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Corona

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Die ausgebrochene Seuche ist natürlich für einen Saisonarbeiter eine brotlose Zeit. Nach einer zu kurzen Saison des Vorjahres, bekommt eine Saisonkraft natürlich nur begrenzt Arbeitslosengeld, das im günstigsten Fall bei Saisonende im Oktober, bis Februar gezahlt wird. Allgemein könnte ich jetzt die Zeit nutzen, mich bei meinen Verwanden und Bekannten durchzufressen, um etwas Geld zu sparen. Saufen ist mir zu lästig und auch zu luxuriös. In der aktuellen Krise ist das nicht möglich und langsam aber sicher, versucht der Koch, Lebensmittel so zu verarbeiten, wie das die Natur normal vorgesehen hat. Gemüse wird eher gewaschen statt geschält, Kartoffeln werden etwas seltener als Salzkartoffeln gekocht und Fleisch, ausnahmslos als Hackfleisch verzehrt. Rauchen ist zwar auch ein Luxus, aber dem gehe ich natürlich trotzdem nach, weil in der Einsamkeit und Ruhe, einfach keine Möglichkeit besteht, sich das abzugewöhnen ohne rückfällig zu werden. Nun kann ich von meinen Rauchgewohnheiten auch nicht lassen, wenn ich wenig Geld zur Verfügung habe. Mir fiel ein, daß unsere Großeltern während und nach dem Krieg, bisweilen Dinge rauchten, die wir als Medizin oder als Tee konsumieren. Die Spaziergänge, die wir weiterhin nur durchführen dürfen, um uns Rauchwaren oder Lebensmittel einzukaufen, nutze ich jetzt ganz virenfrei, ohne jeglichen Kontakt zu anderen Mitmenschen, um mir die benötigten Kräuter, Brennnesseln, Birkenblätter, Pfefferminz, Zitronenmelisse und so weiter, zum Trocknen einzusammeln. Nach dem Trocknen werden diese Kräuter natürlich fermentiert. Dazu nutzt man für gewöhnlich etwas Alkohol in Form von Rum oder Grappa, je nach Geschmack und gibt dazu etwas Druck auf die Kräuter. In etwa drei Tagen haben wir dann das Ergebnis, das ich an der Luft etwas nachtrocknen lasse. Zum Glück kaufe ich mir Zigarettenpapier und Filter einmal im Jahr nur in Großpackungen. Der Kräutertabak geht jetzt sehr gut zu rollen und, ich staune, das Produkt schmeckt. Ich will jetzt nicht behaupten, daß das gesund ist. Wohl in dem Wissen, daß unsere Großeltern, die das taten, alle fast hundert Jahre alt wurden. Bei dem aktuell sehr hohen Wandereraufkommen, ist natürlich der Platz zur Ernte der Kräuter sorgfältig auszuwählen. Wie wir wissen, gehen sowohl die Wanderer als auch deren Begleiter in Form von Haustieren, bisweilen ein Geschäft verrichten. Ich weiß jetzt nicht, ob das dem Wohlgeschmack der Kräuter dient. Bisher habe ich das noch nicht getestet. Für gewöhnlich wässere ich die Kräuter zu Hause etwa zehn Minuten, bevor ich sie trockne.



Ansonsten wünsche ich meinen Lesern einen angenehmen krisenbedingten Rauchgenuß der ganz neuen, armen Art.


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