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Leseprobe Der Saisonkoch - Erster Monat

Der Saisonkoch Erster Monat

Die Chefin stand abgestützt an der Bratplatte. Zuerst zog sie die Hand zurück, weil sie sich am Rand der Platte, die Hand verbrannt hat. Soltan hat sie gehalten. Peinlich. Ich hab den Chef gefragt, wie ihm der Schopfbraten geschmeckt hat. Keine Antwort. Mit einem Mal wird er aufbrausend. Er hätte nicht zehntausend Euro bezahlt, um den Herd so zu versauen. Er meinte wahrscheinlich die Bratplatte, die jetzt, nachdem ich das Essen dort erwärmt habe, etwas aussieht. Langsam spüre ich innerlich, dass dieser besoffene Blödmann einen Grund sucht, um mich zu verabschieden. Die Küchentür springt auf und die besoffene Oma torkelt auch noch rein. 'Das kann was werden', denk ich mir. Nach der Oma kommt der Gast in die Küche, der für sich und seine Familie, Schopfbraten bestellt hatte. Er bedankt sich für das edle Essen und verabschiedet sich. Auch von der Cheffamilie. Der Chef bekommt das kaum mit. Der ist mit etwas Anderem beschäftigt. Die Chefin rülpst etwas, das wie ein Dankeschön klingt. Die Oma grüßt die Eltern unserer Gäste, die nicht mit da sind. Man redet im Du-Modus. Beiläufig erfahre ich, dass die Familie, die Tischler des Ortes sind und, vermutlich, unser Hotel eingerichtet haben. Die Gäste sind verschwunden und ich sage zum Chef, dass ich recht schnell putzen muss, weil wir in der Mittagsruhe noch Vorstellungstermine für den Sommer haben. “Da kannst Du gleich dort bleiben”, war die Antwort. Er hätte im ganzen Leben noch keinen solchen, versauten Herd gesehen. “Das putzt der doch noch”, sagt Soltan. Das hört Keiner. Es ist schon erstaunlich. Da lässt diese besoffene Kreatur, für sich und seine besoffene Familie, das Fressen kochen und kommt in die Küche, um dem Koch zu kündigen. Ich gehe schnell in den Pausenraum, ob die Zimmermädchen noch da sind oder ob sie die Bar schon wieder putzen. Sie sind bereits in der Bar. Es stinkt fürchterlich in dem Stall. Der Opa steht noch hinter der Bar und kippt sich gerade einen Kräuterschnaps rein. Der Hosenschlitz steht offen. Es hängt wieder ein etwas gelblicher Zipfel vom Unterhemd heraus. Das ist wahrscheinlich Dauermode. Ich frag mich, ob er das Unterhemd gewechselt hat. Mir kommen Zweifel. Zu Joana sage ich, dass wir in dem Betrieb fertig sind. Sie schaut mich an als hätte sie das geahnt.
Joana legt den Besen weg und geht aufs Zimmer. Ich folge ihr. Oben sagt sie zu mir, ich solle unseren Lohn holen für die zwei Tage. Daraufhin gehe ich nach Unten und suche das Büro auf. Die Chefin sitzt nicht drin. Ich gehe zur Küche – Keiner außer Soltan, der mich unter Tränen verabschiedet. “Wenn Du eine Arbeit für mich mit findest, rufst Du an.” Er gibt mir seine Telefonnummer. “Ich muss hier weg. Du bist schon der dritte Koch in zwei Wochen. Ich brauche etwas Sicheres.”
“Ich ruf Dich an, wenn ich etwas habe, Soltan.”
“Machs gut.”
Joana ist schon fertig mit Packen. Sie hatte wahrscheinlich schon vorgearbeitet. Wir gehen mit unseren Taschen nach Unten und suchen jetzt noch die Chefität wegen unseres Lohnes. Es ist Totenstille im Haus. Ich gehe in die Bar. Keiner, außer Opa. “Ich möchte meinen Lohn holen.” Opa greift in die Kassette, holt die paar Scheine raus, die drinnen liegen, öffnet sein Portemonnaie und zieht noch einen Fünfzigeuroschein heraus. “Reicht das?”Ich zähle nach und antworte: “Für zwei Tage, zwei Personen, ja.” Opa entschuldigt sich für seinen Sohn. Ich höre mir das nicht unbedingt an. Das nützt mir wenig. Nebenbei sage ich ihm, das der tote Vogel jetzt genug Luft bekommen hat. Er zieht sich darauf hin, blitzartig, den Hosenstall zu und bedankt sich. “Du bist ein guter Koch. Der Schopfbraten war besser als der von meinem Sohn!” Ich bedanke mich für das Kompliment und wir verlassen das Haus.

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