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Fortsetzung Die Saisonpause

Langsam fallen mir schon Stellenanzeigen im Eggen- und Brixental auf. Auch im oberen Vinschgau werden schon wieder Stellen vergeben. Am heutigen Morgen kann ich über vierzig Bewerbungen abschicken. Langsam aber sicher bildet sich eine Datenbank mit immer den gleichen Namen. Kann es sein, dass es diesen Wirten geht wie mir? Sie haben noch nicht den passenden Partner gefunden. Auf alle Fälle lerne ich auf diesem Weg, Südtirol bis in den letzten Winkel kennen. Auch die kleinen Unterschiede der jeweiligen Täler. Bin ich jetzt der bessere Südtiroler?
In manche Täler Südtirols fahre ich mit dem Motorrad länger als mit dem Auto nach Hof in Franken. Und das will schon was heißen. Ich bin mir sicher, viele meiner Gastgeber kennen die Täler ihres Landes gar nicht. Ihre Landsleute. Ihr Land. Ich bin mir auch sicher, die Südtiroler können mir mehr über Hurghada erzählen als über das obere Martelltal.
Im Vergleich, hatten DDR Bürger auf alle Fälle die Möglichkeit, ihr Land besser kennen zu lernen. Und selbst dafür reichte die Jahrzehnte lange Westblockade nicht. Die DDR ist auch etwas größer als Südtirol. Interessant finde ich aber die am meisten gefragtesten Urlaubsorte. Und das scheinen wir uns wirklich zu gleichen. Die DDR Bürger haben zu gern Urlaub am Meer oder an Seen gebucht. Warum, kann ich nur vermuten. Offensichtlich haben bei den Urlaubswünschen, die Frauen das Sagen.
Machen wir uns nichts vor. Urlaub am Meer ist eintönig, langweilig und sicher weniger gesund als in den Bergen. Von der Umwelt will ich gar nicht erst anfangen. Die Millionen Dosen und Flaschen mit Sonnenschutzmitteln, übersteigen das Vermögen der Natur, die zu beseitigen. Im Meer scheint das aber besser zu verschwinden als in den Bergen. Wenigstens aus dem ersten Blick der Touristen. Wenn sie wegschauen.
Am Morgen begebe ich mich nach Dorf Tirol. Den Weg dahin habe ich gleich mit gestoppt. Das Dorf kommt mir vor wie mein Wohnzimmer. Wir haben dort zwei Jahre gelebt. In der Zeit hat sich viel verändert. Ich finde keinen Parkplatz für mein Motorrad mehr. Überall Verbotsschilder.
Das Hotel ist im Ortszentrum. Der Etschblick. In der Fußgängerzone, die dort beginnt, stehen zwei Autos. Ich stelle mein Moto daneben. Das Hotel hat eine Terrasse, auf der ein paar Gäste sitzen. Den Kellner kenne ich noch. Ein ungarischer Kollege. Andreas. Ich winke. Andreas gibt kaum eine Reaktion von sich. Er nickt und lächelt etwas. Ein paar Jahre genügen, alte Schwüre von Treue, Gefolgschaft und Freundschaft, einschlafen zu lassen. Die Gruppen lösen sich auf. Kollektive bestehen eine Saison. Die Oberflächlichkeit gewinnt. Auch im Privatleben. Ganz schnell stellt sich heraus, Freunde sind eine andere Kategorie als Kollegen, Nachbarn oder Bekannte.
An einer winzigen Rezeption empfängt mich ein Mann meines Alters. Ich überlege, ob ich den von Früher her kenne. Nicht. Aber er erkennt mich.
„Karl?“
„Ja.“
„Wo wohnst du jetzt?“
„In Partschins.“
„Ich will ehrlich sein. Das ist nichts für dich.“
„Oh. Danke für den Hinweis.“
„Willst du einen Kaffee?“
„Gerne. Danke.“
Wir gehen gemeinsam in die Küche. Jetzt muss ich meinem Gegenüber, Recht geben.
„Wir schwimmen noch. Ich weiß nicht, ob uns das gelingt.“
„Ich kann euch eventuell mit ein paar Tipps versorgen.“
„Gerne. Wir machen das aber später.“
„Ciao. Wir hören uns.“
Der Termin war kurz. Jetzt kann ich mich auf die anderen Termine konzentrieren. Allein im Dorf Tirol stehen noch zwei Gespräche an. Danach darf ich durch das Passeiertal fahren. Der Urlaub wird langsam zum Genuß.
Auf der Liste steht jetzt im Ort noch das Hotel Schwalbe. Hoffentlich kann ich wenigstens da parken. Der Gemeindepolizist steht schon vor meinem Motorrad und will gerade einen Zettel ausfüllen. Ich setze den Helm ab. Er erkennt mich.
„Hallo Karl.“
„Entschuldige bitte. Ich war nur zur Vorstellung hier.“
„Dir gefällt es bei uns.“
„Ja sicher. Ich hab mich hier immer sehr wohl gefühlt.“
„Bis auf die Ausnahmen.“
Alois lacht bei der Bemerkung. Er meint einen kleinen Skandal mit einem Kollegen. Den hatte die Gemeindepolizei wegen Störung des Gemeinwesens mit einem Gaststättenverbot im gesamten Ortsgebiet belegt. Die örtliche Bevölkerung war sehr aufgeregt wegen dem. Meine Zeugenaussagen wurden damals benötigt. Zumal der auch in unserem Betrieb gewaltige Mengen Alkohol gestohlen hat.
Italienisches Maishuhn
vergleichen Sie das mit ihrem blassen, verhungertem Huhn aus dem Reich

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