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Auszug aus "Der Saisonkoch-Erster Monat"

Jetzt kommen gerade wieder vier unserer Hausgäste, auf die wir bereits warten. Sie benötigen kein Essen. Sie haben schon unterwegs gegessen. Der Sohn hat noch eine rot gelbe Tüte in der Hand. Entsorgen dürfen wir die. Zum Glück, müssen wir nicht zu unserem Abfallbehälter gehen, um dem Kind ein Essen zu bereiten. Er ist bereits satt davon. Auf meine Frage, ob ich ihm, ein mit kaltem Braten belegtes Brot von unserem Bäcker machen soll, fragt er zurück, was das sei. Den Eltern bot ich ein Sauer Rindfleisch vom Pitztaler Rind an. Das Rindfleisch ist von unserem Nachbarn. Kaum habe ich die Gäste angesprochen, sagte der zu unserem besoffenen Chef, der Koch sei ein Ostdeutscher. Der Chef konnte darauf schon gar nicht mehr reagieren.
„Wollen sie dennoch Etwas zu essen?“, fragte ich diesen Gast. „Kannst Du rheinischen Rostbraten?“.
„Ne. Wie geht der?“
„Du musst das Fleisch in Scheiben abschneiden und braten. Dann gibst Du Sauce und frittierte Zwiebel, extra, drauf.“
„ Wir sind aber hier in Tirol.“
„Tiroler Rostbraten eß ich nicht.“
„Sie haben aber keinen Koch mit“, sage ich lächelnd zu dem Mann.
‚Der fährt nach Österreich, um Rheinischen Rostbraten zu fressen‘, denk ich mir.
„Vielleicht nehmen Sie Schnitzel?“
„Rot-Weiß.“
„Was ist das?"
„Mit Ketchup-Mayo."
„Kein Wiener Schnitzel?“
„Ne!“
„Also, Mailänder Schnitzel?“
„Schnitzel. Rot-Weiß.“
„Bratkartoffel oder
Pommes?“
„Bommes.“
„Mit Salat?“
„Ne.Pfui!“
„Ein, zwei, drei oder vier Schnitzel?“
„Für misch, eins.“
‚Sind die so blöd oder können die nicht zusammen bestellen‘, denk ich mir.
Seine Frau grölt mit so einer heißeren, dunklen Stimme, dass sie nichts essen will.
Die Kinder wollen
Pommes Rot-Weiß.
‚Frisst dieses Volk nur Stallfutter?‘, frag ich mich gedanklich.
Offensichtlich. Es kamen keine anderen Bestellungen. Die kennen keine Lebensmittel. Der Chef hat sich leise verdrückt. Eigentlich wollte ich ihn fragen, ob er das Schnitzel
vom Kalb oder Schwein macht. Soltan hat schon die Schweinsoberschale in der Hand. Er zieht gerade die Decke ab und gibt mir die geputzte Oberschale. Kaiserteil, heißt das in Österreich. Ich schneide ein Schnitzel ab, klopfe und paniere es. Die Fritteuse ist inzwischen heiß und ich backe das Schnitzel und die Pommes, in der Fritteuse. Soltan schneidet inzwischen die Zitrone, gibt in kleine Schalen jeweils Mayonnaise und Ketchup. Das Schnitzel samt Pommes ist fertig und wir stehen schon wieder und warten. Die Bonmaschine kratzt einen seltsamen Ton und wir bekommen wieder eine „umfangreiche Bestellung“. Ein Spiegelei mit Speck und Bratkartoffeln. Nachdem ich die Bratplatten von den zweihundert vierzig Grad auf rund einhundert sechzig abgesenkt habe, erlaube ich mir, die Bratkartoffeln und das Spiegelei, direkt auf der Platte zu braten. Eine Augenweide. Zum Würzen der Bratkartoffeln nutze ich gleich die Gewürzmischung für Krustenbraten, die beim Chef auf dem Gewürzregal stand. Das Spiegelei ist fertig und wir stehen wieder. Langsam können wir uns schon an die Reinigung der Küche machen. Es ist weit nach zweiundzwanzig Uhr.

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