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Für Sparfüchse und erprobte Leser von Romanen, habe ich den Saisonkoch jetzt in einem Band zusammen gefasst. Das Ding ist mit 9 Pt. in Ubuntu gedruckt, gute 585 Seiten dick und dürfe gut zu lesen sein. Als besonderes Leckerlie habe ich ein Foto vom Molvenosee genommen. Auf genau diesen Blick in die Brenta wartet ein Saisonarbeiter schon die gesamte Wintersaison.


 

Aus dem Vorwort:

"""Erfahren Sie, wie es der einheimischen, gastgebenden Bevölkerung ergeht. Sehr viele Einheimische sind Opfer des touristischen Verkehrs, eingeschleppter Krankheiten und der vielen unglaublichen Behinderungen in Geschäften und Schankbetrieben. Beachten Sie, sämtliche Miet-, Markt- und Eigentumsverhältnisse sind dem touristischen Markt angepasst. Die eigene gastgebende Bevölkerung wird gezwungen, im Ausland oder außerhalb der Touristikgebiete ihren Tagesbedarf einzukaufen. Sämtliche Dienstleistungen sind an Touristenpreise angepasst und damit für Einheimische, nicht finanzierbar. Die Viehbestände der Bauern sind durch eingeschleppte Krankheiten der von Touristen mitgeführten Haustiere gefährdet. Die Weiden und angebauten Kulturen werden durch Touristen und ihre Haustiere beschädigt, infiziert und oft vernichtet. Massentourismus in der Form ist massenhafte, vorsätzliche Körperverletzung und Umweltverschmutzung auch mit Todesfolge."

Erst in diesen Tagen ist eine 82-jährige Bewohnerin beim Überqueren des Zebrastreifens in unserem Ort wieder überfahren worden. Sie ist nicht die Einzige. Ich wünsche Gute Besserung!!

Natürlich verschenke ich das Buch nicht. Sie dürfen sich auf ein spannendes, witziges, lehrreiches, teilweise trauriges Buch voller Informationen freuen. Sie lernen die Einheimische Kultur genau so kennen wie die Kultur unserer Kollegen aus fremden Ländern.

Die 12Pt - Großschriften der anderen Bände lasse ich für jene Leser stehen, die eh optische Schwierigkeiten haben. Die Bücher sind in der Produktion erheblich teurer als die in Kleinschrift, weil sie einfach mehr Seiten haben.

 

Ausfahrt 280521

Ausfahrt am 280521

 

Das Wetter ist glänzend aber, wie üblich in den Bergen, nicht ganz wolkenfrei.

Meine Runde sollte mich heute ins Eggental und folglich, zur Marmolada führen. Von der Marmolada fahre ich zum Pordoi. Natürlich könnte ich jetzt nach Corvara. Aber die Straßen sind nahezu alle gesperrt. Daher entscheide ich mich für die Sella, um zu sehen, wie es meinem Buchcover vom Ersten Teil geht.

Bei der Runde ist mir Erstaunliches aufgefallen. Während wir bei uns in Südtirol auf Straßen fahren, die schlechter sind als mir bekannte DDR Straßen, sehen die Dolomitenstraßen im Trentino, in Belluno, im Veneto und natürlich auf der Route außerhalb Südtirols, wesentlich besser aus. Früher war das genau andersherum.

Die Einheimischen begründen das lächelnd mit dem Giro de Italia. Also haben auch die Dopingfestspiele ihr Gutes. Natürlich muss ein Motorradfahrer gelegentlich mal Pause machen zum Rauchen, Trinken und Pinkeln. In dem Sinne, haben wir der Natur das zurück gegeben, was sie uns schenkte. Schockierend dabei ist, ich pinkele nicht mehr in die Natur. Ich treffe immer Anfall und das in jedem Fall, egal wo.

Damit möchte ich einen wirklich ernst gemeinten Kommentar los werden:

Liebe Alpenbesucher,

 

ich bin Motorradfahrer und führe alle meine Erfrischungen, Schokolade, Zigaretten usw. mit. Nach Gebrauch sind die Verpackungen und Behälter alle leichter als vorher. Ich sehe also keinen Grund, die an Ort und Stelle des Verzehrs zu entsorgen oder gar wegzuwerfen. Gehen Sie pinkeln oder versteckt, etwas größer; die Natur dankt es Ihnen. Es sei denn, Sie sind leidenschaftlicher Gennahrungsmittel Verbraucher. Dann ist ihre Naturgabe, leider Sondermüll. Den Gästen empfehle ich ein starkes Gebiss, damit sie die Sondermüllplätze unserer größeren Gemeinden besuchen können. Nicht, dass uns irgendwann einmal Murmler mit zwei Schwänzchen begegnen.

Der Verkehr war erträglich. Es gab keine Staus. Ein Hochgenuss. Auf dem Parkplatz vom Pordoi stehen um diese Jahreszeit für gewöhnlich, etwa fünfzig Busse, zweitausend Fahrräder und die dazugehörigen Autos mit Transportgestängen. Mich empfing da eine gähnende, natürliche Leere und etwa dreißig Motorradfahrer.

Normal bilden sich hinter jedem Radfahrer ungeheure Staus von Bussen und SUVKarossen.

Radfahrer behindern damit schon mal keine Motorradfahrer. Im Gegenteil. Einspuriger Verkehr ist echter Alpenverkehr, der auch wirklichen Genuss bietet.

Beachten Sie bitte: Die Pflanzen brauchen CO2 und Sie brauchen Luft, Sonne und stressfreie Erholung.

Also, lassen Sie ihr Auto stehen und genießen Sie die Alpen mit einem Zweirad in Form von Scooter, Motorrad oder Muskelkraft. Mit dem Autoführerschein dürfen Sie auch einen Scooter benutzen.

Beachten Sie bitte: Es muss nicht sein, mit einem vierzig Tonnen schweren Bus, Alpenstraßen zu befahren, die für 25 Tonnen ausgelegt sind. Buchen Sie kleine Busse und zahlen Sie lieber drei Euro mehr für die Ausfahrt. Die einheimischen Busunternehmen haben sich fast alle schon in diese Richtung umgestellt.

Der Neubeginn

Der Neubeginn

Zunächst mussten wir uns erst Mal etwas Geld besorgen. Wir hatten weder eine Arbeitsstelle noch ein Einkommen. Joana hatte noch Energie und fast grenzenloses Vertrauen in mich. Das Gros ihrer Kolleginnen hatte schon einen Mann aus dem Westen. Im Nu wurde reichlich Wohnraum frei in unseren Neubauten.

Auf dem Amt saßen unsere Bekannten von früher. Sie waren plötzlich nicht mehr Chef in der Abteilung. Sie sind jetzt Sachbearbeiter. "Eine steile Karriere haste hingelegt", scherze ich bei einem Gespräch.

"Jaja. Was willst Du denn?"

"Ich habe weder Einkommen noch eine Arbeitsstelle. Gibt es eine Hilfe, ein Geld oder so etwas?"

" Das Begrüßungsgeld hast Du schon?"

"Ja."

"Naja. Da hast Du schon unsere Hilfe." Er lacht dabei. "Hast Du nichts zum Verkaufen?"

Der Gedanke war nicht schlecht. 'Wer will jetzt einen Trabi?' geht mir durch den Kopf.

Der Termin in der Brauerei ist fällig. Wir verabschieden uns und fahren zu unserem Hoffnungsschimmer in die Brauerei. Am Betriebseingang sitzt unsere Nachbarin. Die Frau vom verstorbenen Lehrer. Julia heißt sie.

"Ich habe einen Termin mit dem Chef."

"Mit der Chefin", sagt Julia. "Wir haben eine Chefin. Unsere Männer wollten die Brauerei nicht übernehmen."

Ausgerechnet die Chefin der Lohnbuchhaltung konnte dem Haustrunk bisher widerstehen. Ihr Mann hat ihr Kontingent mit vertan. Die Haustrunk Genießer waren natürlich zu feige, die Verantwortung zu übernehmen. Frei nach dem Sprichwort betreffs der Onanie: "Alkohol schwächt Kopf und Knie." Eine DDR Frau zeigt den Männern, wie es geht. Mit Mut. Unser Sozialismus hat offenbar die Männer verweichlicht. "Jammerossis", jubelten die Propagandakanäle der Kriegsverbrecherfamilien. Jetzt kommt die Zeit unserer starken Frauen. Und Joana zeigte Stärke.

Margret, die Chefin der Brauerei, duzt mich natürlich. Wir kennen uns und sie möchte mit mir zusammen arbeiten. Die Kriminellen aus dem Westen würden uns jetzt als Seilschaft betiteln. Die Chefs der Westbrauerei waren zugegen.

"Wir haben bei uns eine Gaststätte die frei wird."

"Ja gut. Ich muss mir die trotzdem erst mal anschauen."

Margret ist nicht begeistert. Ich sehe das in ihren Augen. Sie gibt stille Zeichen.

"Kommen Sie einfach mal vorbei. Wir fahren morgen wieder nach Hause."

"Gut. Wir sehen uns dann morgen Abend oder übermorgen."

Der Chef der Westbrauerei geht. Jetzt kommt Margret zur Sache.
"Die Treuhand verkauft unsere Gaststätten und wir könnten eine übernehmen."

"Das klingt interessant. "

"Dazu haben wir ja auch noch unsere Hausgaststätte."

DDR Bürger sollen ihr Eigentum kaufen, während Westganoven es rauben.

Das war früher ein Kulturhaus. Ein Mordsgebäude. Ich müsste einen Haufen Personal übernehmen. Davor habe ich jetzt bissl Schiss. Ich traue mir das nicht zu. Das Alles, bei neuen Gesetzen, mit den Besatzern, zu deren Bedingungen?

"Wir helfen Dir. Den Bau und so übernehmen wir."

"Das klingt verlockend. Ich muss das dringend überschlafen, Margret."

Die Sorge ist nicht unberechtigt. Selbst die Brauerei steht auf der Kippe. Kann Margret und ihr Kollektiv dem Westdruck widerstehen? Ich muss meine Eltern fragen. Das Risiko scheint mir unbeherrschbar. In den Augenblicken schau ich immer in die Augen Joanas. Was steht da? Joana ist mein Wahrsager.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung der Wandel

Plötzlich wollen die ganzen verkappten Gastwirte des Westens ein Geschäft machen. Sie wollen ihre herunter gewirtschafteten Mühlen teuer verschleudern oder unter verpachten. Auf DDR Gastwirte wartet ein Heer von Kriminellen. Angefangen bei Geschirrvertretern. Gefolgt von Anzeigenvertretern und nicht zuletzt, von Kreditvermittlern. Von einem Tag zum anderen, tritt vor unsere Türen der gesamte kriminelle Abschaum dieser Erde. Begleitend dazu, hat man auch gleich die DDR Gesetze beseitigt. Freie Fahrt für westdeutsche Kriminelle. Die umfassende Plünderung durch ein kriminelles Gesindel kann also beginnen. Das nennt sich dann in ihrem Deutsch, Wirtschaftswunder. Selbst aus der Schweiz und Holland kommen Vertreter, die sich anbieten, Gewinne oder Bargeld ins Ausland zu transferieren. Sagen wir einfach Klauen dazu. Vater ist fast am Verzweifeln. "Wenn ich die Tür öffne, steht immer ein Verbrecher davor!

Für dieses abscheuliche Gesindel hast Du ein Leben lang gearbeitet." Vater hat früher anders vom Westen gesprochen. Ein Tag, und er ist nachhaltig geheilt.

Gastwirtschaften sind eigentlich Gebäude mit einer offenen Tür für Gäste. Wenn diese Gäste ausnahmslos aus Verbrechern bestehen, ändert sich auch die Einstellung der Gastwirte. Ab genau dem Tag, sind sie keine Gastwirte mehr.

Die DDR steht also jetzt zum Verkauf. Die Kammer unterrichtet uns, wir könnten jetzt unseren Betrieb retten, in dem wir ihn kaufen. Es gibt jetzt eine Treuhand. Schon der Name müsste jeden DDR Bürger nachhaltig erschrecken. DDR Bürger bestehen zum großen Teil aus Bürgern der Gebiete, die schon unter Hitler besetzt waren. In Folge des verlorenen Angriffskriegs wurden unsere Eltern und Großeltern umgesiedelt. Das war natürlich eine Enteignung. Und genau diese Enteignung erleben diese Leute jetzt das zweite Mal. Nicht etwa durch die medial verhassten Kommunisten. Nein. Es waren die alten Herren der früheren Jahre. Kriminelle und Völkermörder.

Unsere Kammer empfahl uns also, auf die Treuhand zu gehen und dort um ein Objekt anzusuchen.

 

Fortsetzung der Wandel

Auf der Heimfahrt überholen uns wieder Autos mit irren Geschwindigkeiten. Ein Stau an einer unübersichtlichen Stelle und der Fahrer nebst Opfern ist fällig. Auf der Autobahn können wir die Gewissenlosigkeit von den Kriminellen nachvollziehen. An drei Stellen stehen weinende Leute am Rand neben Schrott. Särge sind auch dabei. Das ist feinster Aufbau - Ost. Zumindest für das Beerdigungsgewerbe. Mich würde jetzt nicht wundern, wenn die DDR Beerdigungsunternehmen plötzlich Westpartner hätten.

Zu Hause angekommen, erwartet uns eine Überraschung der besonderen Art. Elias ist da mit Familie. Jürgen und Andrea sind bei ihnen. Andrea kommt zu mir und sagt, sie würden mit Elias zusammen ein Hotel bauen wollen.

"Was bedeutet das für mich?", frage ich sie.

"Ja. Wir haben Eigenbedarf und möchten den Pachtvertrag auflösen."

Und ich habe gerade erst Geld ausgegeben für Einrichtungen. Das fehlt mir noch.

"Kauft Ihr mir die Einrichtung ab?"

"Nein. Wir reißen die Gaststätte ab."

Naja. Ich stehe nur im Verlust. Aber wenigstens schuldenfrei.

Unsere Währung ist halbiert worden. Die Schulden auch. Das ließ sich jetzt aus dem Portemonnaie bezahlen. Wir sind also über Nacht, blank.

"Was ist mit der Wohnung und den neuen Möbeln?"

"Wir brauchen die nicht. Die kannst Du abholen."

Was machen wir jetzt? Ziehen wir zu meiner Mutter? Zu Joanas Eltern ins Kinderzimmer?

Zuerst rufe ich die Brauerei an und frage, was wir mit der Ware und den Rechnungen tun.

"Wir holen das ab. Offene Rechnungen hast Du nicht. Wir haben aber ein Angebot für Euch. Komme einfach mal vorbei."

Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich. Wir verabreden uns auf den kommenden Tag. Die Nacht war für mich keine ruhige. Joana konnte auch nicht schlafen. Wir saßen zusammen und rätselten, was wir tun können. Neben dem Brauereibesuch, wollen wir zunächst unsere Kammer anrufen, wie das nun weiter gehen soll.

Am kommenden Morgen rufe ich an und erbitte einen Termin.

"Sie sind einer von Zehntausend, die gerade anfragen."

Ich habe wirklich nicht gewusst, dass wir so viele Kollegen haben. Der Termin fällt dementsprechend spät aus. In einem Monat. Darauf werden wir wohl verzichten müssen, schätze ich. Das dauert zu lange. Wir brauchen etwas zum Leben.

Das Angebot der Brauerei hört sich da etwas besser an. Unsere Brauerei hat plötzlich eine Partnerbrauerei aus Bayern. Irgend Jemand muss ja die Gewinne klauen. Der Brauereichef bietet uns eine Pachtgaststätte in seinem Ort an. Die würde gerade frei werden. 'Wenn der uns eine Gaststätte anbietet, gibt es sicher noch Gaststätten in anderen Gegenden', denke ich mir. Wir kaufen also Zeitungen und lesen die Anzeigen. Und siehe da, der gesamte Westen sucht Gastwirte. Und das ausgerechnet in der besetzten DDR. Wenn das kein Plan ist, was dann?

Fortsetzung folgt

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