Skip to content

Fortsetzung Der Schreck

Leblos im Schnalser Stausee

Monika hat ihm ein Bier mitgebracht. Toni trinkt selten Bier und nur wirklich süßen Wein. Das saure Zeug schmeckt ihm nicht. Egal, unter welchem Pseudonamen das verkauft wird. Trocken, extra trocken oder furztrocken. Monika ahnte das. Sie hat Marsala und Vino Santo ein getan. Toni gratuliert ihr zu dieser Wahl. Bei Bier bevorzugt Toni alkoholfreies. Zum Glück bieten das jetzt auch Südtiroler Brauereien.

Monika ist zufrieden mit ihrem Mann. Der säuft nicht. Und kochen kann der auch noch. Da würde eigentlich nur Eins fehlen. Ausgerechnet das, kann er auch. Ein glücklicher Griff.

Nach dem Abendessen schauen sich die Zwei die Notizen an, die Toni gemacht hat. Monika denkt, das Opfer ist ein Saisonarbeiter. Toni denkt das Gleiche. Es gibt, bis auf drei Bergsteiger, keine Vermisstenanzeigen. Die Bergsteiger werden im Ortlergebiet vermisst. Seit zwei Tagen fliegt die Bergrettung regelmäßig Streife. Bisher gibt es keine Funde.

Das Wetter heute ist sehr ruhig. Die Abendsonne zeigt sich nur mit einem gelbroten Rand hinter den Bergen.

Marco ruft noch einmal an. "Morgen bekommen wir schon die Daten. Gute Nacht."

Am Morgen fahren die Zwei zur Arbeit. Moni in die Boxerhütte und Toni nach Meran. Für den Weg zur Boxerhütte nutzt Monika neuerdings ein Quad. Ein Elektroquad. Toni hört sie gar nicht bei ihrer Abfahrt. Er nimmt sich vor, in den kommenden Tagen das Teil mal zu probieren. Es sieht recht wuchtig aus.

Das Laub auf der Straße nach Unten ist noch etwas feucht. Toni fährt wie auf Eiern. Er nimmt sich vor, unten in Rabland einen Garagenplatz für sein Motorrad zu suchen. So kann er mit der Seilbahn fahren. Mit dem Auto nach Meran zu fahren, kostet einfach zu viel Zeit. Das Gleiche gilt auch für die Bahn oder gar für das Fahrrad. Ein Elektroquad gänge vielleicht. Nur, mit dem stünde er auch im Stau. Und ob dafür die Batterie reicht? Das bezweifelt Toni zu Recht. 'Das Motorrad ist und bleibt das Beste', denkt er sich.

Kaum ist er im Büro, kommt schon eine Kollegin und bringt die Daten der Proben. Das Opfer ist tatsächlich ein Saisonarbeiter. Er heißt Soltan und ist ein Ungar. Den Papieren nach, arbeitet er schon viele Jahre in Südtirol. In Dorf Tirol, in Schenna und in Meran. Toni steht ein hartes Programm bevor.

Zuerst geht er auf das Arbeitsamt, um zu erfahren, wo Soltan überall gearbeitet hat. Die einzelnen Betriebe müssen abgeklappert werden. Vielleicht gibt es Zeugen und Aussagen. Hat Soltan eine Freundin oder Frau? Gibt es eine Familie bei ihm zu Hause?

Das Amt hat fast alle Daten von Soltan. Marco gibt seiner Veronika die Daten. Veronika sucht in den Unterlagen der Gewerkschaft. Volltreffer. Die Gewerkschaft hat mehr Unterlagen als das Arbeitsamt. Jetzt gilt es nur noch zu erfahren, was Soltan ausgerechnet am Stausee wollte.

Den Unterlagen nach, kommt Soltan vom Plattensee. Balaton. Aus Balatonfüred. Toni kann sich erinnern. Er war dort schon mal drei Tage. 'Wieso arbeiten die Ungarn vom Balaton ausgerechnet hier?', fragt er sich. 'Die haben dort doch auch Saison.' Er kann sich das nicht so richtig erklären.

Vielleicht wollte er sich zu Hause ein Geschäft aufbauen. Das Geld dafür, konnte er sich hier verdienen.

Jetzt gilt es, heraus zu finden, ob eventuell Angehörige da sind. Toni ist sich sicher, Angehörige zu finden.

Zunächst nimmt er telefonischen Kontakt mit den dortigen Behörden auf. Zu seiner Überraschung, sprechen die sehr gut Deutsch. Offensichtlich sind deutsche Touristen deren Haupttouristen. Österreicher und Schweizer sprechen ja auch deutsch. Er ist überrascht von den guten Sprachkenntnissen.

Es gibt eine Familie von Soltan. Eine Frau, ein Kind und beide Eltern nebst Schwiegereltern. Toni überlegt, wie er dieser Familie die traurige Nachricht übermitteln kann. 'Sage ich es kurz oder hole ich weit aus? Sage ich es dem Amt?'

Toni will es persönlich tun. Das Amt zu Hause bei Soltan gibt ihm die Adresse und die Telefonnummer. Die schlechte Nachricht per Telefon zu übermitteln, kommt das Toni etwas unpersönlich vor. Er entscheidet sich, die Nachricht über die ungarischen Kollegen mitteilen zu lassen. Die Angehörigen müssen noch zur Identifikation kommen. Das Land bezahlt die Anreise.

Der Tag ist schnell vorüber. Die Kontakte nach Ungarn waren sehr zeitintensiv. Toni will aber noch die letzte Arbeitsstelle heraus bekommen. Und siehe da, Soltan hat bei Silvio gearbeitet. In dem Hotelklotz in Kurzras. Alpenrast. Der Komplex wirkt wie aus einem Stück. Restaurants, Geschäfte, Dienstleistungen. Alles in einem Komplex. Gegenüber geht die Seilbahn hinauf zum Gletscherhotel. Unten ist alles grün und Oben, fährt man Ski. Traumhaft.

Fortsetzung folgt

Der Giau

Fortsetzung Der Scheck

Leblos im Schnalser Stausee

Toni studiert die Liste gleich vor Ort. Vielleicht entdeckt er Anhaltspunkte. Die Sekretärin schmiert noch etwas um den Schreibtisch und macht einladende, bewusst ungeschickte Bewegungen.

"Darf ich noch Etwas bringen?"

Silvio fragt umgehend, ob Toni einen Kaffee oder Tee möchte.

"Einen doppelten Macciato bitte."

Auf der Liste sind einige Gastarbeiter eingetragen. Ungarn, Polen, Slowaken und, man staune, Italiener aus Kalabrien. Toni muss die Daten mitnehmen und mit den Papieren bei Marco vergleichen.

Auf dem Weg zurück spürt Toni mit dem Motorrad, die Außenseite ist oberhalb der Viadukte, ziemlich gefährlich. Der Abgrund hinter der kurzen Mauer am Straßenaußenrand, kurz vor Juval, scheint hundert Meter tief zu sein. Ein nachlässiger Fahrer, der üblicherweise die Kurve, Spur übergreifend - ausholend anfährt, kann dort für einen kostenlosen Flugunterricht sorgen. Ein Linienbus reicht für einen Freiflug. Es gilt, vorhandene Spiegel gut zu beobachten. Bei Regen, der dort nicht selten ist, kann das ziemlich problematisch sein.

Unten angekommen, herrscht schon wieder Stau. Und das schon vor Naturns. Zu dieser Tageszeit. Toni schüttelt den Kopf. Er wird bei Naturns abbiegen. Vielleicht fährt er durch die Apfelplantagen. Mit dem Motorrad geht das bei achtsamer Fahrt.

Nach Naturns ist von dem Stau nichts mehr zu sehen. Toni vermutet einen Unfall im Tunnel.

Kaum ist er in Meran angekommen, trifft er auch Marco. Marco ist schon vor ihm aufgebrochen. Die gefundenen Sachen geben sie der Spurensicherung. Im Büro überlegen sich die Zwei, wie sie weiter vorgehen.

Heute ist erst einmal Feierabend. Toni fragt Marco, ob er nicht mal mit seiner Veronika auf die Hütte kommen möchte. Matteo, der Sohn, würde sich garantiert darüber freuen. "Immer in der Stadt. Das ist kein Auskommen."

"Höchstens am Wochenende", ist die trockene Antwort Marcos. "Unter der Woche hat Veronika einfach zu viel zu tun."

"Arbeitet sie noch bei der Gewerkschaft?"

"Ja, sicher. Es gibt viel Arbeit bei ihnen, weil die höher liegenden Betriebe schon die Saison beendet haben."

Marco nimmt sich seine Notizen mit uns fährt nach Hause.

Monika wartet schon. Sie war bei ihren Eltern.

"Diese Woche haben wir viel zu tun. Papa ist krank."

"Wünsch ihm Gute Besserung von mir. Hast du gleich etwas zu Essen mitgebracht?"

Toni bemerkt zwei große gegrillte Koteletts, eingepackt in Alufolie.

Fortsetzung folgt

Leblos im Schnalser Stausee

Leblos im Schnalser Stausee

                                                   Leblos im

                                           Schnalser Stausee

 

                                       eine Kriminalgeschichte

 

                                                          von

 

                                                      KhBeyer

 

                                                 aus der Reihe

 

                                               Der Saisonkoch

 

                                                        unter

 

                                           dersaisonkoch.com

                                                        oder

                                           dersaisonkoch.blog

                            (auch in anderen Sprachen verfügbar)

 

 

Der Schreck

Wie üblich, fährt Andreas am Montagmorgen zum Schnalser Stausee. Im Tal ist zu dieser Zeit eher der Gegenverkehr in Richtung Meran und Schlanders unterwegs. Andreas kann locker und gemütlich fahren. Der erste Weg führt ihn in die Tankstelle in Pifrol, wo er viele seiner Kollegen und Freunde beim Frühstück trifft. Für Gewöhnlich isst er dort ein großes Panini mit Schnalser Speck und Käse. Die Brötchen der örtlichen Bäckerei mag er besonders. Er will sie nicht gegen irgendwelche Panini anderer Bäckereien tauschen. Die hier, sind einfach eine Wucht und wirklich jeden Cent wert. Den Blick in die Zeitung kann sich Andreas sparen. Die mündlichen Nachrichten der Bewohner des Tales sind tausend Mal überzeugender und wesentlich aktueller als die aus der Landeshauptstadt. Um diese Zeit ist es am Stausee etwas frisch. Andreas lässt sich einen keinen Schuss in den Kaffee geben. Das morgendliche Frostgefühl lässt umgehend nach. Nach dem Blick auf die Uhr, entschließt sich Andreas, los zu fahren.

Die Wirtschaft an der Staumauer hat noch nicht geöffnet. Es stehen schon ein paar Autos auf dem Parkplatz. Sicher die von Anglern oder vom Hotelpersonal der Umgebung.

Andreas läuft auf die Mauer. Das gehört zu seinem Kontrollgang. Im Wasser sieht er einen Gegenstand, der nicht ganz an der Oberfläche schwimmt. Zuerst denkt er, es wäre ein Baumstamm. Dunkel und länglich. 'Hat Jemand einen Stamm vom Holzschnitt in Wasser geschmissen?', denkt er sich. Oberhalb vom See, haben Bauern, Holz in ein und zwei Meter Stücke geschnitten. Wahrscheinlich lässt es sich so besser transportieren. Ein Stück könnte weg gerollt sein.

Das Gelände dort ist stellenweise sehr abfallend. Andreas holt sich einen Haken. Er möchte das Stück Holz an Land ziehen. Kaum hat der Haken den Kontakt mit dem vermeintlichen Stück Holz, muss Andreas feststellen, es ist ein Mensch. Zuerst denkt Andreas an seine Nachbarn. Die haben in den Tagen Holz geschnitten. Er glaubt an einen Unfall. In der Tankstelle, war aber keine Rede davon. Auch keine Rede von einem Unfall in der Nachbarschaft. Andreas ruft den Notdienst an. Mehr möchte er erst mal nicht tun. Er glaubt nicht daran, hier ließe sich Etwas retten. Nach dreißig Minuten kommt schon die Rettung. Die kommen nicht allein.

Die Carabinieri des Ortes haben es nicht weit. Sie sind auch gleich da und sperren die Gegend ab. Sogar die Straße.

Fortsetzung folgt

Abfahrt vom Giau in Richtung Arabba

Fortsetzung Der Schreck

Leblos im Schnalser Stausee

Die Rettung verpackt das Opfer und verladen ihn in ein Auto.

Auf dem Parkplatz vor der Staumauer versammeln sich schon reichlich Gaffer. Sie fotografieren. Die Carabinieri möchten das nicht. Es gibt Streit. Die Carabinieri wenden ein ganz einfaches Mittel an, um den Streit zu beenden. Sie reden ab jetzt nur noch Italienisch. Schon haben sich die Schaulustigen aufgelöst bis auf ein paar italienische Landsleute. Die haben Respekt und folgen den Anweisungen der Carabinieri.

Inzwischen hat das Cafe mit dem Imbiss geöffnet. Die Gastwirtsfamilie freut sich über die Masse an Besuchern um diese Zeit. Bisweilen müssen sie die nicht konsumierenden Schaulustigen zu etwas Konsum animieren. "Was wünschen sie? Der Platz ist für unsere Gäste reserviert." An der Theke amüsieren sich die Wirtsleute. "Ein Kaffee für vier Personen."

Die beste Methode, den Konsum etwas anzuregen, ist, eine Kanne Wasser zum Kaffee zu servieren. Einen Euro, dürfte der zusätzliche Service, Wert sein. Die Gäste tuscheln hinter dem Rücken der Wirtsleute. "Eine Schande! Leitungswasser für einen Euro. Das gibt es ja in Flaschen billiger."

"Aber nicht aus polierten Gläsern, die Dame", antwortet die Tochter des Gastwirtes.

"Der Kaffee schmeckt mir auch nicht!"

"Der kostet aber trotzdem zwei Euro sechzig", gibt die Kellnerin zum Besten.

Fortsetzung folgt

cronjob