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Fortsetzung Die Saisonpause

Meinen Brühansatz von gestern Abend muß ich jetzt abseihen. Ich habe ihn die Nacht durch auf kleiner Flamme ziehen lassen. Er schmeckt jetzt bereits vorzüglich. Eine Eierflockensuppe steht auf dem Plan. Marco wollte den Kaninchenbraten im Backofen herstellen. Ich habe ihm davon abgeraten. Nach einem kurzen Gespräch sieht er ein, meine Methode scheint die bessere zu sein. Wir pochieren das Kaninchen zuerst und dann wird es gegrillt. Die Beilage als auch die Vorspeisen bekommen wir in knapp einer Stunde fertig. Fertig heißt, in einen vor gekochten Zustand, der es uns ermöglicht, die Speisen aufzuwärmen. Marco beherrscht das System gut. Wir freuen uns zusammen. Beim Personalessen stellt sich Marco seinen Kollegen vor. Mir fällt auf, Werner scheint Marco schon zu kennen. Marco hat sich also beworben, als ich nicht im Haus war. Wahrscheinlich hat man den Termin genau so verabredet seitens der Besitzer. Ich rechne spätestens am Montag mit dem Ende meines Einsatzes.
Zur Zimmerstunde kommen wir heute relativ pünktlich. Kurz nach vierzehn Uhr verlassen wir zusammen den heiligen Tempel. Werner und Rudolf geben uns vor dem Haus Komplimente für das gute Essen. Mir scheint, sie sprechen eher Marco an als mich. Marco hat aber mit dem Geschmack des Essens wenig zu tun. Er bedankt sich trotzdem schön höflich und lacht mir dabei zu. Wahrscheinlich kommt sich Marco jetzt vor wie die Kellner in einem Betrieb. Die bekommen auch die Komplimente für gutes Essen, obwohl die oft gar nicht wissen, was sie heraus getragen haben. In einer Gesellschaft, in der die Dümmsten und Faulsten die Gesellschaft führen, ist das die Grundbedingung für Komplimente an die falsche Adresse. Betrüger vergessen ziemlich schnell, wem sie das Produkt oder die Erfindung gestohlen haben. Das müssen sie auch, bevor sie ihren Namen darunter setzen.
Nach dem Personalessen kommt Marianne in die Küche. Ihr erster Weg war der Suppentopf. Jetzt natürlich mit Ei. Sie probiert, probiert noch einmal und schüttelt den Kopf. Sie geht ins Lager und kommt mit einer Flasche Speisewürze zurück. Damit segnet sie jetzt meine Suppe. Sie beglückt die Suppe mit einer halben Literflasche dieser Edelwürze. Selbst das Eigelb in der Suppe verspürt umgehend den Wunsch, die schöne gelbe Farbe hinter einer braunen Tarnung zu verstecken.
„Nach dem Menü kommst Du bitte zu mir ins Büro“, haucht sie mir ins Gesicht. Ein leichter Weigeruch begleitet den heiligen Odem.
Das Menü läuft recht gut. Unsere wenigen Gäste, die nicht außer Haus essen, kommen fast geschlossen zum Menü. Desto eher kann ich meine Chefin im Büro besuchen. Vor ihr liegt ein Reisenumschlag.
„Dein Geld. Unterschreibe bitte die Abrechnung und diesen Extrazettel.“
Auf dem Extrazettel steht ein Betrag, der mich recht zu Frieden stellt. Ich unterschreibe.
„Wann braucht ihr mich morgen?“
„Gar nicht. Marco übernimmt jetzt die Küche.“
„Na denn. Gute Nacht.“
„Fahr vorsichtig.“
Der Schober steht schon offen. Ich treffe Keinen. Irgendwie freue ich mich für den kurzen Einsatz. Mehrere Jahre in dieser Umgebung? Das wäre mir nicht gut bekommen. Zum Glück hat es die Chefin selbst gespürt. Ich glaube, ich war nur zur Sicherheit dort. Wahrscheinlich hatte die Chefin kleine Bedenken bei Marco. Ich weiß es nicht. Trotzdem hat sie mir gesagt, die Saison geht bis November. Sie hat mich also beschissen. Ohne die Andeutung, wäre ich in einen anderen Betrieb gegangen. Jetzt gehe ich Betteln und hoffen, ein anderer Betrieb macht es genau so und verspekuliert sich.

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