiste in den Urlaub. Mutter dreht fast durch. Udo läuft kopfschüttelnd neben uns her. Wir wollten uns etwas unterhalten bei dem Spaziergang. Unmöglich. Ich möchte fast schon in die Herde schreien, sie sollten endlich mal das Maul halten. Joana zupft mich am Ärmel. Sie spürt, wie es in mir gärt. Wie kann sich ein Volk so dominant, dumm und aufdringlich benehmen? Mutter läßt sich jetzt leicht überzeugen, bei unserer Herta vorbei zu fahren. Essen möchten wir nicht in dieser Gesellschaft. Mir würde selbst der feinste Rehbraten aus dem Gesicht fallen. Wir fahren also nicht nach Meißen, sondern zu unserer Familie. Das erscheint mir auch etwas wichtiger als der Anblick herunter gekommener Steine.

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Die Saisonpause

Berichten zu Folge, sind die alle privatisiert. Unser Geld und unsere Arbeit, gestohlen. Die eigentlichen Besitzer dieser Wohnungen sollen die nun kaufen. Am besten, auf Kredit, doppelt bezahlt. Genau so sehen wir die Gesichter der wenigen Menschen, die wir treffen. Kein Lächeln. Keine Freude. Bei diesem Anblick, wünschen wir uns, dort nicht hin gefahren zu sein. Schade um die Zeit. Welche Reaktionen kann ich von Menschen erwarten, die jetzt, statt ein Zehntel ihres Einkommens, das gesamte Einkommen für die Miete ihres Eigentums aufbringen sollen. Dieser Urlaub sollte unserer Erholung dienen. Statt dessen, befinden wir uns mitten im Ghetto. Jetzt wissen wir, warum die Neubausiedlungen in kapitalistischen Ländern, Ghettos genannt werden. Das sind die neuen Konzentrationslager für benachteiligte Menschen. Damit soll ihnen auch noch die Sozialhilfe komplett abgenommen werden. Die Sozialhilfe gilt also nicht den betroffenen Menschen, sondern den Verwaltern der Konzentrationslager. Wir lernen schnell.

Im Restaurant sitzen wir an einer Tafel. Unsere griechischen Gastgeber haben sie mit viel Liebe her gerichtet. Fast die gesamte griechische Familie erwartet uns am Eingang. Sie helfen uns aus der Garderobe.

Der Abend ist schnell vorbei. Wir verabreden uns zu einer Ausfahrt nach Dresden und Meißen. Eigentlich wollten wir eine Flasche Wein mitnehmen. Aber in unserem neuen Bekanntenkreis herrscht eher die Vorliebe nach Landwein. Diesen Leuten fehlt irgendwie die Einbildung, ein teures Gesöff in der Hand halten zu müssen.

Am Morgen kocht uns Mutter einen Liter Kaffee. Wir setzen uns etwas in den Gastraum und sprechen von den aktuellen Ereignissen im Ort und in unserem Bekanntenkreis. Weit über die Hälfte der Leute, die wir kennen, sind inzwischen verstorben oder haben sich das Leben genommen. Die jüngeren Bekannten sind entweder ausgewandert oder umgezogen. Der Ort hat sich in ein Altenheim verwandelt. Wir gehen kurz über den Friedhof, der direkt an unser Grundstück grenzt. Die Kirche leuchtet in neuer Farbenpracht. Die Gräber wirken oft verlassen und verödet. Bei dem Anblick entschließen wir uns, nach unserem Ableben in keinem Grab, Platz nehmen zu wollen. Das beste Grab ist wohl eher der Kopf unserer noch lebenden Angehörigen. Sofern wir uns recht gut benommen haben im Leben, werden wir nicht zu schnell aus ihren Köpfen verschwinden.

Herzlichen Dank an meine Leser

Am vergagenem Wochende inklusive Heute, durfte ich einen neuen Rekord meiner Besucherzahlen registrieren. Wie Ihr wisst, betreibe ich zwei Blögge. Der Blog auf Wordpress wird mein Bücherverkaufsstand und auch ein politisches Journal mit internationalen Themen aus der Sicht eines Arbeiters mit kommunistischer Erziehung. Wir haben um die zweihundert Besucher an einem Tag registriert. Und das führt bei mir zu einer Art - Euphorie. 

Gelegentlich berichte ich von den gesellschaftlichen Fortschritten unserer Genossen weltweit als auch von deren zeitweisen Niederlagen. Sobald es national ist und uns direkt betrifft, finden wir die Beiträge auch auf meinem Südtiroler Portal, das bei Konverto gehostet ist. Danke hierfür an Konverto, früher ROL.

Bücher, die ich über Amazon und BoD vertreibe, werde ich auch hier im Buchladen führen. Dazu werde ich die Händler aufzeigen, die meine Bücher mit führen und von mir beliefert werden. Bisher habe ich das im Eigenverlag getan. Deswegen bemühe ich mich, meinen Verlag als Kleinstbetrieb zu etablieren. Unsere Gewerkschaft, die CISL, hilft mir bei meinem Anliegen. Dank an die Genossen.

Gelegentlich werde ich diverse Parkplätze aufsuchen und unter Ihren Scheibenwischern ein Kärtchen meiner Blogs platzieren. Ich bitte Sie um Nachsicht. "Arme Hunde" haben kaum eine andere Möglichkeit der Werbung. Ich bitte Sie, die Kärtchen nicht im öffentlichen Raum zu entsorgen; auch, wenn Sie Wut über mich und diese Aktion empfinden. In erster Linie helfen Sie damit Konverto mit Klickzahlen auf der einen Seite und mir beim Vertrieb meiner Bücher. Auf meinem Konvertoblog ist es mir nicht möglich, Werbung zu platzieren. Das mache ich ausschließlich bei Wordpress. Dort kann ich das direkt abrechnen. 

Der Direktverkauf hier auf meinem Hauptblog bei Konverto für uns Südtiroler, erfordert ein paar mehr Schritte der Bestellung und Abrechnung als bei Wordpress. Zunächst ist die jeweilige Seite direkt aufzurufen, indem Sie den Beitrag anklicken. Dann sehen Sie die Kommentarspalte und können dort direkt bei mir bestellen. Sie müssen ihre Adresse eingeben. Kommentare muss ich nicht frei schalten. Das heißt, es bleibt unter uns. Sie bekommen dann von mir die Kontoverbindung, die Sie auf Ihre Art bedienen können. Wohnen Sie in der Nähe von Partschins/Naturns und Meran, bringe ich Ihnen das Buch/die Bücher persönlich. Natürlich signiert und bereit, Ihre Fragen zu beantworten.

Soviel ich bisher heraus bekommen habe, beträgt die Zustellungsgebühr für ein Buch im Land um die 1,50€. Ich werde das an mir noch testen. Die Verpackung wird mir von Bizay angeboten und kostet in etwa 50 Cent. 

Bleiben Sie mir gewogen. Im kommenden Monat werde ich Ihnen "Die Saisonpause" als Novelle liefern. Darin erfahren Sie, wie Saisonkräfte ihren Urlaub verbringen. In diesem Jahr kommt der Erste Monat "Der Saisonkoch - Sommersaison" (das ist rein Südtirolerisch) und ganz sicher noch zwei Krimis. Joana 2, mein Liebesroman für einsame Herzen, schafft es sicher noch bis Weihnachten. Darin entführe ich die einsamen Herzen nach Griechenland, nach Süditalien, nach Nordafrika, nach Östereich und in die Schweiz.

Ich muss jetzt etwas an meinem Computer tun. Die Tasten scheinen etwas zu hängen oder meine Finger sind zu faul. Laufend habe ich einen Buchstaben in einer Dreier- bis Fünferfolge.

Heute möchte Joana mit mir eine kleine Motorradausfahrt unternehmen. Etwas Vergnügen haben wir uns schon verdient, denke ich.

Schauen wir mal zum Rollepass

Leseprobe Die Saisonpause

Die Saisonpause

Kurz danach dürfen wir schon die gesegnete

Reisefreiheit genießen. An den Brücken über der Autobahn steht wieder der IGL. Zuerst fällt diesen Leuten ein, jegliches Lager in ein Einkaufszentrum zu verwandeln. Und danach, verschieben sie die Lager, umweltschonend, auf die Straße. Dann erklären sie den Autofahrer zum Feind der Umwelt. Wohl wissend, dass sie die Feinde der Umwelt sind. Wir passieren zwei Streifen. In der Nacht. Die Gendarmen unserer Österreichischen Nachbarn sind recht fleißig. Die Geschwindigkeit des Verkehrs bewegt sich an der äußersten Grenze des Erlaubten. Einhundert und Zehn Stundenkilometer. Wir schauen dem Tod direkt in die Augen. Ein Kilometer schneller und es blitzt an allen Ecken. Bei der Geschwindigkeit wird der Fahrer eher vom Schlaf überrascht als vom Verkehr.

Kaum sind wir an Kufstein vorbei, verwandelt sich die Autobahn in eine Rennstrecke. Jeder Fahrer möchte dem anderen beweisen, was er sich für ein PS-Monster zugelegt hat. Türgriff an Türgriff geht es im Doppel an die Grenze des Machbaren. Normal Fahrende werden zur Gefahr erklärt und Vorsichtige, zu Idioten. Kurz nach der Wende haben wir uns von diesem Theater anstecken lassen. Aber nur kurz. Dann hat das Gehirn gewonnen. Oder soll ich sagen, die leere Brieftasche? Selbst in der Nacht ist um München die Hölle los. Dort herrscht ein Lastverkehr, der jeglichen Umweltgedanken in einen Witz verwandelt. Auf der dreispurigen Autobahn sind zwei Spuren komplett mit Lastwagen gefüllt. Wir befinden uns nicht selten zwischen diesen Geschossen. Deren Fahrstil überzeugt mich von ihrer Übermüdung. Joana verkrampft sich teilweise. Neben ihr drehen sich Riesenräder, die unentwegt Streugut an unser Auto schudern. Ab Nürnberg wird es etwas ruhiger. Wir wollten um diese Zeit nicht über Regensburg fahren. Diese Autobahn wirkt auf uns etwas dunkel. Mit einer Panne möchten wir auf dieser Strecke nicht festsitzen.

Im Frankenwald glauben wir fast, uns noch im festen Winter zu befinden. Alles ist weiß; die Straßen sind glatt und gefährlich. Streudienst scheint es hier keinen zu geben. Bei einer Bremsprobe schnattert das ABS. Unser Auto fängt an zu tanzen und Joana quiekt schon neben mir. Wir nehmen uns vor, kurz zu halten und einen Kaffee zu trinken. Die Parkplätze sind dunkel. Mit Aufblendlicht stellen wir fest, die Plätze sind auch überfüllt. Für uns gibt es keinen Platz. Wo legen wir eine Pause ein? Ich fahre bis zur Ausfahrt des Parkplatzes und dort rasten wir kurz am Seitenrand. Joana sucht einen Sender im Radio. Der Kaffee tut gut. Ich möchte fünf oder zehn Minuten ruhen. Mir zieht es unweigerlich die Augen zu.