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Ein kleiner Hinweis zu meinem Krankheitsverlauf

Ich konnte diese Woche sämtliche Verbände abnehmen.

Im leichten Übermut bin ich natürlich zum Schnalser Stausee ohne Stöcke gefahren und habe dort fotografiert.

Wie üblich, können sich Proleten keine Schuhe für 100 € aufwärts leisten, die auf Schnee bzw. Schneeglätte nicht rutschen. Ich trage grundsätzlich Schuhe für 10 €. Und die rutschen eben etwas.

Eigentlich vermeide ich Unebenheiten, um die Metallinstallation samt Knochen an meinem unteren Schienbein zu schonen.

Eine von mir unbemerkte Unebenheit oder ein kaum beachtetes Rutschmanöver, haben mich wieder an meine Gehstöcke gezwungen.

Jetzt wollen wir mal schauen, wann es wieder normal geht.

Jetzt können wir uns sicher gut vorstellen, wie ich gerade mit dem Motorrad fahre.

Ich habe mal ein Foto ohne Verband gemacht.

Einen anderen Aspekt möchte ich gern noch dazu fügen.

Beim Motorradfahren trage ich Schutzstiefel, die solche Verdrehungen verhindern.

Jetzt muss ich die Haut des gesamten Bereiches wieder rekultivieren. Das Monate lange tragen des Verbandes hat schon seine Spuren hinterlassen.

Übrigens: die 50 Jahre Arbeit in Küchen zwingen mich heute und auch schon die letzten 10 Jahre, Stützstrümpfe zu tragen. Damit unterbinde ich Schwellungen der Beine in warmen Umgebungen und beim Sitzen.

Auszug "Der Saisonkoch-Teil zwei"

Der Saisonkoch Zweiter Monat

Bewerbungsgespräche sind Dienstfahrten. Die sollten auf alle Fälle von denen bezahlt werden, die sie auslösen. Mit dem derzeitigen System werden die Fahrten samt Unfallrisiko auf die Arbeiter abgewälzt. Damit wird auch das Risiko eines dauerhaften körperlichen Schadens auf die Arbeiter abgewälzt. Zumindest erwarte ich, dass ich diese Dienstfahrten steuerlich absetzen kann. Aber das funktioniert auch nicht.

Seit langem deutet sich eine Runde in Südtirol an. Immerhin ist das unsere Wahlheimat, in der wir Versicherungen und Steuern bezahlen. Am liebsten wäre mir, noch einen Arbeitsplatz in der laufenden Saison zu erwischen. In Südtirol gibt es da mehrere Möglichkeiten bis hin zu Gletschergebieten. Bei der Planung muss ich jetzt darauf achten, dass ich nicht zu weite Wege zu meiner Joana habe. In Südtirol wird der Arbeitsweg bewusst nicht bezahlt. Man möchte damit den Werksverkehr verringern. Die Umweltbelastung durch die Touristen und den Transit ist eh schon zu hoch. Wir bringen die Opfer für unsere Gäste. Leider verstehen das die wenigsten Touristen. Sie denken, das ist eine Selbstverständlichkeit. Statt die Touristen mit ihren platzraubenden SUV's und Wohnmobilen einfahren zu lassen, würde ich eher einen einspurigen Verkehr bevorzugen. Der läuft flüssiger und wesentlich umweltfreundlicher. Genau der Verkehr wird aber stark verleumdet. Ich rede von Motorrädern und Skootern. Dazu kommen ganz einfache wirtschaftliche Belange. Ein SUV - Fahrer oder ein Camper, wird seine Urlaubsverpflegung samt Verpackung, in seinem Fahrcontainer umher schleppen. Die Gastronomie kann von solchen Touristen nicht leben. Der Umweltschaden ist erheblich. Die Verpackungen bleiben hier und liegen in den naturgeschützten Bergen herum. Ein mehrspuriger Verkehr benötigt natürlich auch den entsprechenden Raum. Ein normales Auto benötigt zehn bis sechzehn Quadratmeter. Ein Wohnmobil oder Campinganhänger, benötigt sicher nicht unter zwanzig Quadratmeter. Diesen Platz gibt es weder in den Bergen noch auf den Straßen zwischen den Bergen. Die Zukunft Südtirols liegt damit eindeutig im einspurigen Verkehr. Einspurig heißt aber nicht, Fahrradverkehr. Fahrräder werden von den Touristen nach Südtirol mitgenommen. Auf dem SUV genauso wie auf anderen Autos und in Anhängern. Das ist kein Umweltschutz. Das ist eher ein Müllexport. Dazu kommt, dass die Fahrräder bis an den Berg oder an das Naturschutzgebiet, individuell transportiert werden.

Ich konzentriere mich bei meiner Bewerbung also zunächst auf den Vinschgau. Das stellt kurze Arbeitswege in Aussicht. Mit den kurzen Arbeitswegen wird auch das Unfallrisiko scheinbar etwas eingeschränkt. Für den Vinschgau gilt das in der Hinsicht natürlich nicht unbedingt. Dort herrscht in jeder Saison das reinste Verkehrschaos.

Der Nachteil der Täler ist eben, dass man zu wenig Umgehungsstraßen bauen kann.

Ich schreibe Betriebe in Burgeis, Schlanders, Partschins, Prad, Mals, Latsch und im Schnalstal an. Mal sehen, wie sie reagieren. Im Grunde schreibe ich nicht viel. Den Meisterbrief kann ich dort eh nicht gebrauchen. Den verschweige ich. Ich zähle ein paar Betriebe auf, in denen ich gearbeitet habe. Zeugnisse bekommt man kaum. Trotzdem fragt jeder nach Zeugnissen. Das ist schon eigenartig im Gebirge.

Jona kommt aufs Zimmer. Markus, der Besitzer unserer Autowerkstatt, hat angerufen. Er kann uns den Kotflügel am Mittwoch einsetzen. Er hat den schon da und lackiert ihn heute. Die Schürze hat er auch mit bestellt. Die lackiert er gleich mit.

Joana bekommt ab Mittag frei. Wir können einen schönen Spaziergang am See einplanen.

Vinschgau Februar 2015

Auszug Teil 2

Der Saisonkoch Zweiter Monat

Die Wenigsten sind wirklich Ski gelaufen. Sie haben gesoffen und gefressen - nicht gegessen. Der Blick auf und unter die Tische belegt das. Man fragt sich besorgt, warum wir Tischdecken und Bestecke auflegen. Ich glaube, die Gäste können Pommes und Hamburger nur noch mit den Händen essen. Mitunter geht mir ein Witz durch den Kopf. Der, mit dem zerkratzten Gesicht bei den Ostfriesen. Bei denen bin ich mir aber sicher, dass die mit Besteck umgehen können müssen. Fisch lässt sich mit den Fingern schlecht essen.

Ruth gibt mir dieses Mal recht viel Geld. Dazu drückt sie mir eine Tüte in die Hand. Schnitzel. Sie hat mir vier Schnitzel eingepackt. "Dein Personalessen", hat sie gesagt. Wir trinken noch einen Kaffee zusammen.

Die Heimfahrt wird zu einem Chaos. Es staut schon in Galtür. Nach Ischgl brauche ich eine Stunde. Von Ischgl nach Kappl dauert es wieder eine Stunde. Bei Wolfgang steht eine Schlange vor der Tür. Ich muss an unsere Platzierungsschlangen vor den Restaurants in der DDR denken. Für die sind wir mal von diesem Volk ausgelacht worden. Eigentlich stehen die überall Schlange. Der Gedanke kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich diese Warteschlangen sehe.

In Landeck steht Alles. Nur nicht in meine Richtung. Irgendwie scheine ich es noch zu schaffen vor achtzehn Uhr, denke ich mir. Wie gesagt. Ich dachte es mir. In Pfunds steht wieder Alles. Dieses Mal den Reschen rauf. Ich sehe gerade unseren Spaziergang, Flöten gehen. Den Reschen hoch bis Nauders brauche ich ab Pfunds, zwei Stunden. Das Abendmenü bei Alfred wird heute besonders lange dauern, wenn die Anreisen mit im Stau stehen.

Alfred steht schon am Eingang. Er wartet nur auf eine Anreise. Denen wird Marco eine kalte Platte machen und gut ist. "Staut es?"

"Ich wollte nachmittags da sein."

"Wann bist Du denn los gefahren?"

"Kurz nach Drei."

"Fast sechs Stunden. Rekord ist das aber noch keiner."

"Wie? Hast Du schon länger gestanden?"

"Ja. Acht Stunden von Kappl hier her."

"Ich habe Schnitzel mit. Die hat mir Ruth eingepackt."

"Ruth? Das wundert mich. Die hat das wahrscheinlich vermutet."

Alfred lässt sich nicht näher aus dazu. Ein paar Hotelgäste verwickeln ihn in ein Gespräch. Bei Marco gehe ich nicht vorbei. Die Zwei schwimmen sicher jetzt.

Joana wartet schon. Sie hat die Brötchen von Maria in der Mache.

"Ich habe Schnitzel mit."

"Das auch noch."

Die Schnitzel essen wir mit Butterbrötchen. Die aufgebackenen Teiglinge schmecken gut. Maria lässt die gut gehen. Gedämpft, würden die auch als Böhmische Knödel durchgehen.

"Morgen hab ich frei. Ich kümmere mich morgen um Arbeit."

Wir gehen schlafen.

Marmolada April 2013

Auszug "Der Saisonkoch-Zweiter Monat"

Der Saisonkoch Zweiter Monat

Zwischenzeitlich habe ich alle Schnitzel geschnitten und gewalzt.
Würzen tu ich die gleich zusammen in einer großen Schüssel. Die
Schnitzel, die noch paniert werden sollen, belasse ich in der
Schüssel, während ich die Naturschnitzel mit etwas Öl vermenge
und in mein Kühlfach gebe. Alois wollte seine Kartoffeln schälen.
Ich habe ihm gesagt, dass es mir lieber wäre, wenn er alle
Kartoffeln als Pellkartoffeln dämpft. Alois findet das auch besser
und gibt mir ein Kompliment. In die zu panierenden Schnitzel gebe
ich jetzt etwas doppelgriffiges und einfaches Mehl, ein paar Eier
und rühre das Ganze um. Jetzt kann ich mit einer Hand, der linken -,
zügig die Schnitzel panieren. Ich frage Jürgen, ob er auf dem Spieß
noch Platz hat, weil ich darauf gleich die Nackenteile des Kammes
stecken will. Es ist noch Platz bei den achtzig Hähnchen, die schon
drauf stecken. Achtzig Hähnchen ergeben dreihundert zwanzig
Portionen, wenn sie geviertelt werden sollen. Bei unserem Personal
und auch bei dem Pistenpersonal, wird geviertelt- und bei unseren
Gästen, auf Wunsch, auch halbiert serviert. Dazu gibt es Pommes
oder auf Wunsch, Hauskartoffeln. Hauskartoffeln sind in etwa mit
Wedges zu vergleichen. Es sind gebackene Kartoffelspalten.
Italiener sagen dazu, Bratkartoffel. Für einen deutschen oder
österreichischen Gast, sind Bratkartoffeln, gebratene
Kartoffelscheiben. In Südtirol nennt man die, Röstkartoffeln.
Sobald man also, als Koch länderübergreifend arbeitet, möchte
man sich an die unterschiedlichen Namen recht schnell gewöhnen,
weil es sonst ein gewaltiges Chaos verursacht.
Unser Mittagsgeschäft ist vorbereitet und jetzt kommt das
Personal zum Essen. Die Gelegenheit ist günstig, um sich
vorzustellen, ein Gesundes Neues Jahr zu wünschen und etwas
auszuhorchen. Aus Galtür kommen genau, zwei Mitarbeiter. Eine
junge Kollegin geht als Bedienung und ein Kollege arbeitet am
Tresen. Alle anderen Mitarbeiter sind Ausländer, wie ich. Aus der
DDR ist eine Kollegin, die bereits nach Kappl ausgewandert ist. Sie
kommt aus Halle und ist eine gelernte Kellnerin. Ihrem Alter nach
zu urteilen, hat sie den Beruf nicht nach DDR - Kriterien gelernt.
"Hamm'mer ni" bedeutet also nicht, dass wir das Produkt nicht
mehr haben, sondern, dass wir das Produkt gegen Aufpreis
verkaufen. Fast wie zu Hause.
Alois bietet mir an, dass er mir die Beilagen für meine Hauptgerichte
mit macht. Ich lehne das ab, weil das für gewöhnlich einen irren
Stau, aber zumindest, zusätzlichen Stress verursacht. Wir sind
bereit zur Ausgabe. Ich öffne das Fenster für den Direktverkauf und
ruckzuck, stehen Kunden vor mir. Die Bestellungen der ersten
Kunden ähneln denen, die von den letzten Kunden abgegeben
werden. Man bestellt die komplette Karte. Die Grillhähnchen laufen
gut aber auch die Schnitzel. Aus dem Restaurant kommt der erste
Meter Bons. Die Kellner geben das per Fernbedienung ein. Die
Eltern bestellen ihren Kindern grundsätzlich Pommes.
Offensichtlich ist kein Geld und auch kein Wille da, den Kindern
eine vollwertige Speise zu bestellen. Erziehung ist ein Fremdwort
im Westen.

 

Auszug "Der Saisonkoch-Zweiter Monat"

Der Saisonkoch Zweiter Monat

Der Salatkoch stellt sich mit Jürgen und der Zweite,
mit Alois vor. Jürgen ist ein recht großer, fester Kollege, der mir
etwas hochdeutsch klingt. Ich sage ihm, dass er mit der
Voraussetzung schon mal die Annonce mit übernehmen kann. Er
sagt, er kommt aus Deutschland und möchte Saisonarbeit lernen.
Alois kommt aus der Grazer Gegend. Das ist schon mal ein ganz
schöner Weg nach Galtür. Er hätte in der Nähe eine Freundin und
deswegen ist er da.
Die Gerichte für das Tagesgeschäft sind einfache Imbisse. Abends
werden etwas festere Speisen angeboten. Menüs für Hausgäste
werden nicht gesondert gekocht, dafür aber ein oder zwei
Tagesgerichte. Insgesamt klingt das ziemlich übersichtlich und von
den Ansprüchen her, auch gemütlich. Wir verabreden uns für
Morgen, acht Uhr.
Kaum komme ich zur Chefin, fragt sie, ob wir uns einig geworden
sind. Der Ersatzkoch kommt auch morgen, hat sie gerade erfahren.
Sie legt mir gleich einen Vertrag hin. Das würde ziemlich streng
kontrolliert bei ihnen. Andreas fragt mich, ob wir noch einen Kaffee
zusammen trinken. Ich begrüße das Angebot, weil die Wirkung des
schon getrunkenen Kaffees, nachzulassen scheint. Andreas sagt, er
ist Deutscher und er hat sich in die Gegend verliebt. Rosi wird leicht
rot bei der Aussage. Ich befrage die Beiden nach der aktuellen
Lawinensituation und sie antworten mir, dass da im Moment nichts
zu befürchten ist. Wir verabreden uns auf acht Uhr, morgen Früh.
Jetzt steig ich schnell ins Auto, um noch rechtzeitig meinen lieben
Wolfgang und seine Maria zu erreichen. Ich muss unbedingt sehen,
wie der Laden läuft. Es ist Mittagszeit und auf den Straßen ist
schon erheblicher Betrieb. Der Parkplatz von Ischgl ist rappelvoll.
Im Ort staut es gewaltig. Man ist beim Einkaufen. Als Koch könnte
ich mir in Ischgl nicht mal eine Tüte Bonbons kaufen. Der Großteil
des ausländischen Personals geht meist in Landeck einkaufen. In
den Touristenhochburgen gibt es für das Personal wenig
Möglichkeiten. Meist werden die Kollegen beauftragt, Etwas
mitzubringen. Die beengten Verhältnisse in den Personalzimmern,
die Preise für Tanzveranstaltungen, Kaffee oder ein Stück Kuchen,
sind unerträglich und wirklich nur mobil zu ertragen. Und genau das
erlebe ich jetzt zu Mittag. Neben den Touristen, fährt jetzt das
Personal der Gegend zur Zimmerstunde, das Personal, welches frei
hat, in die Stadt oder zurück, die Neuanreisen in ihre Hotels, die
Eltern ihre Kinder abholen und die Frühstückskräfte nach Hause.
Der Weg nach Kappl dauerte entsprechend und ich habe den
Gasthof erst nach dem Mittagsgeschäft erreicht. Die Jungs waren
bereits auf Zimmerstunde und Wolfgang auch. Maria stand noch an
der Rezeption und war wirklich erfreut, mich relativ gesund wieder
zu sehen. "Der Verband ist aber ganz schön groß."
"Du müsstest mal den Schnitt sehen, der ist genäht worden und
sieht nicht wirklich gut aus."
"Aber, das Autofahren geht schon wieder."
"Ja. Ich muss auch etwas arbeiten, weil unsere Raten bezahlt
werden müssen. Wir wollen im Frühjahr fertig sein damit."
"Wir werden wahrscheinlich nie fertig mit unseren Raten. Es ist zu
viel."
"Hat sich schon Etwas ergeben mit der Versicherung und dem
Notstandsfond?"
"Nichts. Ich drehe fast durch. Die Schreiberei....es ist kaum zu
schaffen."
"Lass das doch den Hotelverband machen."
"Die tun auch nichts. Trinken wir einen Kaffee?"
"Ich bezahle. Ist Soltan noch da?"
"Die sind Alle kurz mal zu Hause. Nur Muchmat und Ali sind noch da.
Zum Glück. Die Zwei schmeißen das halbe Geschäft."

Kein Motorrad unterwegs

 

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