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Feier

Eulenspiegel der Schlagzeilen
Allgemein feiert der Mensch den Zugewinn an Qualität. Ob das jetzt Geburtstage oder Jubiläen sind, lassen wir mal Außen vor. DDRBürger konnten feiern, weil sie ihre Pläne und Ziele erreicht haben und international, zunehmend an Anerkennung gewannen. Die DDRBürger waren schuldenfrei und recht beliebte Handelspartner weltweit. Einfach, weil wir bezahlt haben, was wir verbrauchten.
Im Fall der DDRBürger gibt es damit keinen Grund, den Tag des Reichsfaschisten zu feiern. Im Gegenteil.
Am Tag der Republik, den 07.10.2022 erwarte ich deshalb, viele DDRBürger bei der üblichen Feierstunde auf der Straße zu sehen.
Nachdem uns die Faschistenbesatzer in einen schmutzigen Krieg und damit in die weltweite Verachtung geführt haben, kann ich meine Freunde nur aufrufen, diesem Faschistenregime größt möglichen Schaden zu zufügen.
Sabotieren Sie deren Völkermord, Kinderfickerei, Menschenhandel, Raub, Schutzgeldpressung, Granatendreherei und Kriegstreiberei wo Sie können. Zahlen Sie keine Goebbelssteuer für deren Propagandanutten. Reden Sie mit ihren Kindern, die in Söldnereinheiten zwangsrekrudiert werden. Es gibt Wege, diese gewissenlosen Verbrecher gegen die Menschheit ein für alle Mal zu beseitigen! Die Besatzer haben Ihnen, liebe DDRBürger, den Krieg erklärt. Oder wollen Sie noch einmal deren Reparationen bezahlen und sich generationsübergreifend vor der Welt schämen?
 
 

Fortsetzung Der Saisonkoch - Sommersaison

Der Saisonkoch - Frühjahr
„Können wir wenigstens noch das Abendessen von Heute servieren?“
„Ja. Sicher.“
Claudia scheint nicht zu kommen. Sie hat das doch nicht etwa im Volksmund erfahren. Der ist bekanntlich schneller als die Gerichtsvollzieher.
„Wir wollten das Hotel restaurieren.“
„Was? Zusätzlich zu der Miete? Das ist doch die Aufgabe des Besitzers.“
„Die wollten das nicht. Wir haben mehrmals hin geschrieben.“
„Also. Die haben euch eine Ruine für das Geld pro Monat vermietet und wollten es nicht restaurieren. Und das, nach dem Beweis von euch, dass dieses Haus gut besucht wird und ihr fähig seid, ein solches Objekt zu führen.“
„So in etwa, kann man das beschreiben.“
„Was habt ihr jetzt vor?“
„Wir bewerben uns um ein neues Objekt. Es gibt reichlich Angebote. Bleib bei uns.“
Und jetzt habe ich den größten Fehler meines Lebens gemacht. Ich habe abgelehnt. Aus Angst und Unkenntnis. Wir haben einfach keinen Ansprechpartner gefunden, der uns sagt, wie man sich hier am besten in dieser Situation verhält. Jedes Land hat andere Gesetze. Joana und ich sind in der Beziehung ziemlich hilflos. Frei nach dem Sprichwort: Hilf dir selbst, sonst hilft dir Keiner, habe ich mich umgehend bei einer neuen Arbeitsstelle beworben. Ich rufe sofort die Betriebe an, die vor drei Tagen noch gesucht haben. Und siehe, es hat sofort funktioniert. Ich sage das Leo und Agnes. Beide freuen sich mit mir. Die geben mir ein paar Hinweise mit auf den Weg. Auch in Beziehung zu Betrieben, bei denen ich mich beworben habe. Leo hat nicht gespart. Beide geben mir ein gutes Handgeld.
„Das ist dein Trinkgeld von unseren Gästen. Wir haben es aufbewahrt“, sagt Agnes.
„Du kannst auch bei den Eltern von Agnes etwas in der Landwirtschaft helfen“, bietet mir Leo an.
Ich muss gestehen, Landwirtschaft habe ich gelernt. Bauer und Gärtner habe ich in der DDR gelernt. In einer Baumschule. Wir haben genau das angebaut, was hier in Südtirol auch angebaut wird. Erdbeeren. Neben den Erdbeeren haben wir natürlich auch Gemüse, verschiedene Bäume und Sträucher angebaut. Warum ich ausgerechnet das abgelehnt habe, bleibt mir ein Rätsel. Ich glaube, ich habe wegen unseres Darlehens abgelehnt. Die Furcht, nicht genug Rücklagen für die Zeit außerhalb der Saison zu haben, lässt mich zweifeln. Dazu kommt, ich traue meinen neuen Gastgebern nicht. Wir sind einfach zu oft belogen worden.
Gleich in der Nähe sucht ein Gasthof einen Koch. Die möchten mit mir zusammen arbeiten. So klingt es am Telefon. Die Stimme am Telefon ist weiblich.
Hier ist es fast wie bei uns Beiden. Joana ist die Einzige in unserer Familie, die von meinen Ansprechpartnern verstanden wird. Ehrlich gesagt, verstehe ich auch kaum meine männlichen Ansprechpartner hier in Südtirol. Offensichtlich hängt unser Geschlecht mehr an der volkstümlichen Aussprache. Frauen hingegen, neigen etwas zum Hochdeutsch. Sie können sich besser anpassen. Die große Politik scheint das zu wissen. Unter Anpassen meinen die, Menschen zu benutzen, die sich einem Diktat leichter zu beugen scheinen. Das scheint auch bei den femininen Männern zu funktionieren.
Wir verabreden uns sofort. Leo freut sich für mich und ruft gleich dort an. Man begrüßt sich freundlich, wie scheint.
Sie erwarten dich. Ich habe ihnen gesagt, was du kannst.“
Was ich kann, ist bei uns hier nicht so wichtig. Wir kaufen alles fertig und schrieben hausgemacht in die Karten.“
Leo muss lachen.
Das Motorrad wird nicht warm bis zu meinem neuen Arbeitsplatz. Es ist ein Gasthof. Feldzauber steht am Eingang. Wenn das kein Zauber ist.
Drinnen werde ich natürlich erwartet. Vom Chefkoch persönlich.
Ich bin krank und möchte mit dem Beruf aufhören“, sagt Konrad zu mir.
Wenn ich ihn mir genau anschaue, hat er Recht. Er sieht wirklich leidend aus. Ein paar junge Kollegen huschen durch die Küche. Südtiroler sind keine dabei. Die Küche ist relativ sauber. Wie scheint, ist der Betrieb gut besucht. An Technik sehe ich eigentlich alles, was sich ein Koch wünschen würde.
Die Küche hast du eingerichtet?“, sag ich zu Konrad.
Frag mich nicht.“
Eine typisch Südtiroler Antwort, die einen zwingt, sich den Rest selbst zusammen zu reimen. Die eigenen Erlebnisse werden wir dann unseren Nachfolgern auch nicht preisgeben. Das ist gelebte Nichteinmischung. Neutralität.
Eigentlich muss er mir nichts sagen. In seinem Gesicht sehe ich fast seine gesamte Laufbahn in diesem Betrieb. Und die kann wirklich nicht lange gedauert haben. Der Kollege wirkt erlöst.
Trotzdem muss ich sagen, was den Einen erlöst, muss nicht das Grab des Anderen sein. Die Organisation der anliegenden Arbeit ist das Geheimnis des Küchenglücks. Damit ist auch gesagt, wie die technische Ausrüstung zu sein hat. Die technische Ausrüstung der Küche muss so beschaffen sein, dass die anliegende Arbeit von einem Koch problemlos, an einem Posten, erledigt werden kann. Wer also Küchen schon für zwei Köche in zwei Posten einrichtet, plant schon mal die falschen Küchen. In diesem Fall dürfen wir eher davon ausgehen, im Verkauf von Technik die Arbeit des Einrichters zu suchen.
Kein Koch hat je gesagt, er könnte seine Aufgabe nicht in der Reihe von zwei oder mehreren Kollegen erledigen. Das nennt sich Küchen- oder Anrichtestraße. Ähnlich einem Fließband. Ein gut organisierter Koch kann schon locker mehrere hundert Essen zubereiten, anrichten und ausgeben. Auch a la carte. Er muss eben nur analysieren, welche Speisen, Handlungen und Produkte die meiste Zeit erfordern. Und dort muss dann angesetzt werden. Es gibt für Alles, technische Möglichkeiten. Und wenn nicht, wird eben improvisiert.
 

Was wir uns alle für die großmäuligen Faschistennutten im Reichstag wünschen…

Eulenspiegel der Schlagzeilen
…wird gerade in der „sowjetischen“ Duma umgesetzt:
????
Eine ganze Reihe von Abgeordneten der russischen Staatsduma haben sich freiwillig zum Militäreinsatz in der Ukraine gemeldet. Sie stoßen nun aber auf unerwartete bürokratische Schwierigkeiten, denn sie fehlen bei Sitzungen der Staatsduma. Fehlen bei Sitzungen zieht disziplinare Konsequenzen nach sich. Nun müssen schnellstens die geltenden Gesetze ergänzt werden. Gegenwärtig sieht die russische Gesetzgebung sogar vor, dass Abgeordnete der Volksvertretung nicht mobilisiert werden dürfen. Eine weitere Frage steht unbeantwortet im Raum, wer in der Zeit der Abwesenheit der Abgeordneten, deren Verantwortlichkeiten bei Beschlussfassungen wahrnimmt. Wenn (hypothetisch) 51 Prozent der Abgeordneten sich an die Front melden, ist das höchste Volksvertretungsorgan in Russland nicht mehr beschlussfähig. Und es steht die Frage, ob es, im Interesse des Landes überhaupt empfehlenswert ist, dass sich die Abgeordneten an die Front melden.
Wir würden doch wohl lieber das Reichsfaschistengesindel neben ihren warmen Brüdern in Ukrainischen Schützengräben sehen. Dort haben sie auch die Möglichkeit, ihren abartigen sexuellen Vorstellungen zu frönen. Bei recht günstigem Wetter, würde die DDR von diesem Abschaum befreit:-))

 

Der Jürgen bereitet meine Gastgeber auf den angeblichen Feiertag vor,...

... der uns in Südtirol bisweilen ein paar mehr Westtouristen bringt. Mit dem Feiertag möchte das faschistische Besatzerregime den einzigen, völkerrechtlich anerkannten deutschen Staat - die DDR, verleumden. Das hat seinen Grund. Unser Gründungstag der Republik ist am 7.Oktober. Dieser Tag soll, wie alle Errungenschaften und Denkmäler der DDR, aus den Geschichtsbüchern und dem Alltagsleben verschwinden. Mit jedem Jahr und mit jedem Verbrechen dieser Faschisten, werden die Lügen dreister und unverschämter.

Jürgen Heidig - Vakanzblog

»Beutezug Ost«* – auch im 32. Jahr nichts Neues!

Ich gebe zu, meine jährliche Betrachtung zum 3. Oktober, dem Feiertag mit der irreführenden Bezeichnung als sogenannter »Tag der Deutschen Einheit«, löst keinen Freudentaumel aus. Jedes der vergangenen 32 Jahre war für die meisten ostdeutschen Menschen ein Schlag in die Magengegend. Positives Neues gibt es auch 2022 nicht zu berichten.

Es folgen die Tatsachen:

 

Als am 18. Mai 1990 der »Vertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion« der DDR mit der BRD zur Unterzeichnung kam, blieb das Staatsvolk der DDR über seinen Willen zum Anschluss der DDR an die BRD, einem Schritt mit vorhersehbar gravierenden Auswirkungen für die DDR-Bürger ungefragt. Ein Volksentscheid durch die DDR-Bürger über diesen gravierenden Einschnitt in ihr Leben fand nicht statt. Wie wir heute wissen, aus »gutem« Grund.

So entschied die neu gewählte, CDU-gewendete Volkskammer der DDR selbstherrlich über die Köpfe der DDR-Bürger hinweg. Am 21. Juni 1990 trat dieser Vertrag mit Wirkung 1. Juli 1990 in Kraft. Damit und mit der dann folgenden einfachen »Eingemeindung«, der Angliederung der Deutschen Demokratischen Republik an die BRD begann für die Mehrheit der DDR-Bürger ein bis heute wirkendes gravierendes soziales Drama. Deshalb erscheint es auch nach 32 Jahren äußerst peinlich und gar lächerlich, wenn Vertreter der herrschenden bürgerlichen Klasse der BRD die von ihnen 1990 inszenierten Ereignisse stets als »Revolution« bezeichnen.

Die mit der Angliederung der DDR vollzogene Vernichtung der ökonomischen Grundlagen des Sozialismus, die entschädigungslose Enteignung des DDR-Volkes von seinem Volkseigentum, die Abschaffung der bis dahin herrschenden stabilen sozialen Sicherheit für die DDR-Bürger und die Beseitigung ihrer Volksmacht waren Akte der Konterrevolution, friedlich, aber mit verheerenden Langzeitfolgen für die Bürger der DDR.

Den verantwortlichen politischen Akteuren, vor allem der Kohl-Regierung der BRD, waren 1990 die Konsequenzen mit all den heute bekannten Resultaten ihres Handelns sehr wohl bewusst. Deshalb galt der manipulativ-ideologischen und mentalen Vorbereitung der an einhundert Prozent soziale Sicherheit gewöhnten DDR-Bürger auf ihre Rückkehr in den Schoß der kapitalistischen Ausbeutung des Menschen durch den Menschen größte Aufmerksamkeit.

Allen Ernstes wurde dafür das einlullende Märchen von einer »langsam, aber stetig« zurückgehenden Arbeitslosigkeit verbreitet.

Gleichzeitig mussten die Bürger der DDR auf die direkte Enteignung von ihrem Volkseigentum vorbereitet werden. 

Die Beseitigung des Volkseigentums und damit der sozialen Standards, das Absägen des sozialen Astes, auf dem die DDR-Bürger saßen, musste durch besagte »kluge« Manipulation, ideologische Indoktrination, Desinformation und Propaganda übertüncht werden. Die neuen, politisch Herrschenden hatten natürlich erkannt, dass die vom DDR-Volk 1989 monierten Probleme in ihrem sozialistischen Staat DDR das kapitalistische System der BRD keinesfalls automatisch zu einer erstrebenswerten und schon gar nicht zu einer »revolutionären« sozialen Errungenschaft machten. Mit anderen Worten: Wer eine Banane essen möchte, kauft sich keinen Bananenbaum.

Ziel der strategischen Vorbereitung der DDR-Bürger auf ihren Wandel zu Bürgern der BRD war deren »Ruhigstellung«, ihre soziale »Einschläferung«. Jeglicher von der DDR-Bürgerbewegung »Neues Forum« und den Unterzeichnern des Aufrufs »Für unser Land« bekundete Willen, den Sozialismus in der DDR zu erhalten und optimieren zu wollen, musste aus den Köpfen der Bürger suspendiert werden. Die Stunde der sozialen Sicherheitslüge war gekommen.

Der CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl verkündete in seiner Fernsehansprache vom 1. Juli 1990, anlässlich des Inkrafttretens des »Vertrages über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion« der DDR mit der BRD sein manipulatives Versprechen, Zitat:

»Aber niemandem werden dabei unbillige Härten zugemutet. Den Deutschen in der DDR kann ich sagen […]: Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor – dafür vielen besser. Nur die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion bietet die Chance und die Gewähr dafür, dass sich die Lebensbedingungen rasch und durchgreifend bessern.« [1]

Diese Worte Kohls in Kombination mit der für den Kapitalismus lachhaften Verkündung eine»langsam, aber stetig« zurückgehenden Arbeitslosigkeit sowie der scheinheiligen Prognose »Die DDR-Wirtschaft steht vor einem großen Aufschwung« klingen heute in den Ohren der betrogenen Ostdeutschen wie makabre Realsatire.

Der Ostbeauftragte der aktuellen Scholz-Bundesregierung, Carsten Schneider, veröffentlichte am 28. September 2022 seinen Bericht zur deutschen Einheit. Titel des Pamphlets, »Ostdeutschland. Ein neuer Blick«.

Herr Schneider stellt darin fest, Zitat:

»Die Befragten in Ost wie West sind mehrheitlich der Meinung, dass es den Parteien nur um die Stimmen der Wähler geht, ohne dass sie sich für deren Ansichten interessierten. Ebenfalls skeptisch bewerten viele Bürgerinnen und Bürger die Meinungsfreiheit in Deutschland: Nur noch 43 % (2020: 50 %) der Ost- und 58 % (2020: 63 %) der Westdeutschen vertreten den Standpunkt, dass man in Deutschland seine Meinung immer frei äußern kann, ohne Ärger zu bekommen[…] Nur noch 42 % aller Befragten sind mit der politischen Situation in Deutschland alles in allem zufrieden, 2020 waren es noch 52 %. Der Rückgang ist in allen Teilen Deutschlands deutlich: Im Osten ist ein Rückgang von 40 % im Jahr 2020 auf aktuell nur noch 31 % festzustellen, im Westen waren es 2020 noch 54 %, heute sind es lediglich 44 %. […] 63 % (2020: 66 %) der Ost-, aber nur 33 % (2020: 37 %) der Westdeutschen sind der Meinung, dass Ostdeutsche häufig als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Damit geht diese Wahrnehmung insgesamt von 42 % auf 38 % zurück. Mit der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland ist nur eine Minderheit von 23 % (2020: 32 %) im Osten und 33 % (2020: 42 %) im Westen (eher) zufrieden.« [2]

Warum ist nur eine Minderheit von 23 % der Ostdeutschen mit der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland zufrieden? Blicken wir ein Jahr zurück. Am 7. Juli 2021 legte das Bundeswirtschaftsministerium in Person des damaligen parlamentarischen Staatssekretärs und »Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Länder«, Marco Wanderwitz (CDU), seinen Jahresbericht für 2021 vor. Herr Wanderwitz, verkündete zeitgleich mit dem Erscheinen dieses Wälzers der Deutschen Presse-Agentur:

»Auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer hat noch kein Flächenland der neuen Bundesländer das Niveau des westdeutschen Landes mit der niedrigsten Wirtschaftskraft erreicht«.

Von der Anwendung wissenschaftlicher Prinzipien bei der Erarbeitung dieses Machwerkes konnte nicht ausgegangen werden, denn die zugrunde gelegten Ausgangsbewertungen basieren auf der seit Jahrzehnten betriebenen intensiven und staatlich organisierten Geschichtsklitterung und waren damit falsch. So musste die Formulierung im »Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit« 2021,

»Angesichts des geradezu dramatisch zu nennenden Niedergangs der Industrie der ehemaligen DDR in den Jahren 1989 bis 1995 ist diese Entwicklung sehr beachtlich«,

nicht nur als verlogen und verhöhnend, sondern vor allem als beleidigende Schmähung der 1990 von der BRD einverleibten DDR und ihrer Bürger bewertet werden. Dieses Machwerk stellte sich als direkter Affront gegenüber der Lebensleistung der DDR-Bürger und des sozialistischen Staates DDR dar.

Warum?

Weil die DDR 1990 mit ihrer Angliederung an die BRD aufhörte zu bestehen und aus eben diesem Grunde die Industrie in der eingemeindeten DDR bis 1995 nicht einfach niedergegangen ist, sondern von den neuen politischen Machthabern und Handlangern des herrschenden Kapitals unter der Federführung der Kohl-Regierung systematisch und brachial unter der Parole »Aufbau Ost« vernichtet wurde. Die 1990 begonnene aktive Deindustrialisierung der DDR war das alleinige Werk der einzig vom Kapital gesteuerten Bundesrepublik Deutschland.

In jenem Jahr begann nicht der populistisch verkündete »Aufbau Ost«, sondern der BRD-»Beutezug Ost«, der den Exitus der DDR-Industrie und Landwirtschaft einleitete und vollzog. Die vom kapitalistischen deutschen Staat 1990 organisierte Liquidierung und entschädigungslose Enteignung des DDR-Volkes von seinen volkseigenen Betrieben brachte für die ostdeutschen Arbeiter und Angestellte umgehend bittere, bisher unbekannte neue Erfahrungen zutage – Arbeitslosigkeit und soziales Elend.

Die Bilanz des »Beutezugs Ost«:

»Zwischen 1990 und 1995 verloren schätzungsweise 80 Prozent der Erwerbstätigen in Ostdeutschland ihren Arbeitsplatz. […] Wichtigste Ursache dafür ist die Vernichtung der Wirtschaftskraft der DDR (besonders die Zerschlagung von 140 der 145 DDR-Großbetriebe mit über 5.000 Beschäftigten). […] Die Folge der Verschleuderung der 12.354 volkseigenen Betriebe, der 465 Staatsgüter und der 3,3 Millionen Wohnungen (plus Verkehrsbetriebe, Versicherungseigentum und Handelsorganisationen) durch die Treuhand ist eine anhaltende Beherrschung der ostdeutschen Wirtschaft durch westdeutsche Eigentümer. Ein riesiges Volksvermögen von etwa 600 Milliarden DM zerrann »im Zeitraffer zu nichts« (Die Woche, 6.6.1997). Westdeutsche Kapitaleigner übernahmen etwa 80 Prozent der ostdeutschen Wirtschaft. Heute werden fast alle Zeitungen und etwa 25 Prozent der Unternehmen von Westdeutschen geführt. 60 Prozent der Immobilien sind in westdeutscher Hand. Etwa zwei Drittel der leitenden Angestellten in den 100 größten ostdeutschen Unternehmen sind Westdeutsche. […] Einer der großen Skandale der Vereinigung ist der sogenannte Elitentransfer, d.?h. die dauerhafte Besetzung der Führungspositionen im Staat mit Westdeutschen. In Gesamtdeutschland sind lediglich 1,7 Prozent der Führungskräfte Ostdeutsche. Bis 1992 besetzten entsprechend den Festlegungen über ›Verwaltungshilfe‹ in Artikel 15, Abs. 2 des Einigungsvertrages 35.000 Beamte und Politiker die staatlichen und politischen Schlüsselpositionen in den ostdeutschen Ländern. Sie brachten zugleich ihre ›Netzwerke‹ mit. Die Verstetigung des dominierenden Einflusses der Westdeutschen wurde zum Normalzustand. Der Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung in den sogenannten neuen Bundesländern liegt heute bei 87 Prozent; der Anteil z.?B. der ostdeutschen Richter bei 13,3 Prozent, der Anteil ostdeutscher Manager bei 33 Prozent. Etwa 90 Prozent der neu berufenen Professoren an ostdeutschen Universitäten kommen aus Westdeutschland. Von den 35 zwischen 1990 und 2004 tätigen Staatssekretären im Freistaat Sachsen kamen 85,3 Prozent aus Westdeutschland. […] Der Einigungsvertrag vom 31. August 1990 war kein Vertrag gleichberechtigter Partner, sondern ein Eingliederungsvertrag, ein Diktat der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der DDR. Er war ein ›Fahrplan‹ für die ökonomische und politische Konterrevolution.« [3]

Ein daraus folgendes Ergebnis:

Junger Westen, alter Osten.23064

Und wie stellt sich die soziale Situation für die Arbeiter und Angestellten in Ostdeutschland heute, 32 Jahre später, dar?

1. Die Arbeitslosigkeit:

Selbst die offiziell staatlich verkündeten Arbeitslosenzahlen sind in Deutschland geschönt.

Beispiel Mai 2022.

Offiziell bekannt gegeben wurden 2.260.000 Arbeitslose.

»Tatsächliche Arbeitslosigkeit […], 2.962.747. 

Nicht gezählte Arbeitslose verbergen sich u. a. hinter:

-Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II – 161.545

-Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten) – 53.870

-Fremdförderung – 125.102

-Berufliche Weiterbildung – 119.129

-Aktivierung und berufliche Eingliederung – 174.451 (z. B. Vermittlung durch Dritte)

-Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose) – 1.125

-Kranke Arbeitslose (§ 146 SGB III) – 67.877

Nicht gezählte Arbeitslose gesamt – 703.099

Tatsächliche Arbeitslosigkeit im Mai 2022 – 2.962.747.« [4]

Und Ostdeutschland nimmt stetig die »Vorreiterrolle« bei diesen aufgehübschten Arbeitslosenzahlen ein.

Arbeitslose Ost und West 2022

Zur Verklärung des kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisses werden die Arbeiter und Angestellten in Deutschland fälschlicherweise als »Arbeitnehmer« bezeichnet.

Richtig ist, die kapitalistische Produktion bedarf des »doppelt freien« Lohnarbeiters, des Proletariers. Dieser ist:

a) juristisch freier Eigentümer seiner Person und seines Arbeitsvermögens als Voraussetzung dafür, dass er seine Arbeitskraft auf dem Markt als Ware verkaufen kann;

b) frei von Eigentum an Produktionsmitteln und damit zum Verkauf seiner Arbeitskraft gezwungen.

Veränderungen in der Lohnhöhe und im Konsumniveau der Lohnarbeiter ändern nichts an ihrer sozialen Stellung als Ausgebeutete. Die »doppelt freien« Lohnarbeiter entstanden durch die ursprüngliche Akkumulation des Kapitals. Zur Vertuschung dieses kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisses stilisieren bürgerliche Ideologen, allen voran die opportunistische SPD, die Arbeiter und Angestellten kurzerhand zu »Arbeitnehmern« und den kapitalistischen Unternehmer zum treu sorgenden »Arbeitgeber«.

Bereits 1847, zwanzig Jahre vor dem Erscheinen von »Das Kapital«, formulierte Friedrich Engels in seinem Werk »Grundsätze des Kommunismus«, Zitat:

»Die Arbeit ist eine Ware wie jede andere, und ihr Preis wird daher genau nach denselben Gesetzen bestimmt werden wie der jeder anderen Ware.« [5]

Genau deshalb ist der kapitalistische Unternehmer als Käufer der Ware Arbeitskraft der Arbeitnehmer und der Proletarier als Verkäufer seiner Arbeitskraft an den kapitalistischen Unternehmer der Arbeitgeber. Nicht umgedreht!

Karl Marx nannte das Heer der Arbeitslosen die »Industrielle Reservearmee« des herrschenden Kapitals. Zitat:

»Im selben Verhältnis daher, wie sich die kapitalistische Produktion entwickelt, entwickelt sich die Möglichkeit einer relativ überzähligen Arbeiterbevölkerung, nicht weil die Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit abnimmt, sondern weil sie zunimmt, also nicht aus einem absoluten Mißverhältnis zwischen Arbeit und Existenzmitteln oder Mitteln zur Produktion dieser Existenzmittel, sondern aus einem Mißverhältnis, entspringend aus der kapitalistischen Exploitation (Ausbeutung) der Arbeit, dem Mißverhältnis zwischen dem steigenden Wachstum des Kapitals und seinem relativ abnehmenden Bedürfnis nach wachsender Bevölkerung.« [6]

2. Der Arbeitslohn:

2o22: Die Arbeiter und Angestellten

»im Osten verdienen bei gleicher Qualifikation 14 Prozent weniger als im Westen« [7]

Pressemitteilung Boeckler Stiftung pm_wsi_2022_09_29-005 a

3. Die Rente:

Kaum ein DDR-Bürger nahm 1990 zur Kenntnis, wenn ihm denn auch eine demokratische Kenntnisnahme möglich gewesen wäre, dass ihm im Widerspruch zu Kohls Aussage äußerst »unbillige Härten« zugemutet wurden. In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden, entgegen seiner heuchlerischen Bekundungen, besonders die DDR-Rentner dramatisch »schlechter« gestellt »als zuvor« und auch schlechter als die westdeutschen Bürger. Für alle DDR-Bürger, die am 18. Mai 1990 ihren Wohnsitz in der DDR hatten und noch heute im angegliederten Teil Deutschlands wohnen, gilt deshalb: Die Rentenwerte Ost liegen seit 32 Jahren unter den Rentenwerten West.

Anfang 1991, im ersten Jahr nach der Angliederung der DDR an die BRD, bekam der Rentner West 39,58 DM für einen erarbeiteten Entgeltpunkt (EP), der Rentner Ost hingegen nur 18,35 DM. Die Bezüge für den ostdeutschen Rentner erreichten dadurch im »Deutschland einig Vaterland« in jenem Jahr noch nicht einmal fünfzig Prozent der Westrente.

Wie einige Beispiele zeigen, setzte sich auch in den Folgejahren dieses Unrecht fort. Pro Renten-Entgeltpunkt (EP) bekam der Rentner:

  • Im Jahre 2000 West: 48,58 DM pro (EP), Ost: 42,26 DM pro (EP). Differenzbetrag pro Entgeltpunkt: 6,32 DM.
  • Im Jahre 2009 West: 27,20 EURO pro (EP), Ost: 24,13 EURO pro (EP). Differenzbetrag pro Entgeltpunkt: 3,07 EURO.
  • Im Jahre 2015 West: 29,21 EURO pro (EP), Ost: 27,05 EURO pro (EP). Differenzbetrag pro Entgeltpunkt: 2,16 EURO.
  • Im Jahre 2020 West: 34,19 EURO pro (EP), Ost: 33,23 EURO pro (EP). Differenzbetrag pro Entgeltpunkt: 0,96 EURO.
  • Seit 1. Juli 2022 beträgt der Rentenwert West: 36,02 Euro, Ost: 35,52 Euro. Differenzbetrag pro Entgeltpunkt: 0,50 EURO.

Der Rentenwert Ost stieg damit 2022 nach zweiunddreißig Jahren der sogenannten »Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion« und Angliederung der DDR, auf ganze 98,6 Prozent des aktuellen Rentenwerts West. 

Auch die manipulative Ankündigung von 1990:

»Die freiwillige Zusatzrentenversicherung wird geschlossen. […] doch gehen die Ansprüche aus dieser freiwilligen Versicherung keineswegs verloren«,

blieb reine Propaganda.

Bis zum heutigen Tag fehlt die versprochene Anerkennung der »Ansprüche aus dieser freiwilligen Versicherung«. Die in der DDR eingezahlten Beträge in die damaligen Zusatzversorgungssysteme durch Akademiker, Beschäftigte bei Bahn und Post, Polizei und andere fanden keine Berücksichtigung und sind damit für die Versicherten verloren. Die Nichtanerkennung dieser Ansprüche hat bis heute dramatische soziale Folgen für die (noch lebenden) betroffenen Rentner.

Auf Antrag der Fraktion »Die Linke« kam es im 18. Deutschen Bundestag im Juli 2014 zur Abstimmung über die Beendigung des den Abgeordneten aufgezeigten Rentenunrechts in Ostdeutschland. Dieser Antrag zur Gleichstellung der Ostrentner und zur Anerkennung und Berücksichtigung der DDR Zusatzversorgungssysteme wurde mit der »Drucksache 18/1994« des Bundestages (mit den Stimmen der SPD-Abgeordneten!) abgelehnt.

So wird das »Problem« wie in den zurückliegenden zweiunddreißig Jahren auch weiterhin makaber, »kostengünstig« und auf rein »natürlich-biologische« Art und Weise, aus der Welt geschafft. Mit dem Tod der anspruchsberechtigten ostdeutschen Versicherten.

4. Die Armut:

Der »Paritätische Armutsbericht 2022« konstatiert in Deutschland eine Armutsquote von  16,6 Prozent. Von Armut betroffen sind hier 13,8 Millionen Menschen.

Wie eine Deutschland-Karte aus dem »Paritätischen Armutsbericht 2022« zeigt, konzentriert sich die Armut vor allem auf dem Gebiet der 1990 von der BRD vereinnahmten DDR. 

Armutsquote:

  • Sachsen-Anhalt 19,5 %,
  • Thüringen 18,9 % und
  • Mecklenburg-Vorpommern mit 18,1 %.

Zitat: »›Die Befunde sind erschütternd, […]. Noch nie wurde auf der Basis des amtlichen Mikrozensus ein höherer Wert gemessen und noch nie hat sich die Armut in jüngerer Zeit so rasant ausgebreitet wie während der Pandemie‹, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.« [8]

 Armut nach Erwerbsstatus

5. Die entschädigungslose Enteignung des DDR-Volkes

Am 17. Juni 1990 beschloss die Volkskammer der DDR das »Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens«, das »Treuhandgesetz«.

Dieses trat am 1. Juli 1990 in Kraft. Der gebildeten Treuhandgesellschaft wurden etwa 8 500 DDR-Betriebe, 25 000 Einzelhandelsgeschäfte, 7 500 Gaststätten und Hotels und 1,7 Millionen Hektar Land unterstellt. Die »Treuhand« trug damit auch die Verantwortung für über vier Millionen Arbeiter und Angestellte.

X Verfassung der DDR, Art. 12 1

Die Nachfolgegesellschaft der »Treuhand«, die »Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH« (BVVG), wurde am 1. Juli 1992 gegründet.

Die BVVG veröffentlichte am 22. Juni 2017 anlässlich ihres 25-jährigen Gründungsjubiläums eine bemerkenswerte Mitteilung. Nachzulesen war darin, dass im Zuge der weiteren Privatisierung des Volkseigentums der DDR-Bürger 

in den zurückliegenden 25 Jahren 7,4 Milliarden Euro eingenommen und an den Bundeshaushalt der BRD abgeführt wurden.

Natürlich erhielten und erhalten die so brutal enteigneten DDR-Bürger von diesen 7,4 Milliarden Euro aus dem Verkauf ihres angestammten Eigentums keinen Cent.
Dr. Edgar Most
 war bis zum konterrevolutionären Ende der DDR Vizepräsident der Staatsbank und nach deren Vereinnahmung durch die Deutsche Bank der BRD, deren Direktor und Vorstandsmitglied. Dr. Most gab am 2. Mai 2009 der »Jungen Welt« ein Interview. Titel:

»Der Osten verarmt, vergreist und verdummt«.

Dr. Most stellte fest, dass

»die DDR-Bürger buchstäblich um ihr Vermögen beklaut«

wurden und noch bis in die Gegenwart beklaut werden.

Die BVVG privatisierte bis 2017 bereits fast ein Siebtel der gesamten Fläche der DDR. Damit wurden 1,4 Millionen Hektar Grund und Boden aus dem expropriierten Volksvermögen der DDR verscherbelt. Zum Verkauf standen 2017 immer noch 1 300 Quadratkilometer Acker- und Weideland sowie 90 Quadratkilometer Wald. Der »Schlussverkauf« dieser volkseigenen Agrar- und Forstflächen soll, so die obige Mitteilung der BVVG vom 22. Juni 2017, bis 2030 vollzogen sein.

Die entschädigungslose Enteignung des DDR-Volkes von seinem Volkseigentum gehört zu den größten Untaten der dafür politisch und organisatorisch verantwortlichen der Bundesrepublik Deutschland.

Jürgen Heidig

Der Jürgen spricht auch Etwas an, das es auch bei uns hier gibt. Eine Zusatzrente. Die haben wir DDRBürger schon gehabt, als der Westen noch nicht mal davon träumte. Erst mit dem kompletten Raub unserer Zusatzrentenkasse, fiel diesen Faschisten ein, wie man sich mehr Geld in die Kriegskasse rauben kann. Die da einzahlen, werden sich schön wundern, wie ihre kriminellen Räuber damit umgehen. Deren System ist ein Schneeballsystem. Und das kennen Sie doch? Oder? Wie gesagt: Unsere Gastgeber und die DDR haben eine Verfassung. Die Westfaschisten haben keine! Damit bewegt sich dieses faschistische Besatzerregime nebst ihrer Annexion der DDR, immer noch im Kriegszustand des Dritten Reiches. Und genau so benimmt sich dieses stinkende Gesindel:-))

 

 

Fortsetzung Der Saisonkoch - Sommersaison

Der Saisonkoch - Frühjahr
Aus Neugierde bin ich nicht in die Zimmerstunde gegangen. Ich spaziere noch über unseren Parkplatz und genieße den Blick ins untere Martelltal. Agnes kommt gerade. Sie fährt mit einem anderen Auto. Nicht mit dem großen Benz. In der Schule, in der sie arbeitet, sähe das sicher nicht gut aus. Und dann der Einkauf. Der hinterlässt bisweilen auch Spuren im Polster des Autos.
„Helfe mir mal bitte beim Ausräumen.“
Fleisch, Gemüse, Salat und Kartoffeln, alles ist dabei.
Bei uns gibt es heute Geselchtes. In Südtirol wird das eigentlich im Herbst gegessen. Für unsere Gäste verwandeln wir das Frühjahr in den Herbst. Von den Temperaturen her passt das. Es ist nicht besonders warm. Bei vielen Neuankünften möchte ich auch gern Sortimente verwenden, die ich problemlos weiter verarbeiten kann. Geselchtes ist, wenn ich es pochiere, Prager Schinken. Und den benötige ich für das Frühstück. Oft spare ich mir sogar das Pochieren. Weil unser Geselchtes sehr oft zu heiß geräuchert wird. Und dann ist es schon Schinken. In dem Fall, muss ich es nur erwärmen oder kalt aufschneiden.
„Ich muss heute zum Doktor“, sagt mir Claudia im Gehen.
„Bist du krank?“
„Nein.“
„Melde dich bitte bei Agnes ab. Sie bezahlt dir deinen Lohn. Kommst du heute Abend?“
„Ich versuche es.“
Das klingt so, als würde ich heute Abend allein da stehen. Claudia hat wahrscheinlich heute einen Ausgang verabredet. Sie hat den halben Vormittag telefoniert.
Der Salat ist aber fertig. Nur nicht auf dem Teller. Wir legen Salatteller. Das kann ich abends schnell nachholen. Wegen der Busse, haben wir uns entschieden, Salate nur noch portioniert zu servieren. Offensichtlich verwechseln unsere Gäste das Salatbuffet mit der Tafel in Deutschland. Salat scheint zur Hauptspeise zu werden. Die Hauptspeise wird neuerdings sogar eingepackt. Unsere Gäste scheinen sich für ihren Umgang mit dem Besteck zu schämen. So, wie unsere Tische nach der Mahlzeit aussehen, beherrscht Keiner mehr das Besteck. Vielleicht sollten wir es mal mit Stäbchen probieren? Oder mit Löffeln.
Leo deckt das aber mit ein.
Leo kommt in die Küche. Sein Gesicht verrät nichts Gutes.
„Wir sind gekündigt worden.“
Mir fällt fast das Weißkraut aus der Hand.
Was ist passiert?“
Wir zahlen hier monatlich rund fünfzehn Tausend Miete.“
Habt ihr nicht bezahlt?“
Doch. Wir zahlen an eine Bank in Österreich.“
Wir bemerken in dem Zusammenhang, Gesetze scheinen nicht zu zählen in diesen Kreisen. Klagen dagegen, sind zu teuer und zeitaufwendig. Nachgeben scheint hier die Lösung zu sein. Offensichtlich streiten sich hier mehrere Parteien. Ein Ausweg scheint nur im Verfall des Anwesens zu bestehen. Das ist wahrer Umweltschutz.
Die Zwei möchten mich bei ihrer Suche nach einem neuen Objekt gern mit nehmen. Einen solchen Lohnausfall kann ich leider nicht verkraften. Wir müssen jeden Monat einen Tausender drücken. Und der kommt nicht vom Himmel gefallen. Die Zwei versprechen mir, sich um mich zu kümmern. Die Frage ist ernst für meine Familie. Auch, wenn wir nur Zwei sind. Wir leben unter gewissen Einschränkungen, die wir meiner defensiven Haltung gegenüber Ämtern zu verdanken haben. Ich möchte als Migrant nicht permanent vor irgendeinem Amt die Innenseite meiner Unterhose zeigen. Wir sind das einfach nicht gewohnt. Zum Glück können wir wenigstens mit Geld umgehen.