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Fortsetzung Die Saisonpause

Mein Unterklagen dürften trotzdem schon eingetroffen sein. Ich weiß nur nicht, ob sie schon gelesen wurden.
Ihr Name sagt mir nichts. Ich muß nachschauen.“
Sie geht ins Büro hinter einer Glaswand. Ich sehe die Gesten bei der Unterhaltung. Meine Gesprächspartnerin kommt wieder.
„Können sie Südtiroler Küche?“
„Haben sie schon meine Bewerbungsunterlagen gelesen?“
„Nein.“
„Hier ist meine Telefonnummer. Wenn sie wirklich einen Koch suchen, können sie mich anrufen.“
Beim Gehen treffe ich den Koch dieses Hauses. Er scheint noch etwas zu benötigen für heute.
„Ich hab nur mal eine Frage. Hast du hier gekündigt?“
„Ja.“
Die Suche scheint als echt zu sein. Generell stehe ich aber als Ausländer ohne Sprachnachweis und anderen Formalitäten, für die ein Saisonkoch gar keine Zeit hat, die einzuholen, eher an letzter Stelle der Bewerbungsliste.
Seien wir ehrlich. Welcher gastronomische Betrieb kann mich zu Zeiten freistellen, an denen Sprachkurse statt finden und Ämter auf haben. Keiner. Und damit ist auch das Prinzip erklärt, nach dem landesweit gehandelt wird.
Wir reden also von einer verdeckten Unterdrückung. Jetzt bliebe ja eigentlich noch, Saisonpausen für Sprachkurse zu verwenden. Und schon werden wir mit dem nächsten Witz konfrontiert. In den Saisonpausen beginnt vielleicht ein Kurs. Aber enden tut der ganz sicher in der Saison. Eigentlich wollte ich diese Kurse mal als Fernkurs belegen. Das gibt es noch nicht. Vielleicht hilft uns mal eine höhere Gewalt, diesen Mißstand zu beseitigen. Auf alle Fälle bekomme ich auf diese Art bewiesen, mal will uns nicht.
Zu Hause überfliege ich noch einmal die Anzeige. Gesucht wird ein Koch der deutschen Sprachgruppe. Ich beginne, den Nachweis zu suchen. Den mußten wir mal im Rahmen einer Volkszählung einholen. Joana hat ihr System, unsere Unterlagen zu archivieren. Für Amtsgänge ist sie zuständig. Joana kann ihren Dienst, der eigentlich fünf Uhr morgens beginnt, zu den Amtszeiten beenden. Für uns ist das von Vorteil. Mein Sächsisch scheint auch Keiner auf den Ämtern zu verstehen. Besonders die Südtiroler Frauen tun sich da mehrheitlich schwer. Männer lachen eher über mein Sächsisch. Nun bin ich auch nicht der Schönste. Das würde mir vielleicht ein Türchen in einem weiblich besetzten Büro öffnen. Meine schöne Joana hat es da bedeutend leichter. In diesen Fällen komme ich mir fast wie ein Zuhälter vor. Ein Zuhälter Joanas, extra für Amtsgänge. Bisher hat es gereicht, Joana voll bekleidet auf die Ämter zu schicken. Wir wissen nicht, ob sich das ändert in Zukunft.
Einen Termin habe ich noch in Algund. Die freie Zeit erlaubt mir, den sofort noch wahr zu nehmen. Ich fahre durch eine Siedlung und suche den Betrieb. Ich könnte ja Jemand fragen. Kaum sehe ich einen Bewohner, fahre ich langsam in seine Richtung. Fehlanzeige. Der verschwindet als er mich kommen sieht. Beim nächsten Versuch, das gleiche Spiel. Jetzt muß ich mal anhalten und kontrollieren, ob etwas mit meinem Motorrad nicht stimmt. Nichts zu sehen. In dem Augenblick kommt mir eine ältere Frau entgegen. Die frage ich sofort, wo diese Gaststätte ist.
Sie stehen davor. Sie müssen nur den Weg hier rein gehen.“
Das Motorrad stelle ich ab. Jetzt fällt mir erst auf, die Fläche auf der ich gerade stehe, wird als Parkplatz benutzt. Ein Bushaltezeichen ist auch zu sehen.
Das Restaurant scheint ein Geheimtipp zu sein. Oder ein Rückzugsort für Einheimische. Nachdem ich den Weg entlang gehe, bemerke ich ein recht großes Gartenrestaurant. Gäste sitzen noch keine hier. Der Mittagstisch beginnt elf Uhr. Ein junger Kollege bemerkt mich.
Karl mein Name. Ihr sucht einen Koch. Wir haben telefoniert zusammen.“
Du hast mit unserem Chef gesprochen.“
Der Kollege zeigt in Richtung Tresen. Der Chef bemerkt mich und kommt mir entgegen. Neben der üblichen Begrüßung bekomme ich sofort ein Getränk angeboten. Ein gutes Zeichen in meinen Augen.
Du willst bei uns kochen?“
Ja gerne.“
Wo warst du zu letzt?“
Ich zähle die Betriebe der letzten zwei Jahre auf.
Naja. Dann kannst du ja unsere Küche. Morgen ist ein Kollege zur Probe bei uns. Ich melde mich.“
Das wäre eigentlich eine Absage für meine Situation. Ich suche ja immerhin dringend. Trotzdem halte ich mir das Angebot in Reserve. Zum Nachfragen. Wenn ich in der Gegend bin, kann ich noch bei einem Restaurant am Algunder Waalweg vorbei schauen. Wir hatten zusammen telefoniert. Meine Unterlagen habe ich bereits hin geschickt. Der Rückruf fehlt noch.

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