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Leseprobe Der Saisonkoch-Erster Monat

Der Saisonkoch Erster Monat

Ich gehe zurück ins Zimmer und suche etwas Unterhaltung im Fernsehen. Nachmittags laufen billige, schlechte Serien. Wolfgang hat wenigstens Programme, die man nur in Österreich empfangen kann. Österreichisches Sportfernsehen zum Beispiel. Bevor unsereins einen Nervenzusammenbruch bekommt, weil er sich die Werbesendungen Eurosport oder anderen Kram antut, empfiehlt es sich schon, nachzuschauen, ob diese Programme angeboten werden. Praktisch gibt es kein Fernsehen für Arbeiter, die einem geteilten Dienst nachgehen. Man gewinnt zunehmend den Eindruck, wir werden genau von diesen großmäuligen Leuten, die von unserem Geld leben, wie Abschaum behandelt. Warum werden ausgerechnet die Leute mit Werbung bombardiert, welche sich die beworbenen Produkte eh nicht kaufen können. Mit Wirtschaft hat das sicher wenig zu tun. Dazu zählt leider auch das zwangsfinanzierte Einheitsfernsehen mit den europaweit, gleichen Nachrichten. Der Witz ist eigentlich ein anderer. Diese Leute bringen in diversen Dokumentarbeiträgen, Lügengeschichten über die DDR und andere sozialistische Staaten. Peinlicher geht es schon gar nicht mehr. Dieses Fernsehen fällt schon mal aus. Zum Glück gibt es Computer. Jetzt könnte man vielleicht ein kleines Spielchen machen oder, was noch besser ist, einen Film im Computer anschauen. Auf diversen Plattformen kann man sich Filme abladen, auf dem Computer speichern und bei Bedarf, anschauen. Werbefrei. Auf meinen Sticks liegen so um die fünfzig Filme. Ich stelle mir gerade vor, wir hätten die Filme noch auf Videokasetten. Das wäre ein Koffer voll und dazu, ein Abspielgerät. Ich spiele mir einen Film ab. Beim Anschauen der Filme schlafe ich regelmäßig ein. Aus dem Grund, stelle ich mir auch den Wecker. Das ist mehr als notwendig. Wer will schon zu einer Abendschicht verschlafen?

Freitags ist abends reger Anreiseverkehr. Die warme Küche wird in aller Regel einundzwanzig Uhr beendet. Die Technik am Laufen zu halten, ist einfach zu teuer. Eine Stunde Energie in einer vierzig Kilowattküche kostet rund dreißig Euro. Ohne die Lohnkosten der Köche und Abspüler. Dafür würde es schon rund dreihundert Euro Umsatz brauchen. Das ist bei der heutigen Kundschaft nahezu ausgeschlossen. Vergleichend kann man eventuell anführen, dass mich auf einem Amt oder in einem Geschäft, nach der Schließzeit, Keiner bedienen würde. Im Gegenteil. In Ämtern wird schon fünfzehn Minuten vor Dienstschluss, kein Kunde mehr bedient. Wie gesagt. Diese Leute leben von meinem, im Voraus bezahltem, Geld. Wir werden dazu genötigt, selbst unsere Freizeit so zu organisieren, dass wir auf unsere Freizeit verzichten sollen und Kunden zu bedienen hätten, die sich nach der Schließzeit einfinden. Lohn gibt es dafür nicht. Das ist eine Selbstverständlichkeit.

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